03.05.2005 Flussseeschwalbe (Natur)

 

„Der April ist der Ankunftsmonat vieler Tiere im Wattenmeer, unter und über Wasser. Zu ihnen gehört auch ein eleganter Vogel, der früher an jedem See und Fluss zu Hause war, heute aber fast nur noch an der Küste vorkommt: die Flussseeschwalbe (Sterne hirundo).

 

Sie ist bei der Vogelbeobachtung im Wattenmeer ein notorischer Problemfall, da sie aus der Entfernung nur schwer von der ähnlichen Küstenseeschwalbe unterscheidbar ist. Beide sind:

 

 

Allerdings hat die Flussseeschwalbe eine

 

 

Hat man fliegende Exemplare der rotfüßigen Seeschwalben nahe genug vor sich, kann die Schwingefärbung helfen:

 

 

Viel Glück beim Erkennen …

 

Zum Winter hin bekommen beide Arten eine weiße Stirn und einen dunkleren Schnabel.

 

Hätten Sie gedacht, dass …

 

… Seeschwalben mit den echten Schwalben nur den gegabelten Schwanz gemeinsam haben, sonst aber zu den Möwenvögeln gehören?

 

… die Fluss- & Küstenseeschwalbe wegen ihrer Ähnlichkeit oft scherzhaft „FluKü’s“ genannt werden, was die Briten ähnlich tun: dort wurde aus „Common“ und „Arctic“ die „Commic tern“.

 

… die Art in Holland „Visdief“, also Fischdieb heißt, was gut damit übereinstimmt, da sie nahezu ausschließlich Kleinfische frisst?

 

… Flussseeschwalben in gemischten Brutkolonien oft den Küstenseeschwalben die Beute klauen?

 

… die Brutplätze verlassen und welche dann oft durch Möwen übernommen werden, wenn sie durch den Vogelkot so gedüngt sind, dass Gras aufwächst?

 

… diese Art die wohl am besten erforschte Seeschwalbe der Welt ist, da eine Brutkolonie bei Wilhelmshaven seit Jahren vollelektronische verkabelt ist und (fast) jede Lebensfunktion der Vögel in Datenberge verwandelt wird.

 

… man um 1910 die Vögel als lebende Schießziele bei Jagdausflügen in’s Watt und als Lieferanten von Schmuckfedern für Damenhüte missbrauchte?

 

Wo ist die Flussseeschwalbe zu finden?

 

Die Art ist zur Brutzeit fast auf der gesamten Nordhalbkugel in gemäßigten Breiten anzutreffen – von Korea und Tibet über Wilhelmshaven bis New York. Im Wattenmeer ist sie von Mitte April bis Ende September anwesend. Ihre Überwinterungsgebiete liegen im sonnigen Süden in Äquatornähe, wobei sie nicht ganz so weit südlich zieht wie die Küstenseeschwalbe.

 

Im Wattenmeere brüten etwa 12.000 Paare, überwiegend im südlichen Watt am Festland. Die Brutplätze liegen auf vegetationswarmen Uferflächen. Die Nistkuhle ist eher schmucklos und enthält 2 – 4 Eier. Sie sind empfindlich gegen Störungen durch Menschen und gegen Kükenraub durch Großmöwen, sodass der Bruterfolg stark schwankt. Während der Brut versorgen die Eltern sich gegenseitig mit Futter, und auch die Jungen, die nach knapp 4 Wochen flügge sind, werden noch wochenlang mit Fischchen versorgt.“

 

Text: Dipl.Biol. Rainer Borcherding, Husum

Quelle: WATTREPORT, Nr. 04/2005 – www.schutzstation-wattenmeer.de

Zum Vergleich:

Borcherding,R.: Küstenseeschwalbe, in: Wattreport, Nr. 4/03

è www.kuestenkanuwandern.de/akutell.html > Info v. 01.06.03 (Natur)