04.06.2005 Nationalpark: Wattboden in Gefahr (Natur)

 

Der WWF kritisiert geplante Aufhebung des Muschel-Fangverbotes im niedersächsischen Wattenmeer:

 

Die niedersächsische FDP/CDU-Regierung will das Natur bewahrende Fangverbot für Herzmuscheln, Trogmuscheln, Amerikanische Schwertmuscheln und Pazifische Austern aufheben. Dies sieht ein Vorschlag für eine Novellierung der Niedersächsischen Küstenfischereiordnung vor.

 

Nach Angaben des WWF ist die Fischerei auf diese Muschelarten bislang verboten, weil die Fangmethoden den Watt- und Meeresboden und seine Bewohner zu stark schädigen würden. „Muschelfischerei ist als würde mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden“, kritisiert Beatrice Claus vom WWF.

 

Um etwa an die Herzmuscheln heranzukommen, müsste der obere Teil des Wattbodens abgesaugt werden. Dabei würden ein Großteil der im Boden lebenden Tiere getötet. „Weil umfassende Forschungsarbeiten die massive Naturzerstörung durch Herzmuschelfischerei nachgewiesen haben, ist diese nun auch im niederländischen Wattenmeer seit dem 1. Januar verboten“, so Beatrice Claus. „Doch die niedersächsische Landesregierung will einmal mehr das Rad des Schutzes unseres Weltnaturerbes zurückdrehen – koste es, was es wolle.“

 

Gefischt wird überwiegend im Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ und in „Natura 2000“-Schutzgebieten. „Die geplante Ausweitung der Muschelfischerei im Wattenmeer ist nicht vereinbar mit den nationalen und europäischen Schutzzielen für diese Gebiete“, betont Beatrice Claus. Der vorgelegte Regierungsentwurf werde weder den Anforderungen an eine nachhaltige Fischerei noch denen des Nationalparkgesetzes und des europäischen Naturschutzrechts gerecht. Lediglich eine naturverträglich geregelte Miesmuschelfischerei ist nach Auffassung des WWF mit Naturschutzzielen vereinbar ist, wenn diese z.B. auf die Befischung trockenfallender Wattflächen verzichtet.

 

Statt einer „Rolle rückwärts“ der Landesregierung fordert der WWF nun eine Aufnahme der Schutzbestimmungen aus dem Nationalparkgesetz „Niedersächsisches Wattenmeer“ in die Küstenfischereiordnung und damit die Harmonisierung beider Regelwerke. „Käme die von der Landesregierung vorgeschlagene Änderung, dann ist ein Dauerkonflikt vorprogrammiert. Denn das Nationalparkgesetz untersagt die Muschelfischerei, mit Ausnahme der Miesmuscheln“, erläutert Beatrice Claus.

 

Quelle: WWF-Info-Newsletter v. 27.05.05 – www.wwf.de