13.06.2005 Die Mär vom wissenschaftlichen Walfang (Natur)

 

In einer WWF-Presse-Info werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die darauf hindeuten, dass Japans Walforschung nicht zum Wissenszuwachs beiträgt:

 

„Trotz Fangverbot hat Japan in den vergangenen 20 Jahren mehr als 7000 Mink-, Pott-, Sei- und Brydeswale gejagt und getötet – angeblich zu wissenschaftlichen Zwecken. Zur Erforschung der Wale sei deren Fang unvermeidbar, so die Japaner. Im Vorfeld der diesjährigen Tagung der Internationalen Walfangkommission IWC in Südkorea deckt eine WWF-Studie auf: Keines der Argumente, die die Notwendigkeit des Walfangs belegen sollen, hält einer wissenschaftlichen Überprüfung stand. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Japans Forschungsprogramm ein kaum verhülltes Mittel ist, um den japanischen Markt mit Walfleisch zu versorgen.

 

Nach Ansicht des WWF ist es mit modernen Methoden heute möglich, Wale zu erforschen, ohne sie dabei zu töten. Japan dagegen – eines der am höchsten entwickelten Länder der Welt – arbeitet im 21. Jahrhundert noch mit den Methoden von 1940. Volker Homes, Walexperte beim WWF-Deutschland, erklärt die Fortschritte: „Mit einem speziellen Pfeil können Wissenschaftler den Walen völlig unbedenklich kleine Gewebeproben entnehmen. Genetische Untersuchungen der Proben lassen dann Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter und Verwandtschaftsbeziehungen zu.“ Selbst Nahrungsgewohnheiten lassen sich auf diese Weise besser erforschen. „Während der Mageninhalt eines toten Wals nur verrät, was er kurz zuvor gefressen hat, geben die Gewebeproben auch Hinweise auf langfristige Ernährungsweisen“, so Homes.

 

Einen weiteren Hinweis auf die Qualität der japanischen Walforschung gibt die Anzahl der in wissenschaftlichen Fachmagazinen veröffentlichen Artikel: Keine einzige der vorgelegten Studien konnte die Mindestansprüche der Zeitschriften erfüllen. WWF-Artenschützer Homes: „Die Ergebnisse des japanischen Walfangprogramms sind so dürftig, dass sie dem kritischen Blick internationaler Walexperten nicht standhalten.“

 

Das Fangverbot auf Großwale wurde 1982 von den Mitgliedsstaaten der IWC verabschiedet und trat 1986 in Kraft. Noch im selben Jahr startete Japan sein Forschungsprogramm. Seitdem haben die japanischen Vertreter immer wieder versucht, die IWC zu einer Aufweichung des Fangverbots und der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zu bewegen. Bisher scheiterten alle Anträge am Widerstand der Nationen, die sich für den Schutz der Meerestiere einsetzen. In diesem Jahr könnten die Walfangstaaten erstmals eine Mehrheit erreichen.

 

Der WWF ist bereits seit vielen Jahren für den Schutz der Wale aktiv und wird sich auf der bevorstehenden IWC für die Meeressäuger einsetzen. Das langfristige Ziel ist es, überlebensfähige Populationen aller Wal- und Delfinarten in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet aufzubauen und zu erhalten.

 

Text: Christian Engel

Quelle: WWF-PRESSEINFORMATION v. 13.06.05

Link: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02478/

 

Nachtrag: Die Mitgliedsstaaten der Internationalen Walfangkommission IWC haben Japans Programm zum wissenschaftlichen Walfang eine deutliche Abfuhr erteilt. Eine von Australien eingebrachte Resolution, die den wissenschaftlichen Walfang verurteilt, wurde mit 30 zu 27 Stimmen angenommen. Die Resolution hat für Japan allerdings keinen verbindlichen Charakter. Trotzdem ist das Ergebnis ein moralischer Erfolg. Der Vorsprung der Walschützer werde allerdings immer kleiner.

Japans neues Programm zum wissenschaftlichen Walfang sieht eine Ausweitung der Fangquoten auch auf die stark bedrohten Finn- und Buckelwale vor. Jeweils 50 der seltenen Tiere sollen in den kommenden Jahren in den Gewässern der Antarktis gefangen werden. Artenschützer Homes: „Die Japaner jagen damit ausgerechnet in einem Gebiet, das von der IWC mit großer Mehrheit als Walschutzgebiet ausgewiesen wurde.“

(WWF-Presse-Info v. 22.06.05)