03.06.2006 Asiatische Gespensterkrebse (Natur)

 

In den NATIONALPARK NACHRICHTEN des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist Folgendes zu lesen:

 

„Als im Herbst 2004 Schwimmstege aus dem Hafen von List im Norden der Insel Sylt zur Einlagerung über den Winter aus dem Wasser geholt wurden, waren diese dicht mit einer Krebsart besiedelt, die bisher für das Gebiet unbekannt war. Christian Buschbaum und Imme Schrey von der Sylter Wattenmeerstation des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung identifizierten die Tiere als einen Gespensterkrebs (Caprellidae) mit dem Namen Caprella mutica und zählten auf Pontons und Hafenmolen mehr als 3.000 Tiere pro Quadratmeter.

 

Beheimatet ist C.mutica an der Küste Nordostasiens. In der Nordsee wurden erste Exemplare im Jahr 1995 an der niederländischen Küste entdeckt. Danach wurde die Art auch in Belgien, Norwegen, Irland sowie Schottland und nun auch an der deutschen Nordseeküste beobachtet. Den weiten Weg aus dem Fernen Osten in die Nordsee haben die Krebse vermutlich als blinde Passagiere im Ballastwasser von Schiffen oder auch als Begleitart von Pazifischen Austern (Crassostrea gigas) überwunden, die bis in die 1970er Jahre zu Kulturzwecken aus Asien in europäische Gewässer gebracht wurden.

 

C. mutica erreicht eine Körperlänge von über 35 Millimetern und ist damit deutlich größer als die wenigen anderen in deutschen Gewässern heimischen Caprelliden-Arten, die 20 Millimeter kaum übertreffen. Aufgrund der Körpergröße von C. mutica und wahrscheinlich ähnlicher Lebensansprüche kann nicht ausgeschlossen werden, dass es zur Verdrängung von ansässigen Caprelliden-Arten kommen wird. Die Verbreitung des Gespensterkrebses und seine potenzielle Ansiedlung in natürlichen Lebensräumen hat Imme Schrey in einer Diplomarbeit untersucht.“

 

Quelle: NATIONALPARK NACHRICHTEN – Informationsblatt aus dem NP Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (April-Mai 2006) – www.wattenmeer-nationalpark.de