26.12.2006 Schlangensterne (Natur)

 

Im WATTERPORT stellt Rainer Borcherding die Schlangensterne vor:

 

„Mindestens so viele Sterne wie am Himmel liegen am Grunde der Meere. Dabei sind nur ein kleiner Teil davon die bekannten Seesterne. Meist viel häufiger, aber auch viel schwerer zu entdecken, sind die diversen Schlangensterne (Ophiura texturata).

 

Charakteristisch für Schlangensterne ist ihr scheibenförmiger Körper mit fünf dünnen, lebhaft beweglichen Armen. Es sieht sehr amüsant aus, wenn ein Schlangenstern eilig über den Meeresgrund „robbt“.

 

Der Gewöhnliche Schlangenstern ist mit bis zu 3 cm Scheibendurchmesser und einem Gesamtdurchmesser bis 12 cm eine mittelgroße Art. Seine Oberseite ist bräunlich, mitunter mit Flecken, die Unterseite weiß. Die für Stachelhäuter typischen Kalkplättchen in der Haut umschließen die Arme in Längsreihen und sind hier mit Gelenken verbunden, wie ein Panzerhemd oder eine Schlangenhaut. An der Körperscheibe sitzen stützende Kalkplättchen vor allem am Armansatz und unterseits rund um die Mundöffnung.

 

In der Nordsee leben etwa 10 Arten von Schlangensternen. Häufig auf Hartgrund ist der Zerbrechliche Schlangenstern, der mit seinen stacheligen Armen Plankton fischt.

 

Hätten Sie gedacht, dass …

 

… der wissenschaftliche Artname unseres Gewöhnlichen Schlangensterns recht zutreffend „Schlangenschwanz mit Webmuster“ bedeutet?

 

… Schlangensterne mit ihren 1.900 Arten weltweit die erfolgreichste Gruppe der Stachelhäuter sind, häufiger als Seeigel, Seegurken und Seesterne?

 

… es Schlangensterne mit vielfach verästelten Armen gibt, die „Gorgonenhäupter“, die mit dem Gewirr ihrer Arme Plankton aus dem Wasser fischen?

 

… ein Schlangenstern selbst nach dem Verlust von 4 ½ Armen nicht unbedingt stirbt, sondern die fehlenden Teile nachzubilden versucht?

 

… Schlangensterne an der Armunterseite kleine Saugfüße haben, womit sie Futterpartikel wie am Fließband Richtung Mund „durchreichen“?

 

  ein krabbelnder Schlangenstern mit „Spurt“ mehrere Meter pro Minute zurücklegen kann?

 

… manche tropischen Schlangensterne sich vermehren, indem sie sich in der Mitte durchteilen und die jeweils fehlenden Teile nachbilden?

 

Wo ist der Schlangenstern zu finden?

 

Der Gewöhnliche Schlangenstern lebt an den Flachküsten des Nordatlantiks bis zur westlichen Ostsee auf Weichgrund, gerne auch Schlick. In den Prielen des Wattenmeeres ist er häufig und wird mitunter bei Stürmen an Strände gespült.

 

Die Tiere sind tagsüber oft bis auf die Armspitzen im Boden vergraben, vermutlich als Schutz gegen Fressfeinde. Nachts kriechen sie langsam auf dem Meeresgrund umher. Sie fressen abgestorbene Reste von Tieren und Pflanzen, bei Gelegenheit auch Aas und Kleinsttiere.

 

Verlieren sie selbst einen oder mehrere Arme an Fressefeinde, können sie diese innerhalb weniger Wochen vollständig nachbilden. Selbst die Oberfläche der Körperscheibe kann ersetzt werden!

 

Schlangenstern sind getrenntgeschlechtlich und geben ihre Eier und Samen durch Schlitze an der Armbasis ins Meerwasser ab. Die schlüpfende Larve hat zunächst zwei Körperseiten und bildet dann einen fünfstrahligen Auswuchs, der zum Stern wird, während der Rest des Larvenkörpers „eingeschmolzen“ wird.“

 

Text: R.Borcherding

Quelle: WATTREPORT, Nr. 12/06 – www.schutzstattion-wattenmeer.de

Link: http://wikipedia.org/wiki/Schlangensterne