19.04.2007 Ringelgänse hautnah auf den Halligen erleben (Natur)

In einer Presseinformation der SCHUTZSTATION WATTENMEER ist Folgendes zu lesen:

„Ab Februar sind die Ringelgänse nach diesem sehr milden Winter recht früh aus ihren französischen und britischen Winterquartieren an die Wattenmeerküste Schleswig-Holsteins zurückgekehrt. „Bis Mitte Mai rasten etwa 65.000 Ringelgänse, also etwa ein Drittel der gesamten Population, vor allem auf den Halligen und Inseln Nordfrieslands, aber auch an der Küste von St. Peter  bis Nordstrand und an der Spitze der Hamburger Hallig“, berichtet Klaus Günther von der SCHUTZSTATION WATTENMEER. Der Biologe koordiniert seit über 10 Jahren die regelmäßigen, im Auftrag des Nationalparkamts durchgeführten Rastvogelzählungen im Wattenmeer.

Die Ringelgänse haben es gar nicht so leicht, sich auf die über 4.000 Kilometer lange Zugstrecke in die Brutgebiete an der Eismeerküste der Taimyr-Halbinsel im Norden Sibiriens vorzubereiten. Die Vegetarier müssen sich ausreichend Fettreserven von etwa 350 Gramm als „Flugtreibstoff“ anfuttern, um ein Abfluggewicht von etwa 1.700 Gramm zu erreichen. Während ihnen im letzten Frühjahr der späte Wintereinbruch Probleme bereitete, so ist in diesem Frühjahr trotz des milden Winters ebenfalls recht wenig Futter verfügbar, da sich die Vegetation auf den Salzwiesen der Halligen und im Vorland wegen des späten "Landunter" im März und der folgenden regenlosen und trockenen Zeit nicht besonders gut entwickeln konnte.

Aber bereits während der Frühjahrsrast der Gänse im Wattenmeer werden die Grundlagen für eine erfolgreiche Brutsaison im kurzen sibirischen Sommer gelegt. Denn nur diejenigen Vögel, die wohlgenährt von hier abziehen, schaffen es auch, in Sibirien Nachwuchs großzuziehen, wie niederländische Studien zeigten. Daher ist es für die Gänse sehr nachteilig, wenn sie neben der Nahrungsknappheit auch noch durch militärische Tiefflugübungen oder andere Tiefflieger über dem Wattenmeer zu oft aufgescheucht und gestört werden.

In Sibirien ist es für den Bruterfolg der Gänse dann entscheidend, ob es viele Lemminge gibt oder nicht, denn Polarfüchse und andere Beutegreifer, die sich vorzugsweise von diesen kleinen Nagetieren ernähren, wechseln, wenn diese fehlen, auf Eier und Küken der Vögel als Beute. In der Regel kommt es alle drei Jahre zu einer Massenvermehrung der Lemminge und daher auch zu einem besonders erfolgreichen Brutjahr für die Vögel. Seit Anfang der 1990er Jahre war dieser Zyklus allerdings unterbrochen: „Lemmingjahre“ blieben fast aus und daher gab es auch keine besonders guten Brutjahre für die Gänse. Wohl vor allem deswegen verringerte sich die Populationsgröße der Ringelgänse in den letzten zehn Jahren um gut 30% von 300.000 auf unter 200.000 Vögel!

„Im vorletzten Jahr gab es dann aber endlich wieder ein Jahr mit sehr vielen Lemmingen und prompt auch wieder sehr guten Bruterfolg bei den Ringelgänsen, deren Bestand sich nun wieder leicht erholt“ bemerkt der Biologe der SCHUTZSTATION WATTENMEER optimistisch. Wie in jedem Jahr erfolgt am ersten Mai-Wochenende, wenn sich fast alle Ringelgänse im Wattenmeer versammelt haben, die große Gänse-Synchron-Zählung von den Niederlanden bis Dänemark und dann wird die aktuelle Bestandsgröße ermittelt.

Nicht nur für die Ringelgänse, sondern auch für die Nonnengänse ist das Wattenmeer das bedeutendste Rastgebiet auf dem Heimzug von ihren Überwinterungsgebieten in den Niederlanden zu den Brutgebieten an der Eismeerküste Nordsibiriens. Etwa 100.000 Nonnengänse rasten im Frühjahr auf den Salzwiesen Schleswig-Holsteins. Sie bevorzugen allerdings nicht wie die Ringelgänse die Halligen und Inseln, sondern ausschließlich die Salzwiesen an der Festlandsküste.

Noch vor 50 Jahren waren Ringelgänse und Nonnengänse vom Aussterben bedroht, vor allem auf Grund von intensiver Bejagung entlang ihres gesamten Zugweges. Internationale Schutzbemühungen sorgten dann für eine deutliche Erholung der Bestände. In den Nationalparken im Wattenmeer verloren die Tiere durch den Schutz mehr und mehr ihre Scheu, so dass man heute große Gänseschwärme aus geringer Entfernung, fast „hautnah“ hervorragend beobachten kann. "Ein unvergessliches Naturerlebnis", verspricht Klaus Günther und lädt alle Naturinteressieren zu den 10. Ringelganstagen auf die Halligen ein. Es werden Exkursionen, Vorträge, Tierbeobachtungen sowie ein buntes Kultur- und Kinderprogramm rund um die Ringelgänse angeboten.

Links:

è www.schutzstation-wattenmeer.de

è www.ringelganstage.de

è www.natur-lexikon.com/TexteHWG/001/00087/HWG00087.html

è http://de.wikipedia.org/wiki/Ringelgans