17.01.2008 Nordostatlantische Korallen bedroht (Natur)

 

Anlässlich dessen, dass die renommierte internationale Korallenriffinitiative 2008 zum internationale Jahr des Riffs ausrief, hat der WWF erneut in seinem PRESSE-NEWSLETTER auf die Zerstörung der Kaltwasser-Korallenriffe im Nordostatlantik:

 

“Wegen ihres Fischreichtums werden die Tiefsee-Riffe zum Opfer der Fischereiindustrie, deren Grundschleppnetze die Korallen förmlich platt machen. Tonnenschwere Metallplatten und Räder an den Netzen hinterlassen eine Spur der Verwüstung. "Das ist, als ob man einen Elefanten durch eine Manufaktur mit Meissener Porzellan jagt. Am Ende bleibt nur ein Scherbenhaufen übrig", erläutert WWF-Experte Christian Neumann. "In manchen Regionen sind schon bis zu 50 Prozent der Riffe verloren. Die Uhr für die Tiefsee-Riffe tickt."

 

Der WWF verzeichnet jedoch auch Erfolge beim Riffschutz. Seit der Ausweisung des ersten europäischen Korallen-Schutzgebiets im Jahr 1999 - des norwegischen Sula-Riffs - sind über 20 weitere Regionen vor Norwegen, Großbritannien oder den Azoren dazugekommen. Überall ist die Grundschleppnetzfischerei verboten. In einigen Gebieten ist zudem auch die Öl- und Gasförderung tabu. Etwa 500.000 Quadratkilometer wurden unter Schutz gestellt. "Das klingt viel, ist jedoch immer noch weniger als fünf Prozent des Nordostatlantiks", erläutert Neumann. Letztlich sei es ein Wettlauf mit der Zeit. Denn die zerstörerische Fischerei auf Hoher See breite sich angesichts leer gefischter Küsten immer weiter aus. Der WWF fordert ein weltweites Verbot zerstörerischer Fischereimethoden in sensiblen Lebensräumen.

 

Erst am 19.Dezember hatte der EU-Ministerrat ein Grundschleppnetzverbot für vier insgesamt 2.500 Quadratkilometer große Riffgebiete vor Irland erlassen. Dies sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Die EU habe es jedoch versäumt, ein vollständiges Fischereiverbot - wie Irland es gefordert hatte - umzusetzen. Eine vernünftige Kontrolle der Schutzmaßnahmen werde
dadurch erschwert, so der WWF.

 

Die erst in den letzten Jahrzehnten entdeckten Kaltwasserkorallen sind mit ihren Schwämmen, Seesternen, Seeigeln und vielfältigen Tiefwasser-Fischen das europäische Äquivalent zum australischen Great Barrier Reef. Die Korallen wachsen in der kühlen Tiefsee langsamer als in tropischen Gewässern. Die Regeneration einmal zerstörter Riffe dauert, wenn überhaupt möglich, mehrere Hundert Jahre. Die Riffe bieten vielen Lebewesen eine Heimat. Über 2000 Arten konnten bisher bestimmt werden, fast täglich kommen neue hinzu. Auch die dort lebenden Meerestiere wie zum Beispiel der Granatbarsch vermehren sich nur sehr gemächlich. Einen besonderen Wert haben die Lebensgemeinschaften der Tiefsee auch als "Meeres-Apotheke", hier finden sich viele für den Menschen hochwirksame medizinische Substanzen.

 

Das Jahr des Riffessteht in Deutschland unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.

 

Quelle: WWF-PRESSE-NEWSLETTER v. 27.12.07

Link: http://www.wwf.de/index.php?RDCT=b6448be864bf262c3d2d