31.03.2004 „Kanu-Grenzverkehr“ Deutschland – Polen (Revier/Ausland)

 

Die Aufnahme von Polens (aber auch Lettland, Litauen, Estland) als vollwertiges Mitglied in die EU zum 1.05.04 soll zum Anlass genommen werden, darauf hinzuweisen, auf was alles zu achten ist, wenn man mit dem Kanu die Grenze zwischen Deutschland und Polen entlang der Küste überfährt. Das gilt z.B. für jene Küstenkanuwanderinnen und –wanderer, die von Usedom (Brandungsseite bzw. übers Kleine Haff) aus kommend nach Polen paddeln möchte, z.B. um Usedom bzw. Wolin zu umrunden.

 

Generell gilt – wie bis her auch schon - für die Ausreise nach Polen, dass man sich bei einer deutschen Grenzübergangsstelle abmelden und anschließend sofort bei der zuständigen polnischen Grenzstelle anmelden muss. Mit der Aufnahme in die EU fällt für Kanuten lediglich die „Zollabfertigung“ weg. In Polen selber dürfen wir uns wie überall in der EU frei bewegen.

 

1. Anreise über das Kleine Haff (westliches Stettiner Haff)

 

Paddelt man den Peenestrom hinunter erreicht man in Höhe von Anklam eine Engstelle, bei der Usedom ganz dicht am Festland liegt. Am Ende dieser Stelle befindet sich auf der Seite von Usedom Karnin (Hafen), welcher über eine Grenzübergangsstelle verfügt. Dort besteht die Möglichkeit, sich für die Fahrt nach Polen abzumelden. Weiter östlich gibt es wohl noch 3 weitere Abmeldemöglichkeiten, und zwar im Hafen von Ueckermünde bzw. in Altwarp (Festland) oder Kamminke (Usedom), jedoch werden voraussichtlich wegen der Einstellung der „Butterfahrten“ zum 1.05.04 diese Grenzübergangsstellen nicht mehr besetzt sein.

 

Hat man sich in Karnin (Hafen) abgemeldet fährt man am besten weiter entlang der Festlandküste Richtung Ost bis zur deutsch-polnischer Grenze, und zwar zunächst vorbei beim polnischen Grenzwachboot, das i.d.R. ca. 2,5 km vom Ufer entfernt in der Nähe der Grenztonne 15 und 16 bzw. 17 und 18 liegen soll. Anschließend fährt man wieder zurück ans Festland zum Hafen Nowe Warpno (Neuwarp) und meldet sich bei den polnischen Hafen-Behörden (östlich des Fischereihafens) an.

 

Vorsicht: Der "Sprung" direkt von Usedoms Südküste, an Kamminke vorbei hinüber nach Wollin bzw. durch die Engstelle von Usedom und Wolin nach Swinemünde (Swinoujscie) ist nicht zulässig! Natürlich darf man die Südküste von Usedom bis Kamminke entlang paddeln. Um aber die Grenze zu überfahren, müsste man das dort ca. 12 km breite Haff queren mit Ziel Grenzwachboot, was nicht bei jedem Wetter (kurzer, steiler Seegang) möglich sein dürfte.

 

2. Anreise über die Ostsee

 

Paddelt man entlang der Ostseeküste von Usedom meldet man sich spätestens bei der Grenzübergangsstelle auf der im Norden vor Usedom liegenden Insel Ruden ab (ein Anlanden dort ist jedoch nur im Hafen erlaubt – Vorsicht Steinschüttungen!). Das bietet sich insbesondere für jene Kanuten an, die von der Insel Rügen kommen und am Thiessower Haken den Sprung über den Greifswalder Bodden wagen.

 

Vorsicht: Diese Querung und die Fahrt weiter bis an die Brandungsseite von Usedom ist jedoch nur wirklich seetüchtigen Kanuten mit seetüchtiger Ausrüstung zu empfehlen; denn vor, hinter und neben der Insel Ruden sind verschiedene Flachstellen zu queren (Brandungsgefahr!) und an der Nordspitze von Usedom ist ein Sperrgebiet zu umfahren, welches bis zu 8 km weit in die Ostsee reicht.

 

Für jene Kanuten, die z.B. von Stralsund aus kommend entlang der Festlandküste des Greifswalder Bodden paddeln, besteht auch die Möglichkeit, sich an der Grenzübergangsstelle in Ladebow (Hafen) abzumelden, und zwar liegt diese nördlich der Mündung des Flusses Ryck, der nach Greifswald führt. Es sind dann wohl – ebenfalls vorbei an den Flachstellen südlich der Insel Ruden – noch über 70 km, bis man die deutsch-polnische Grenze erreicht, aber das ist nicht weiter von Bedeutung. Übrigens, die Grenzübergangsstelle Ahlbeck ist nicht für die Wassersportschifffahrt zuständig, sodass man sich dort nicht direkt abmelden kann, obwohl sie nur ca. 3 km von der Grenze entfernt ist.

 

Nachdem man die Grenze nach Polen überfahren meldet man sich noch am selben Tag in Swinemünde (Swinoujscie / Wolin) bei den polnischen Hafen-Behörden (am östlichen Ufer der Swina kurz vor der Einmündung in die Ostsee) an.

 

Unter Umständen bietet es sich auch an, frühestens beim Seebad Ahlbeck (Ostseeküste) anzulanden und dann per Bootswagen den für Fußgänger offenen Grenzübergang nach Polen zu überschreiten. Danach könnte man dann weiter zur polnischen Ostseeküste von Usedom ziehen und dort wieder einsetzen. Aber nötig ist das nicht!

 

3. Ausreise zurück nach Deutschland

 

Es läuft alles in umgekehrter Reihenfolge ab: Erst meldet man sich in Nowe Warpno oder Swinoujscie (Swinemünde) ab und dann bei den deutschen Grenzübergangsstellen an.

 

4. Formalitäten

 

Bei der Abmeldung von den deutschen Grenzübergangsstellen ist wie folgt zu verfahren: Man paddelt an der Grenzübergangsstelle vorbei und wartet darauf, ob ein Grenzbeamter Kontakt mit einem aufnimmt. Meldet sich kein Grenzbeamter, muss man einen Kreis fahren und darf dann weiter paddeln, sofern sich immer noch nicht ein Grenzbeamter zeigt. Wird man später von der Küstenwache angehalten, verweist man darauf, an welcher Grenzübergangsstelle man sich derart „abgemeldet“ hat.

 

Sollte man im Unklaren über die richtige Vorgehensweise auf deutscher Seite sein, kann man sich bei der für diese Region zuständigen Grenzübergangsstelle Ahlbeck telefonisch beraten lassen (Tel. 038378/2300 bzw. 23011).

 

Bei der Einreise nach Polen mit mehreren Kajaks (sonst genügt ein gültiger Personalausweis) sollte vorsichtshalber - wie bei Segelbooten üblich - eine Kopie der "Mannschaftsliste" vorgelegt werden. In der Mannschaftsliste sollte u.a. Folgendes aufgeführt werden:

 

1. Vor- und Nachname der Fahrtenleitung, Geburtsdatum, Geburtsort sowie Passnummer der Fahrtenleitung

2. Name des zuletzt angelaufen Hafen sowie die voraussichtliche weitere Route;
3. Anzahl der Kajaks

4. Name und Registriernummer aller einzelnen Sportboote (übertragen auf Seekajaks: Name des Kajaks, Name des zugehörigen Vereins inkl. Hinweis auf DKV-Zugehörigkeit); einschließlich der Angabe über die zu jedem Kajak gehörenden Personen (hier: Vor- und Nachnamen, Geburtsdatum, Geburtsort sowie Passnummer).

 

Bei der Einreise muss der Personalausweis noch mindestens 6 Monate gültig sein.

 

Kanuten, die die Grenze entlang der Ostsee gequert haben, empfehlen zusätzlich, dass man sich beim Anmelden in Swinemünde ein „Einreisepapier“ geben lässt. Dieses Papier wurde nur unwillig ausgestellt. Als die Kanuten ein paar Tage später die Ostseite von Wollin erreichten, wollten die dortigen Behörden jedoch ein solches Papier sehen. U.U. genügt es auch, wenn man eine zweite Kopie der „Mannschaftsliste“ von der zuständigen polnischen Behörde abstempeln lässt und stets griffbereit mit sich führt. In Anbetracht dessen, dass wir als EU-Bürger uns in Polen als Teil der EU frei bewegen dürfen, dürfte diese Empfehlung (inkl. Mannschaftsliste) bald überholt sein.

 

Link: www.elwis.de > Freizeitschifffahrt > Sportschifffahrt Polen