20.04.2005 Mittelmeer-Stürme (Wetter; Revier/Ausland)

 

In der YACHT erläutert der Wetterexperte Meeno Schrader in dem Beitrag

 

„Zwischen den Zeiten“

 

die „klassischen lokalen Windsysteme“, die in der Mittelmeerregion zu beobachten sind:

 

gefährdetes Revier:

a) zwischen Ostküste Menorcas bis Westküsten von Korsika und Sardinien inkl. Straße von Bonifacio;

b) sowie der Küstenabschnitt Frankreichs von Cape de San Sebastian bis Toulon.

Auslöser: Kalte Luft „prescht“ durchs Rhonetal aufs westliche Mittelmeer. Ursache dafür ist ein Tiefdruckgebiet über England oder der Nordsee, welches auf seiner Rückseite kalte Luft ins westliche Mittelmeer „schaufelt“. Da die Luft trocken ist, lösen sich die Wolken auf, sodass der Mistral meist bei blauem Himmel bläst. Da der Mistral im Lee der französischen Alpen über dem Golf von Genua ein Tiefdruckwirbel entstehen lässt, das sog. „Genuatief“, kann er mehrere Tage anhalten und sich weitflächig aufs Mittelmeer ausdehnen.

 

gefährdetes Revier: kroatische Adriaküste, und zwar:

a) Neretva-Tal bis Halbinsel Peljesac und u.U. weiter bis Insel Mljet;

b) von Dinarischen Alpen bis in die Bucht zwischen Omis und Makarska bzw. durch das Krka-Tal bis vor Sibenik;

c) aus dem Sattel im Kapellagebirge hinunter nach Senj;

d) der Golf von Rijeka nördlich von Krk und nördlich von Rijeka;

e) Golf von Triest).

Auslöser: Kalte Luft „schießt“ von den kroatischen Gebirgen hinunter auf die Adria. Bora-Gefahr besteht insbesondere im Frühjahr und Herbst, wenn die Nächte länger werden und sich die Luft stärker auskühlen kann. Sternenklare Nächte fördern dabei den Auskühlungsprozess. Je kälter die Luft, desto mehr Wind ist zu erwarten: „Irgendwann ist es so viel, dass die Kaltluftkugel ins Rollen gerät. Zumeist in den Morgenstunden, mitunter bis in den Vormittag hinein kollabieren die bodennahe Luftschichten. Wie ein Geschoss jagt die kalte Strömung den Berg hinunter.“ Düseneffekte verstärken dabei die Bora. Z.B. 2004 gab es im März 4 Bora-Tage (April: 2; September: 2; Oktober 3). Übrigens, die Bora wird insbesondere dann ausgelöst, wenn sich über Osteuropa und dem Balkan ein Hoch festgesetzt hat.

 

gefährdetes Revier:

a) grundsätzlich ist die gesamte Ägäis davon betroffen;

b) besonders intensiv weht er von Limnos im nördlichen Bereich bis hinunter zu den Kykladen und den Dodekanes.

Auslöser: (türkisches) Hitzetief nordöstlich von Rhodos und Hochdruckgebiet über Rumänien/Bulgarien. Typisch für den Meltemi ist „blauer Himmel und eine starke Brise aus Nordost bis Nord“. Er tritt in den Sommermonaten auf (wirkt aber etwas abgeschwächt auch bis in den September und Oktober hinein), wenn sich das türkische Hitzetief so richtig entfalten kann. Kap- und Düseneffekte sowie Fallwinde vor den griechischen Inseln verstärken den Meltemi. Vorsicht ist auch bei ablandiger Windlage geboten, und zwar nicht nur wegen der Fallwind-Gefahr; denn verlässt man den geschützten Bereich, kann es „draußen auf See mächtig kacheln“.

 

gefährdetes Revier:

Der gesamte Mittelmeerraum kann davon betroffen sein.

Auslöser: Ein Tiefdruckgebiet, das von Nordafrika aufs Mittelmeer hinaus zieht und an seiner Ostflanke südliche Winde Richtung Mittelmeer strömen lässt. Z.B. ein Tief über Tunesien „transportiert“ heiße Wüstenluft ins ionische Meer. Besonders kritische wird dieser südliche Wind deshalb, weil er über dem Mittelmeer viel Wasserdampf aufnimmt, der dann die Entwicklung von Frontalgewittern begünstigt.

 

Quelle: YACHT, Nr. 09/05, S.22-28 – www.yacht.de

Links:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Bora.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Meltemi.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Boeen.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Bft-Skala.pdf