17.02.2006 Norwegen komplett (Revier/Ausland)

 

In KANU MAGAZIN ist unter dem Titel:

 

„Die kleine Frau und das Meer“

 

ein Interview abgedruckt, welches Stephan Glocker mit der Schwedin Barbro Lindman (37) geführt hat.

 

B.L. hat im Sommer 2005 in 78 Tagen die gesamte norwegische Küste zwischen Kirkenes und Strömstad solo abgepaddelt (ca. 2.835 km bei einer Küstenlinie von insgesamt über 20.00 km).

 

Sie soll die erste Frau sein, die das solo geschafft hat. Die Hamburgerin Petra Basch hat wohl schon Ähnliches geleistet, aber halt nicht solo. P.W. ist in den 80iger Jahren zusammen mit ihrem Partner und jetzigen Ehemann Christoph Beyer von Kristiansand aus bis zum Nordkapp gepaddelt. Während B.L. sich jedoch stets dicht entlang der Küste hielt, fuhren P.B. & Chr.B. häufig in die Fjorde hinein und setzen dann per Bootswagen in den Nachbarfjord über ohne ihr Ziel Nordkapp aus den Augen zu verlieren. Das ganze war aber nur eine Zwischenetappe auf einer 6-monatigen Tour, die in Hamburg begann und über DK, N, S und FIN auf die Ostsee führte und schließlich in Trelleborg (S) endete.

 

Übrigens, gestartet ist B.L. am 31.05.05. Die Hälfte der Seekarten und des Proviants hatte sie südlich von Tromsö deponiert. Gepaddelt wurde so von 6 bis 19 Uhr.

 

Auf die Fragen „Womit hast du nicht gerechnet und gab es etwas, was du unterschätzt hast?“ antwortete sie: „Dass das Wetter so oft so schlecht sein würde. Ich hatte mir mehr freie Zeit zum Entspannen … erhofft. Unterwegs musste ich an den schönen Tagen meistens Strecke machen und viele zusätzliche Stunden paddeln …. (Dass) es im schönsten Sommer tagelang derart blasen würde, hatte ich einfach nicht erwartet. Manchmal musste ich anlanden und regelrecht in Deckung gehen. … Zwangspausen können für die Psyche anstrengender sein als das Paddeln für den Körper.“

 

Ausrüstungsprobleme hatte sie praktisch nicht, mit einer Ausnahme: „Nur mit dem GPS - ich hätte gedacht, dass die Dinger zuverlässiger sind. Das erste Gerät fiel nach 3 Wochen aus – natürlich mitten in einer Nebelbank. Das Ersatzgerät funktionierte, aber nur manchmal. Ich war sehr froh, dass ich auch die klassische Navigation beherrsche.“

 

Am kritischsten war es, als einmal ein Dampfer ihren Kurs kreuzte: „Ich paddelte wie eine Verrückte, um aus der Fahrtroute des Dampfers zu kommen. Eine genaues Abschätzen der Entfernung sit wegen der Größen- und Tempounterschiede zwischen Kajak und Hochsee-Schiff sehr schwierig. … Nachdem der Dampfer glücklich vorbei war, saß ich zitternd im Kajak.“

 

Quelle: KANU MAGAZIN, Nr. 2/06, S.32-37 – www.kanumagazin.de

Link: www.barbrolindman.com