05.03.2007 Neufundland – Irland: Atlantik-Querung im „Kabinen“-Einer (Abenteuer)

 

Pete Bray gelang es 2001 im Kajak non-stop von Neufundland nach Irland zu paddeln. Er startete am 22.06.2001 in St. Johns (Neufundland/Kanada) und landete 76 Tag später nach Überwindung der ca. 3.300 km langen Strecke am 5.09.2001 in Belderrig (Donegal Bay / Irland) an.

 

Das Boot

 

Pete saß in einem extra für diesen Zweck vom Briten Robin Feloy (Kirton-Kayaks) konstruierten Seekajak mit Kabine im Achterschiff. Das Kajak war insgesamt 822 cm lang. Über Breite (ca. 80 cm?) und Höhe (ca. 90 cm?) wurden keine Daten bekannt gegeben. Gepaddelt wurde vom Cockpit aus. Geschlafen bzw. geruht wurde nachts bzw. bei stürmischem Wetter in der auf dem Achterdeck platzierten ca. 90 cm hohen Kabine. Bei entsprechender Vorsicht war es bei Helligkeit möglich, ohne Kentergefahr von dem einen Ort zum anderen zu wechseln.

 

Solo-Non-Stop-Paddel-Tour

 

Er paddelte die ganze Strecke, d.h. er verzichtete auf den Vortrieb eines Segels bzw. Drachens (Kite). Wir können jedoch davon ausgehen, dass der Kabinenaufbau bei Wind eine Angriffsfläche bot, die, sofern der Wind aus westlicher Richtung kam – aber nur dann -, für entsprechenden Vortrieb Richtung Irland sorgte.

 

Bei seiner Tour wurde er nicht durch Dritte vor Ort unterstützt. Wohl aber kontaktierte er per Satelliten-Telefon fast täglich einen Betreuer in Großbritannien bzw. auf Neufundland. Ein solcher Kontakt schmälert nicht seine Leistung, er hat aber sicherlich mit dazu beigetragen, daraus die nötige Kraft zum Weiterpaddeln zu schöpfen. Abgesehen davon waren mehrmals Telefongespräche erforderlich, um sich Rat für die Reparatur einzelner Materialen einzuholen.

 

Unterstützung durch Wind & Strom

 

Die wohl tourenentscheidende Unterstützung erhielt er jedoch durch den überwiegend aus westlicher Richtung wehenden Wind  und den Golfstrom (sofern er strömte und Pete sich mitten drin befand); denn ohne beide Naturgewalten wäre eine solche Querung sicherlich nicht mit einem Kajak möglich. Leider blies es nicht immer aus Westen, sodass er manchmal befürchtete, auf dem immerhin ca. 2.700 km entfernt liegenden Island anlanden zu müssen. Außerdem musste der Weg zum Golfstrom erst einmal zurückgelegt werden. Dabei konnte er jedoch anfänglich auf die Unterstützung durch den Labrador Strom hoffen.

 

Wie viel der ca. 3.300 km von Pete per Paddelschlag zurückgelegt wurden und wie viel Kilometer dem Wind bzw. der Strömung zuzurechnen sind, darüber finden wir leider keine Hinweise. In Anbetracht dessen, dass sich Pete des Nachts – bei Sturm sogar bis zu 4 Tage - in der Kabine befand und sich treiben ließ, wäre es jedoch durchaus möglich gewesen, die Wind- und Strömungsdrift zu ermitteln; da ein in seinem Kajak eingebautes Satelliten-Tracking-System laufend die Positionsdaten funkte.

 

Rechentechnisches Manöver

 

Aber wir können – zumindest was seine Fahrtgeschwindigkeit über Grund betrifft - selber folgende Rechnung aufmachen und auf diese Weise Rückschlüssel auf die eigentliche Kilometerleistung ziehen:

 

  • Wir wissen, dass Pete vom 22.6.01, ca. 20 Uhr, bis 5.9.01, ca. 20 Uhr unterwegs war. Das macht rechnerisch 75 Tag = 1.800 Std. Wir wissen weiterhin, dass der direkte Weg Neufundland – Irland ca. 3.300 km lang ist. Eine veröffentlichten Kartenskizze mit Route können wir entnehmen, dass Pete etwas zick-zack gepaddelt ist, was zu einer Verlängerung der Strecke um ca. 10 % geführt haben könnte, d.h. die Strecke verlängert sich insgesamt auf ca. 3.600 km. Daraus können wir rein rechnerisch zunächst ein Stundenmittel von ca. 2 km/h bestimmen (= 3.600:1.800).
  • Da wir wissen, dass Pete von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang nicht paddelte und sich stattdessen in seiner Kabine aufhielt, und zwar – abhängig von der Jahreszeit – anfänglich 7 Std. und am Ende der Tour ca. 10:40 Std. – kommen wir auf durchschnittlich 8:50 Std. Nicht-Paddelzeit je Tag und folglich auf ca. 660 Std. Ruhezeit insgesamt.
  • Zur Ruhezeit sind hinzuzurechnen die Zahl der Sturmtage, während der Pete ebenfalls nicht paddelte. Leider veröffentlichte Pete kein Tagebuch, sodass ich nicht genau weiß, an wie viel Tagen es ihm wegen Sturm nicht möglich war zu paddeln. Seinen Berichten kann ich nur ab & an entnehmen, dass mal wieder Sturm herrschte und er 4 Tage Auszeit nehmen musste. Ohne Pete’s Berichte daraufhin nochmals exakt durchzulesen, gehe ich davon aus, dass er mindestens bei 5 Stürmen jeweils 4 Tage nicht paddeln konnte. In Anbetracht dessen, dass Pete knapp 11 Wochen unterwegs war, nehme ich mal bei seiner Schilderung der Wetterlage auf dem Atlantik im Sommer 2001 an, dass er jede Woche mindestens 1 Sturmtag hatte. Wenn ich weiterhin annehmen, dass Pete während 5 Wochen jeweils 4 Sturmtage je Woche hatte, verbleiben noch 6 Wochen mit jeweils 1 Sturmtag je Woche. D.h. neben den oben angenommen 20 Sturmtagen kommen noch weitere 6 Sturmtage dazu, sodass wir bei 26 Sturmtagen auf eine zusätzliche Ruhezeit von ca. 390 Std. (je Tag = durchschnittlich max. 15:10 h Paddelzeit) kommen. In Anbetracht der oben angenommen 1.800 Std., die Pete insgesamt auf dem Atlantik verbrachte, kalkuliere ich hier zunächst mit ca. 1.050 Std. (= 660+390 Std.) Ruhezeit..
  • Aber auch während der verbleibenden ca. 750 Std. (= 49 Paddeltage) paddelte Pete nicht pausenlos durch. Durchschnittlich standen ihm ca. 15:10 Std. je Paddeltag zur Verfügung. Wenn ich davon ausgehen, dass er ca. 2 Std. je Paddeltag zum Ausruhen, Verpflegen und Ausrüstung pflegen benötigte, komme ich bei ca. 49 angenommenen Paddeltagen auf eine pausenbedingte zusätzliche Ruhezeit von ca. 100 Std., was zur Erhöhung der Gesamt-Ruhezeit auf 1.150 Std. (= 660+390+100 Std.) führt. Auf Grund dieser Annahmen komme ich dann auf 650 Std., die Pete insgesamt im Cockpit gesessen hat und gepaddelt ist (=1.800-1.150).
  • Leider erfahren wir nicht von Pete, wie schnell er mit seinem Kajak paddeln konnte. Eine Testfahrt in einem Hafen, auf einem See bzw. bei Stillwasser und Flaute entlang der Küste hätten leicht darüber Auskunft geben können. Lediglich einmal verweist er darauf, dass er mit 3 Knoten (= 5,6 km/h) paddelte. So kann ich nur vermuten, dass er bei Flaute und Stillwasser sein Kajak mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3-4 km/h hätte vorwärts bewegen können.
  • Trifft das alles zu, können wir davon ausgehen, dass Pete während der 76 Tage ca. 1.950 – 2.600 km per Paddelschlag zurückgelegt hat. Daraus folgt, dass die verbleibenden 1.650 – 1000 km aufs Konto von Wind & Strom gehen!?

 

Sonne, Wind & Wellen

 

Pete hat bei seiner Tour ein Wetter auf dem Atlantik erlebt, dass schon lange nicht mehr so schlecht war. Es stürmte immer  und immer wieder (leider werden keinen Windstärken genannt). Mehrere Male war er daher gezwungen, manchmal bis zu 4 Tage hintereinander in seiner „Kabine“ zu verbringen und sich einfach treiben zu lassen. Nur an einem einzigen Tag schien die Sonne und nur in einer Nacht sah er die Sterne. Ansonsten war es immer bewölkt oder neblig.

 

Die fehlende Sonne führte zu folgenden negativen Auswirkungen:

 

  • Es war ständig kalt (Temperatur werden nicht genannt). Keine wärmende Sonne sorgt für Abwechslung. Stattdessen führt die Kälte dazu, dass er ab und an taube Finger bekommt (hier: Wasser-Hypothermie).
  • Die für die Energiegewinnung zuständigen Solarzellen leisteten nur halbe Arbeit, sodass nur die nötigsten elektrischen Geräte in Betrieb gehalten werden konnten, und dass auch nicht immer durchgehend.
  • Seine Kabine wurde immer feuchter, trocknete niemals so richtig durch, sodass alle seine elektrischen bzw. elektronischen Geräte (z.B. Batterien für Satelliten-Telefon, Inmarsat-Mini-M-Satelliten-Tracking-and-Communication-System, Entsalzungsanlage, 4 Videokameras, CD-Musikanlage, Kabinenbeleuchtung) irgendwann ausfielen.

 

Leider schafft es Pete nicht herüberzubringen, wie er die Naturgewalten Wind & Wellen erlebt und empfunden hat. Z.B. wenn es mal wieder allzu stark windete, dann wechselte er halt in seine Kabine hinüber und wartete ab. Das war’s. Und wenn sein Kajak, welches er Newt (ein amphibisches Wesen mit schlanken Körper und kümmerlichen Beinen) taufte, in den Sturzseen mehrere Male hintereinander durchkenterte, dann war’s das auch. Wie er sich dabei fühlte, wie es dann in seiner Kabine aussah und wie leicht sein Kajak wieder hochrollte, davon erfahren wir nur Stichworte oder gar nichts.

 

Ein paar Erlebnisse

 

Bemerkenswert waren für mich eigentlich nur 5 Ereignisse:

 

  1. Einmal wurde es plötzlich sehr schnell sehr kalt. Als er sich umschaute, sah er einen riesigen Eisberg an sich vorbei treiben.
  2. Ein anderes Mal musste er zwecks Reparatur eines Steuerseils in die eisigen Fluten steigen und sich – mit einem Lifebelt gut an einer losen Rettungshalteleine gesichert – bis zum Heck hangeln. Dabei verletzte er sich einen Finger so, dass er blutete, was er erst merkte, als er wieder im Cockpit saß und paddelte. So weit so gut. Kurz darauf tauchte neben ihm die Flosse eines Hais auf.
  3. Irgendwann beunruhigte ihn ein plätscherndes Geräusch, dass von Achtern kam. Aber er konnte zunächst nichts ausmachen, sodass er versuchte, eine kleine Kurve zu paddeln. Da entdeckt er dicht hinter seinem Heck die Riesige Flosse eines Orcas. Der Orca selber war mindestens so lang wie das Kajak. Machte Pete eine Linkskurve, folgt er ihn, machte er eine Rechtskurve, blieb der Orca ebenfalls hinter ihm. Daraufhin paddelte Pete mal einen Vollkreis … und der Orca tat es ihm nach.
  4. In der Nacht wurde er von einem Knall geweckt, als ob mit einem Gewehr geschossen wurde. Am nächsten Morgen, als er seinen Treibanker einziehen wollte, war dieser weg. Erneut zog er sich nackt aus – lediglich bekleidet mit seiner Rettungsweste und einem Hut – und stieg in die Fluten. Die Öse, an der der Treibanker befestigt war, fehlte, war abgerissen. Pete & seine Betreuer vermuteten, dass ein Hai in das Heck seines Kajaks beißen wollte, sich dabei in den Halteleinen des Treibankers verhedderte und diesen Abriss!? – Übrigens, Pete verfügte wohl über einen 2. Treibanker, aber nicht über die vollständige Zusatzausrüstung inkl. Ersatz für den abgerissenen Haken. Leider erfahren wir nicht, ob es ein großer Nachteil war, den Rest der Tour ohne Treibanker unterwegs zu sein.
  5. Kurz vor Irland passierte es noch, dass er in der Nacht beinahe von einem Fischkutter überfahren wurde. Pete sah wohl die Lichter ankommen, dachte aber, dass es sich um die Signallichter seines Inmarsat-Gerätes handelte. Als ihm bewusst wurde, dass diese Lichter nicht mehr brannten, ahnte er sofort, dass ein Schiff direkt auf ihn zu fuhr. Pete sprang nackt in sein Cockpit und paddelte davon. Nur ca. 30 m neben ihn fuhr der Kutter vorbei.

 

Endspurt mit Hindernissen

 

Wie es das wohl so ist, die letzten Tage vor Irland wurde es richtig kritisch. Dazu zählte nicht nur die Beinah-Kollision mit dem Fischkutter (s. Nr. 5), sondern auch jener Sachverhalt, dass zum Schluss alle elektronischen Geräte ausgefallen waren, sodass es Pete nicht mehr möglich war, Kontakt mit seinem Betreuern aufzunehmen. Ebenfalls stellte das Inmarsat-Tracking-Gerät seinen Betrieb ein, was dazu führt, dass keine automatischen Positionsmeldungen mehr ausgestrahlt wurden. Schließlich meldete sich die Irische Coast Guard bei seinem Betreuer, der schon an der irischen Küste auf Pete wartete, dass Pete’s Seenotbake den Seenotfall anzeigte. Der Betreuer führte das auf einen elektronischen Fehlkontakt zurück und bat die Coast Guard den Notruf zu ignorieren! (In Anbetracht dessen, dass der Australier Andrew McAuley bei seiner Querung von Tasmanien nach Neuseeland ca. 60 km vor Neuseeland in Seenot geriet und seitdem nicht mehr gesehen wurde, war das eine mutige Entscheidung, die sich später jedoch als richtig erwies.) Schließlich war es Pete vor der irischen Felsküste bewusst, dass ihm nun eigentlich die kritischste Phase der Tour bevorstand, nämlich einen sicheren Anlandeplatz zu finden. Zum Glück begegnete ihn kurz vor der Küste ein weiterer Fischkutter, der ihm - der im Rundfunk schon als vermisst gemeldet wurde - den Weg zum kleinen Hafen von Belderrig, welches am südwestlichen Ende der Donegal Bay liegt, zeigte. Eigentlich sollte Pete an einem anderen Ende der Donegal Bay, dem Hafen von Killybegs, anlanden. Aber dass hätte geheißen, nochmals Landsicht zu verlieren, wozu Pete verständlicherweise nicht bereit war. So landete er in Belderrig an, kletterte über eine Leiter die Hafenmauer hoch, bat zwei zufällig vorbeikommende Fußgänger, die ihm helfen wollten, noch zu warten, bis er wenigstens die ersten paar Schritte allein und ohne fremde Unterstützung gegangen sei, … und sackte dann auf den Boden.

 

Kein Medienrummel

 

Leider fand Pete’s Tour - die erste Paddeltour quer über den Atlantik, und zwar nicht über die relative warme Passatroute, sondern über die recht kalte Westwindroute - kaum Beachtung in seinem Heimatland. Zum einen lag es wohl daran, dass die BCU nicht hinter ihm stand, nachdem er sich mit ihr verärgert hatte, weil sie von ihm, der 1996 Großbritannien im Zweier-Kajak umrundet hatte, zum Erwerb der verschiedenen Star-Qualifikationen trotzdem die Absolvierung aller Wochenendkurse forderte. Zum anderen traf er gerade in Großbritannien ein, als am 11. September 2001 der Terrorschlag in New York sich ereignet hatte.

 

Fragen & Fakten

 

Immerhin hatte er die Gelegenheit, im US-amerikanischen SEA KAYAKER über seine Tour zu berichten. Auch schaffte er es 2004, ein 173 Seiten umfassendes Buch über seine Atlantikquerung zu schreiben. Nun, der SK-Beitrag beschränkt sich auf das Wesentliche, aber spätestens im Buch hätten mehr Infos herüber kommen können, z.B.:

 

  • Welche Abmessungen hatte sein Kajak?
  • Welche Fahreigenschaften hatte es, und zwar nicht nur beim Paddeln (z.B. luv- oder leegierig), sondern auch beim Surfen, bei schwerer See, unter Einsatz des Treibankers (bzw. später ohne Treibanker), während der Kenterungen; und welches Geschwindigkeitspotenzial steckt in dem Kajak?
  • Welche Ausrüstung wurde mitgeführt?
  • Wie wurde die Versorgung mit elektrischem Strom sichergestellt? Wie erfolgten die elektrischen Anschlüsse zu den einzelnen elektronischen Geräten?
  • Welche Ausrüstung hat gefehlt?
  • Was hätte er im Nachhinein besser machen können?
  • Warum hatte die Seenotbake zum Schluss den Seenotfall angezeigt?

 

Dennoch gibt es genügend andere interessante Infos, die das Buch liefert, und zwar nicht nur über die Vorbereitungsphase (inkl. Sponsoring). Z.B. erfahren wir:

 

  • dass für 100 Tage Essensportionen vorgekocht, eingeschweißt und in handlichen Wochenpaketen griffbereit im Vorderschiff verstaut wurden. Jede Woche wurde ein Paket in die Kabine geholt und die einzelnen Portionen kalt gegessen. Der mitgenommene Propangaskocher konnte leider wegen des Seegangs nicht eingesetzt werden.
  • dass das GPS-Gerät sehr schnell nicht mehr funktionierte, aber wir erfahren nicht warum. (eingedrungene Feuchtigkeit?)
  • dass Pete sich immer nackt auszog, bevor er seine Kabine zum Paddeln verließ. Im Cockpit lagerte seine Paddelbekleidung, die er dann dort anzog: ein besonders Unterhemd, welches etwas länger geschnitten war; einen besonderen Hut, Long-John, dicke Socken, Thermoweste sowie eine wasserdichte Jacke.
  • dass praktisch fast alles Bewegliche mal kaputt ging: ein Steuerseil, eine Steuerpedale, die wasserdichte Kabinentür (nach der Hälfte der Strecke), der Treibanker, das teilbare Paddel; der Schäkel, der den Treibanker am Heck festhielt, öffnete sich;  u.v.a.m.
  • dass das „große Geschäft“ auf einer Art Pfanne erledigt und der Inhalt danach nach außen befördert wurde, sofern der Seegang oder eine Kenterung ihn nicht daran hinderte.

 

1. Versuch endete nach 24 Std. im Chaos

 

Schließlich erfahren wir auch über Pete’s ersten Querungsversuch ein Jahr zuvor, der schon nach 24 Stunden wegen Wassereinbruch scheiterte. Pete musste, ohne seine Betreuer informieren zu können, fasst nackt und nur mit einem Tag/Nacht-Seenotsignalmittel bestückt, in seine Rettungsinsel übersetzen und alles andere zurücklassen (z.B. Verpflegung, Seenotsignalraketen, eine Seenotbake von Breitling). Dort wartete er darauf, dass er vermisst und gesucht wurde. Sein treibendes Kajak wurde von der Besatzung eines Fischkutters entdeckt, die daraufhin die Seenotrettung informierte. Übrigens, vom Fischkutter später abgeliefert Kajak war vollständig geplündert. Vermutlich hatte zuvor die Besatzung eines anderen Kutters das treibende Kajak entdeckt und sich der Wertsachen bemächtigt, ohne die Sichtung der Coast Guard zu melden.

 

Der Grund für die Havarie lag in einer Lenzpumpe, die wegen eines falschen Anschlusses das Wasser nicht heraus-, sondern hineinpumpte. Der Wassereinbruch erfolgte so schnell und setzte zusätzlich die ganze Elektronik außer Betrieb. Zuvor musste jedoch Pete feststellen, dass er seinen Bordcomputer, der per Satellit den Kontakt zu seinen Betreuern aufrechterhalten sollte, gar nicht in Gang setzen konnte, da er das Password nicht kannte.

 

Da lief wohl einiges schief. Aber aus Fehlern konnte Pete lernen und wie der erfolgreiche 2. Versuch es zeigt, hatte Pete das auch getan.

 

Warum er nun auf sein von dem britischen Kajakhersteller MEGA gebautes Kajak nicht ein zweites Mal verwendete, sondern vielmehr auf eine – äußerlich recht ähnliche - Neukonstruktion von Robin Feloy (Kirton) setzte, erfahren wird jedoch nicht. Wohl aber wird begründet, warum das Kajak von Feloy über keinen Kiel mehr verfügte, und zwar um das Seegangsverhalten bei sehr schwerer See zu verbessern. Auch wird begründet, warum die Strategie des ersten Versuchs, nur nachts zu paddeln und tagsüber zu schlafen, aufgegeben wird: Die Chance nämlich, dass die Schiffsbesatzungen tagsüber ein solch relativ kleines Boot eher entdecken würde als des Nachts, wurde als nicht sehr hoch eingeschätzt, sodass es sich nicht lohnt, die Mühe der Nachtpaddelei aufzunehmen.

 

Fazit

 

Zum Schluss frage ich mich jedoch, was Pete dazu getrieben hat, ohne große Probefahrten sich einem Kajak wochenlang Tag & Nacht anzuvertrauen. Was hätte eigentlich dagegen gesprochen, z.B. mal „kurz“ die Nordsee von England (Newcastle) nach Norwegen (Stavanger) (ca. 600 km) zu queren (und mit der Fähre zurückzufahren), um zu erkennen, ob die Ausrüstung wirklich stimmt. So aber „stürzt“ er sich mit einem Kajak in den Atlantik und setzt darauf, dass schon alles gut gehen wird. Beim 1. Versuch hätte er dabei beinahe schon nach 24 Std. seinen Leben „verspielt“.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Quelle:

P.Bray: Kayak across the Atlantic, Polperro Heritage Press 2004

P.Bray: North Atlantic Kayak Challenge 2000 (aus: Sea Kayaker, Febr. 02)

è www.seakayakermag.com/2002/02Feb/atlantic01.htm

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