10.02.2009 Kanuwandern entlang Frankreichs Küste (Neue Regelungen) (Revier/Ausland)

 

Frankreich hat am 15.04.08 wieder einmal neue Regelungen zur Befahrung der Küste mit Sportbooten zwischen 2,50 m und 24 m Länge verabschiedet:

 

www.mer.gouv.fr/rubrique.php3?id_rubrique=2466

www.mer.equipement.gouv.fr/IMG/pdf/loisirs_en_mer_cle5a8c86.pdf

www.ffck.org/mer/kayak_mer/reglement.htm

 

Reinhard Hollubek (Bonn) hat mir bei der Übersetzung der wichtigsten Vorschriften geholfen.

 

Allgemein gilt jetzt:

 

  1. Ein Seekajak wird der Bootskategorie C zugeordnet (= mind. 4 m lange und mind. 0,45 m breite Boote; konzipiert für Küstennähe, max. 6 Bft. Wind und max. 2 m Wellenhöhe; mind. 2 cm Freibord bei geflutetem Kajak).
  2. Küstenkanuwanderungen dürfen nur am Tag, nicht aber nachts durchgeführt werden.
  3. Mit Kajaks darf aufs Meer hinaus gepaddelt werden. Der nächst sichere Anlande- bzw. Ankerort darf jedoch maximal nur 6 Seemeilen (ca. 11 km) entfernt liegen, was bedeutet, dass die maximal zu überwindende freie Strecke (z.B. hinüber zu einer Insel bzw. entlang einer unwirtlichen Steilküste) 12 sm (ca. 22 km) betragen darf.
  4. Über folgende Ausrüstung muss der Kanute verfügen:

(a) Schwimmweste (=> ist zu tragen),

(b) mindestens doppelt abgeschottetes Kajak oder entsprechender Schaumauftrieb (sofern kein Sit-on-Top),

(c) Spritzdecke (=> ist zu tragen und um den Süllrand zu legen, sofern man sich mit dem Kajak mehr als 2 sm / 3,7 km vom nächsten sicheren Ort entfernen will),

(d) Leuchtmittel (=> wasserdichte Lampe oder Leuchtstab (?)),

(e) Schleppvorrichtung (=>Schleppleine),

(f) Lenzvorrichtung (=> fest eingebaut oder mobil),

(g)* Signalmittel (è 3 rote Signalkugeln o.ä.)

(h)* Signalspiegel,

(i)* Magnetkompass,

(j)* Seekarte,

(k)* akustisches Signalmittel (=> Trillerpfeife)

 

Fehlen die mit * gekennzeichneten Ausrüstungsteile (hier: g-k), dürfen wir Kanuten uns nur max. 2 sm vom nächst sicheren Anlandeort entfernen.

 

Was ist nun „novelliert“ worden, d.h. inwiefern hat sich etwas an den Bestimmung vom 1.1.05 geändert:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Frankreich-Vorschriften.pdf ?

 

1)      Die Auftriebsvorschriften sind der Realität angepasst worden. Sie sahen bislang vor, dass das vollkommen geflutete Kajak (inkl. der ansonsten abgeschotteten Gepäckräume) so mit Schaumstoff ausgefüllt sein muss, dass auch bei einem zusätzlichen Ballast von 15 kg Eisen einen Freibord von 2 cm gewährleisten wird. Ab sofort wird zugelassen, dass bei abgeschotteten Seekajaks der geschottete Gepäckraum nicht mehr zu fluten ist.

2)      Außerdem wird der Aktionsraum von Küstenkanuwanderer um 1 sm auf max. 6 sm vom nächst sicheren Anlandeort erweitert.

3)      Weiterhin ist die 2-sm-Beschränkung für Solo-Touren aufgehoben worden.

4)      Schließlich werden nicht mehr „Reservepaddel“, „Ligne de vie“ (= Rettungshalteleinen) und „Paddle-Float“ erwähnt.

 

Aber ganz sicher bin ich mir in dieser Angelegenheit nicht; denn den unten aufgeführten Links können eine Vielzahl von bürokratischen Vorschriften zu diesem Punkt entnommen werden, die sogar uns Deutschen erstaunen lassen. Sicherlich ist da noch eine Vorschrift versteckt, die uns später u.U. bei einer Tour entlang der französischen Küste in Verlegenheit bringen könnte.

 

Übrigens, der Hersteller, Importeur bzw. Wiederverkäufer eines neuen Seekajaks muss dieses bei der zuständigen französischen Seeschifffahrtsbehörde zulassen. Der Käufer erhält von ihm eine Bescheinigung, dass das Seekajak die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt („Wasserverkehrsbescheinigung“), die an Bord mitzuführen ist. Anderenfalls wird das Seekajak den Strandgeräte zugerechnet, mit denen man sich nicht mehr als 300 m von der Küste entfernen darf.

 

Und was betrifft hiervon die nicht-französischen Küstenkanuwanderinnen und –wanderer, die während ihres Urlaubs entlang der französischen Küste paddeln? Eigentlich müssten aufgrund des EU-Rechtsprinzips die Kajaks ausländischer Kanute von diesen Bestimmungen ausgenommen sein. Wer auf „Nr. Sicher“ gehen will, achtet einfach nur darauf, dass er die französischen Ausrüstungsvorschriften erfüllt, was nicht schwer fallen dürfte; denn es handelt sich dabei vom Vorgaben, die eigentlich zum Ausrüstungsstandard einer jeden Küstentour gehören sollte. Wem das nicht genügt, der beantragt bei der Geschäftsstelle des DKV (Postfach 100315, 47003 Duisburg) die Bestätigung seiner Seetüchtigkeit.

 

Text: U.Beier

Literatur: SEEKAJAK, Nr. 114/08, S.25 – www.salzwasserunion.de