15.12.2009 Rund Australien: Freya Hoffmeister Did it! (Revier/Ausland)

 

Freya Hoffmeister (45; Husum/Schleswig-Holstein/Deutschland) ist am 15.12.09 dort wieder angelandet, wo sie am 18.1.09 ablegte, nämlich in Queenscliff (nahe Melbourne/Australien):

 

www.qajaqunderground.com

 

In dieser Zeit mussten zumindest ihre Fans in Amerika, Japan und natürlich auch Europa auf sie verzichten. Aber das waren sie längst gewohnt, wenn auch nicht für solch eine lange Zeit. Dieses Mal ging es nicht darum, in Rekordzeit Island zu umrunden (1.620 km in 25 Paddeltagen = 65 km/Tag, und zwar zusammen mit dem US-Amerikaner Greg Stamer) oder die Südinsel von Neuseeland (2.386 km in 48 Paddeltagen = 50 km/Tag, und zwar solo). Nein, dieses Mal versuchte Freya einen ganzen Kontinent zu umrunden, nämlich Australien. Bislang hatte das solo nur der Neuseeländer Paul Caffyn geschafft. Er benötigte 1981/82 – als damals 36jähriger - dafür insgesamt 361 Tagen (davon 257 Paddeltage).

 

Nachdem Freya während ihrer Neuseelandtour die Gelegenheit hatte, Paul Caffyn näher kennen zu lernen, reizte es Freya ebenfalls Australien zu umrunden, natürlich in einer kürzeren Zeit. Nun hat sie es geschafft. Insgesamt war sie für die ca. 13.800 km 332 Tage unterwegs, von denen sie 245 Tage paddelte, also durchschnittlich 56 km/Tag. Das ist eine Leistung, die sicherlich nicht mehr so bald unterboten wird. Wer sich einen klitze-kleinen Eindruck von dem machen möchte, was hier Freya geschafft hat, möge nur einmal versuchen, an einem einzigen Tage, 56 km auf dem Meer zu paddeln (nach Helgoland z.B. sind es ca. 45 km).

 

Für uns Freizeitpaddler war sicherlich Freya’s größte Leistung, den im Norden von Australien liegenden Golf von Carpentaria zu queren, statt ihn auszufahren. Für die 575 km lange Querung benötigte sie 8 Tage und 7 Nächte. Sie schlief im Sitzen. Damit sie ihre Haltung bewahren konnte, stütze sie sich auf einem extra dafür aufgeblasen Ball ab. Und damit sie nicht kenterte, montierte sie als Ausleger links und rechts je ein Paddlefloat.

 

Nicht minder anstrengend und aufregend für sie war bestimmt auch die Überwindung von insgesamt 3 Cliffs, und zwar Zuytdorp Cliff (ca. 171 km), Baxter Cliff (ca. 164 km) und Bunda Cliff (ca. 180 km). Es handelte sich dabei um Steilküstenpassagen im Westen und Süden von Australien, die keine Möglichkeit zum Anlanden boten.

 

Bevor Freya z.B. das Zuytdorp Cliff in Angriff nahm, musste sie über mehrere Tage eine Zwangspause einlegen, bis sich das richtige Wetterfenster öffnete! Dann prognostizierten 3 verschiedene Wetterberichte ideale Paddelbedingungen: Rückenwind für 2 Tage. Des Nachts zog dann jedoch von hinten eine nicht angekündigte Front durch, die den Himmel verdunkelte und die See aufwühlte. Vom Horizont war nichts zu sehen. An ein Vorwärtspaddeln war kaum zu denken; denn ihr Paddel brauchte sie als Stütze, um ihr Gleichgewicht zu halten, um nicht von den herannahenden Brechern gekentert zu werden.

 

Unvergesslich für sie waren sicherlich auch die Begegnungen mit Haien (mehrmals stuppsten Haie gegen ihr Kajak, einmal hatte sogar einer ins Heck gebissen!), Salzwasserkrokodilen (am Land waren sie ungefährlich, da viel zu schläfrig, aber draußen, da machten sie ihr Angst!), Seeschlangen (nett anzuschauen, giftig aber nicht aggressiv, d.h. keine interessierte sich für ihr Seekajak!) und „Imponderabilien“ (einmal rutschte ihr Seekajak nachts von allein einen Hang hinunter und trieb am Ufer entlang, was Freya erst am nächsten Morgen bemerkte). Nicht weniger beeindruckt war sie, als sie einmal beim Anlanden von einem Brecher umgeschmissen wurde. Sie verlor dabei den Schenkelhalt und musste, die ansonsten über 30 Varianten der Grönland-Rolle beherrscht, aussteigen.

 

Ach ja, der Dünung sei Dank, ab und an wurde sie auch seekrank, insbesondere wenn sie sich unterwegs mit anderen Dingen als mit Paddeln beschäftigte, z.B. wenn sie Textmeldungen erstellt, im Cockpit nach Ausrüstungsgegenständen suchte oder Bekleidung wechselte. Übrigens, bei der Nachtpaddelei erwischte es sie häufiger …. aber wenn der Magen endlich leer war, konnte sie sich wieder voll aufs Paddeln konzentrieren.

 

Für Freya war diese Umrundung keine Wanderfahrt, die halt nicht 3-Wochen, sondern ein ganzes Jahr dauern sollte. Sie betrachtete das ganze als „Wettfahrt“. Sie wollte unbedingte die Umrundung unter den 361 Tagen schaffen, die Paul Caffyn benötigte. Deshalb sprach sie auch vom „Race Around Australia“! Bei solch einer Absichtserklärung ist es nur verständlich, dass die „Erholung“ auf der Strecke blieb und von „Sight Seeing“ keine Rede sein konnte. Sie paddelte von Kap zu Kap. Buchten querte sie grundsätzlich auf dem kürzesten Weg. Tagtäglich war sie 10-12 Stunden auf dem Wasser. Die restliche Zeit des Tages verbrachte sie neben oder in ihrem Zelt. Kein Wunder, dass sie sich manchmal wie ein „Gefangene“ fühlte.

 

Dennoch hat sie etwas von den Leuten auf dem Kontinent mitbekommen. Immerhin hatte sie 88 Ruhetage, sei es, dass das Wetter eine Weiterfahrt nicht erlaubte, ihr Körper nach einer Regenerationspause verlangte oder ihr Material der Pflege bedurfte. Sie genoss die australische Gastfreundschaft, freute sich über die lokalen Kanuten, die sie immer mal wieder auf ihrer Tour begleiteten, wenn auch nur für 1, 2 Stunden, leider häufig in der Absicht, Freya mal zu zeigen, wie schnell Ausis mit ihren leeren Seekajaks in diesen 1, 2 Stunden paddeln können.

 

Während ihrer Neuseelandtour paddelte sie noch mit einem britischen Seekajak von Nigel Dennis („Romany Explorer“, 533x55cm, ca. 340 Liter Vol., ohne Steuer, mit Skeg). Für die Australientour wählte sie ein us-amerikanisches Seekajak von Epic Kayaks („18X Sport“, 549x56 cm, ca. 369 Liter Vol., mit Steuer) aus. Mehr als die Hälfte der Tour paddelte sie in einem Serienmodell. Erst dann wurde ihre eine „getunte Version“ des „18X Sport“ zur Verfügung gestellt, ebenfalls mit Steuer; denn: „Wenn du von A nach B so schnell wie möglich paddeln willst, ist ein Steuer genau das, was du brauchst!“

 

In der Regel transportierte sie alle ihr Gepäck in ihrem Seekajak mit sich, so auch die Verpflegung für 14 Tage und das Trinkwasser für 5 Tage. Zeitweise wog ihr beladenes Seekajak zwischen 80-100 kg. Im Gegensatz zu Paul Caffyn, der während der ganzen Tour über eine „Backup-Crew“ verfügte und in einem leeren Seekajak paddelte, stand Freya erst gegen Ende der Tour ab und zu ein Begleitfahrzeug bereit, das etwas Gepäck zum nächsten – sofern per Pkw zugänglich - Übernachtungsplatz brachte.

 

Ich bin etwas stolz, dass Freya die ersten Salzwassererfahrungen beim DKV gesammelt hat, und zwar bei meinen Brandungsübungen in St.Peter-Ording im Jahr 2003. Leider hatte das bei ihr nur die Liebe zur Küstenkanuwanderei wecken können, ansonsten brachte ihr St.Peter-Ording nicht viel – denn es herrschte damals keine Brandung – „außer“ ein paar Freunde. Die waren aber für sie sehr wichtig. An denen maß sie sich. Matthias Panknin war einer von denen, und Peter Unold (DK), Bernhard Hillejan, ein paar Niederländer und Briten, Greg Stamer (USA), Chris Cunningham (USA), Oscar Chalupsky (USA) und schließlich Paul Caffyn (Neuseeland). Zum Glück kann sie nicht mehr Oskar Speck kennen lernen, der in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts im Faltboot von Deutschland nach Australien paddelte und dafür 7 Jahre benötigte. Sonst müssten wir wohl bald wieder auf Freya verzichten?! Dafür lernte sie während der Umrundung Greg Bethune kennen, der, als er vom SEA KAYAKER gefragt wurde, wie er Freya fände, wie folgt antwortete: It’s a good thing she became my girlfriend during the trip because if she was my girlfriend prior to the trip, one of two things’d happen: She wouldn’t do the trip, or: She wouldn’t be my girlfriend.” (SK Febr.10)

 

Text: U.Beier (Wiederabdruck aus: Kanu Sport, 1/10, S.16-17 – www.kanu.de)

 

Literatur:

Cunningham,Chris:

  • Australia Ahead: Freya Hoffmeister and her Solo Circumnavigation, in: SeaKayaker, Febr.09, S.19-21
  • Australian Odyssey: Freya Begins, in: SeaKayaker, April09, S.21-22
  • 2,000 Miles Down Under: Freya Continues North, in: SeaKayaker, June09, S.23-26
  • The Great Gulf, in: SeaKayaker, Aug.09, S.14-19
  • Halfway, in: SeaKayaker, Oct.09, S.15-17
  • Leaving Australia’s West Coast in her Wake, in: SeaKayaker, Dec.09, S.14-17
  • Freya and the Great Australian Bight, in: SeaKayaker, Febr. 10, S.46-50

Glickman,J.:

  • Black Widow. Chasing Greatness with Freya Hoffmeister, in: Canoe & Kayak, Aug. 09,S.12-13

Mihell, C.:

  • Speed Queen, in: Adventure Kayak (CDN), Spring 2010, S.14-15