01.01.2012 Freya Hoffmeister vor Kap Horn (Revier/Ausland)

 

Es ist Sonntag, Neujahr. Da hing nun Freya Hoffmeister (47) schon seit 5 Tagen auf der chilenischen Isla Deceit rum und schaute hinüber zum ca. 11 km entfernten, ebenfalls zu Chile gehörendem, auf der Isla Hornos liegendem Kap Horn. Wind & Welle erlaubten ihr jedoch nicht, mal kurz hinüber zur Marinestation auf der Isla Hornos zu paddeln. Kurzzeitig wehte es am Mittwoch, dem Tag nach ihrer "Notlandung", bis 11 Bft. aus westlicher Richtung mit Orkanböen bis 100 Knoten (!?) (Zur Info: 12 Bft. Wind beginnt bei 64 kn) In der Zwischenzeit „flautete“ es wohl mal bis auf 5 Bft. ab, aber an ein Starten war trotzdem nicht zu denken. Die einzige dafür in Frage kommende kleine Bucht mit einem winzigen „Wackerstein“-Strand erlaubte einen Start bloß bei Niedrigwasser (Tidenhub: ca. 2 m) und das auch nur dann, wenn keine Brecher hinein rauschen. Für kommenden Dienstag, also in 2 Tagen, wurde eine Wetterbesserung prognostiziert. Bis dahin musste sie sich wohl oder übel mit den 3-4 m hohen Brechern abfinden, die unablässig tagsüber und in der Nacht im 10-Sekunden-Takt in ihre Bucht donnerten. Ihr Zelt (Hilleberg Staika) hatte sie mit doppelt so viel Leinen vorm Flachlegen abgespannt, mit -zig Steinen vorm Wegfliegen gesichert und einige Meter entfernt vom Spülsaum aufgebaut, weit genug, um nicht weggespült zu werden, aber doch noch so nahe, dass die salzige Gischt es immer mal wieder erreichen konnte:

 

~~~ Foto-Album: ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

Starke Frau:

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Ihre Ausrüstung?

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Ihre Steueranlage:

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Ihr „Spleen“: The woman in black

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Schnappschuss:

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Ihre Campgrounds:

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Notlandeplatz auf der Isla Deceit:

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Selbstporträt vorm Kap Horn:

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Ihre Begleiter:

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Ihre Eskorte:

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Für ihren Freund:

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Weihnachtliche Stimmung:

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Unterwegs …. zu Fuß:

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It’s ever raining in southern America:

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Sommer oder Winter?

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Ihr Schicksal?

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Kleine Frau:

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Dabei sah es einige Tage vorher noch so gut aus. Am 27.12.2011, ihrem 120. Fahrtentag seit dem Start von Buenos Aires (Argentinien) am 30.08.2011 zur ersten von drei Etappen rund Südamerika, herrschte Flaute, total Flaute am Übernachtungsplatz unterhalb des Punta Guanaco (Chile). Noch ca. 80 km waren es bis zur Isla Hornos, zum Kap Horn. Sie startete schon früh am Morgen um 4.30 Uhr. 2 Stunden später tauchte mal wieder ein Marineboot auf und eskortierte sie dieses Mal für 3 Stunden. Und auch sonst lief alles wie gewohnt & geplant. Freya kam gut voran. Sie träumte schon davon, am selben Tag noch Kap Horn zu umrunden. Da rief sie ihr Kontaktmann, Peter Unold, aus Dänemark über ihre Satelliten-Telefon an und warnte sie vor einer Wetterverschlechterung, die für 18 Uhr prognostiziert wurde.

 

Schade, so dachte sie wohl, dann reicht es halt „nur“ noch bis zur Marinestation auf der Isla Hornos. Um 14.30 Uhr passierte sie die Isla Deceit (also die Insel, wo sie nun seit 5 Tagen auf Wetterbesserung wartete!). Noch 9 km waren es bis zum Kap Horn. Spätestens um 16.30 Uhr müsste sie bei der Marinestation anlanden ... aber um 15.00 Uhr brieste es auf. Noch 7 km bis zum Kap. 3,5 km davor nahm der Wind an Stärke zu, aber Freya machte immer noch 3 km/h Fahrt über Grund. Nur 1,1 km vor der angepeilten Anlandestelle nahe der Marinestation war dann jedoch Schluss. Der mindestens mit 8 Bft. wehende Sturm aus schräg von vorne, ließ sie auf der Stelle paddeln. Freya musste abbrechen und …. das erste Mal in ihrem kurzen, seit ca. 8 Jahren sie in Beschlag nehmenden Küstenkanuwanderleben umkehren.

 

Zunächst empfand sie es als eine Erleichterung, sich trotz der haushohen See vom Wind treiben zu lassen vorbei an der Isla Freycinet und Isla Wollaston in Richtung Isla Deceit. Doch dann tauchte vor ihr eine brandungsumtoste Felsbarriere auf, die von der Isla Deceit weit hinaus aufs Meer reichte und ihr den Weg versperrte. Diese Barriere zu umfahren war wegen des inzwischen zu einem schweren Sturm sich entwickelnden Windes mit Orkanböen bis 80 kn (!?) und der 4-5 m hohen See nicht mehr möglich. Außerdem war es zu ungewiss, was sie dahinter zu erwarten hatte. Zur Auswahl standen die Leeseite der Isla Deceit oder - wenn sie diese verpasste - die Antarktis! Sie peilte daher eine kleine, schmale mit Felsen durchsetzte und etwas mit Algen "ausgepolsterte" Bucht an, passte den Augenblick ab, bei dem die Brandung nicht ganz so hoch auflief, und ließ sich auf den Algenteppich spülen. Jetzt musste es schnell gehen, bevor der nächste Brecher heran donnert. Leider klappte das nicht so recht auf den glitschigen Algen, so dass der nächste Brecher ihr das voll beladene Seekajak aus den Händen riss und auf die nahen Felsen schmiss.

 

Die Uhr zeigte 20.30 an. Vor 16 Stunden war noch alles in Ordnung … und jetzt? Nun:

 

  • Freya hatte lediglich ein paar Kratzer am Bein abbekommen.
  • Bei ihrem Seekajak, ein EPIC 18X Sport (549x56cm; ca. 370 Liter Vol.), war an einer Seite ein Stück der Außennahtverklebung aufgeplatzt, auf der anderen Seite hatte wohl ein Felsen ein Loch hineingedrückt und vom Steuerblatt war die verstellbare Finne abgebrochen.
  • Und ihr noch von der Australienumrundung her so vertrautes Wingpaddel war am Schaft glatt durchgebrochen.

 

Ja, das passierte ihr vor 5 Tagen. In der Zwischenzeit ist alles wieder dank dem 4-Minuten-Zwei-Komponenten-Epoxid-Steel-Kleber repariert. Abgesehen davon verfügte sie noch über ein Reservepaddel und 2 Reservefinnen. Da Sie zum Reparieren ein „No-Rain-Window“ benötigte und zum richtigen Aushärten nochmals 8 Stunden, verpasste sie jedoch die kurzzeitige Wetterbesserung am Donnerstagnachmittag, um hinüber zum Kap zu paddeln.

 

Mittlerweile war es Sonntag, der 1 Januar 2012. Auf der Insel gab es genügend Trinkwasser, ihre Verpflegung würde noch für 12-14 Tage reichen und ihre Batterien hatten auch noch genügend „Saft“. Solang kein Erdrutsch sie verschütten oder kein Felsbrocken vom unmittelbar hinter ihr steil hinaufragenden Kliff auf ihr Zelt, ihr Seekajak oder ihren Kopf fallen würde – diese Gefahr bestand wirklich (!) – dürfte Kap Horn erreichbar sein. Von ihrem Lager aus konnte sie die ca. 11 km entfernt liegende Marinestation sehen und per UKW-Handsprechfunkgerät hatte sie sogar schon mal Kontakt mit dieser Station aufnehmen können, wenn auch die Verständigung etwas unverständlich war.

 

Mit 3.841 km hat sie bis jetzt fast die Hälfte der insgesamt ca. 8.000 langen 1. Südamerika-Etappe von Buenos Aires (Argentinien) (Atlantik) nach Valparaiso (Chile) (Pazifik) geschafft. Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit lag bislang bei etwas über 5 km/h. Alles verlief bisher recht reibungslos – zumindest aus der Sicht einer „Profi“-Paddlerin. Einen sehr großen Schatten auf ihre Tour warf jedoch der Tod ihres wichtigsten Verbindungsmannes aus Argentinien, Alejandro Daniel Carranza. Er paddelte zur selben Zeit keine 100 km entfernt von ihr mit einem Freund zu der ca. 30 km vor der Küste liegenden Staten Island (Argentinien), kenterte im Sturm und … ertrank. Sein Partner Juan Pablo Darczency überlebte jedoch und konnte nach Abflauen des Sturmes geborgen werden.

 

Das ist das gefährliche am Kap Horn und seiner Umgebung. Die Wetterwechsel kommen überwiegend schneller und heftiger als prognostiziert. Freya hatte wieder Mal Glück gehabt, dieses Mal sogar 3-faches Glück!?

  • Erstens schlug sie die Bitte von Alejandro und Juan aus, die beiden auf ihrer Tour zu der etwas abseits vom Kurs liegenden Staten Island zu begleiten.
  • Zweitens überlebte sie die mit bis 80 Knoten wehenden Orkanböen vor der Isla Hornos.
  • Und Drittens?

Gratulation Freya, sie hat es an ihrem 125. Fahrtentag geschafft. In der Neujahrsnacht besserte sich das Wetter ganz unerwartet und sehr plötzlich. Der Wind drehte etwas und ging auf 5 Bft. zurück. Die Brandung verlor an Kraft ... Und Freya nutzte früh am Morgen um 5.05 Uhr die Chance, hinüber zur Isla Hornos zu paddeln, jener Insel auf der das berühmt berüchtigte Kap liegt. Um 7.05 Uhr landete sie bei der Marinestation an. Kurz nach 11 Uhr nahm der Wind dann wieder zu!

 

„Jeder ist seines Glückes Schmied!“ so lautet eine deutsche Lebensweisheit. Recht so; denn mit Glück allein kann man wohl z.B. Amrum, aber nicht das Kap Horn umrunden … und auch nicht Südamerika (2011-14?), Australien (2009-10), Neuseeland (2008), Island (2007). Freya Hoffmeister hat das Zeug dazu, auch dieses Mal ihr Ziel, nämlich 2014 wieder in Buenos Aires anzulanden, zu erreichen. Hoffentlich kommt ihr dabei das Pech nicht in die Quere!

 

Nachtrag: Freya umrundete am 3.1.12 die Isla Hornos, erreichte am 8.1. Puerto Williams, am 10.1. Ushuaia und am 29.1. Punta Arenas. In der Zwischenzeit (22.2.) liegt Kap Horn schon wieder 1.426 km hinter ihr. Z.Zt befindet sie sich in der Inselwelt der pazifischen Regenwaldküste von Chile („Fjordland“). Insgesamt ist sie nun schon 177 Tage unterwegs und hat bislang 5.280 km zurückgelegt. Ihre durchschnittliche Paddelgeschwindigkeit liegt bei 4,9 km/h.

Übrigens, nach Arved Fuchs & Rainer Neuber (Winter: 7.5.1984) sowie Petra Basch & Christoph Beyer (ACC-Hamburg) (Sommer: 1992/93) ist wohl Freya die fünfte Deutsche, die mit dem Kajak bis zum Kap Horn vorgestoßen ist.

 

Text: U.Beier

Link: www.freyahoffmeister.com/freyas-blog/

Link zum 120. Fahrtentag:

http://freyahoffmeister.com/2011/12/28/tue-2712-2011-day-120/

Link zum 125. Fahrtentag:

http://freyahoffmeister.com/2012/01/01/sun-0101-2012-day-125/