27.01.2012 650 km Baja California (Revier/Ausland)

 

Im SEA KAYAKER berichtet Bill Bailey in dem Beitrag:

 

„A 400-Mile Kayak Journey Along the Coast of Baja California

 

über eine mit seiner Frau Julie geplante Tour von San Felipe bis Loreto. Gepaddelt wurde in Einer-Seekajaks.

 

Insgesamt stand ihnen mit An- und Abreise 2 Monate zur Verfügung.

 

Zunächst fuhren sie nach San Felipe (im Norden der Sea of Cortez). Dort ließen sie ihre beiden Boote und das Gepäck zurück.  Dann ging es mit ihrem Auto hinunter nach Loreto. Unterwegs versteckten sie 2x insgesamt 13 Verpflegungskisten in der Wildnis, dort wo die Straße besonders dicht entlang der Küste verlief, und zwar nahe Bahia de los Angeles und Santa Rosalia. In Loreto parkten sie ihr Auto und fuhren dann 24 Std. mit dem Bus zurück zum Startort.

 

In San Felipe angekommen stellte sich heraus, dass Julie sich während der langen Auto- und Busfahrten über die vielfach unebenen Straßen die Bandscheiben derartig schädigte, dass sie zunächst einmal in San Felipe in einem Hotel zurück blieb.

 

Bill paddelte daher also erst einmal alleine los in seinem u.a. mit 80 Liter Trinkwasser und 70 kg Gepäck beladenem Seekajak. Schon am ersten Tag nahm der Wind zu und die Wellen wurden immer höher (1,80 m). Seit 5 Jahren regnete es hier mal wieder. Am zweiten Tag blies es immer noch. Der Start durch die Brandung klappte, aber beim Anlanden bei Brandungsbedingungen geriet er ins Surfen, sein Seekajak lief auf Grund und knickte in der Mitte fast durch. Er sprang aus seinem Boot und versucht vergeblich, es aus der Brandungszone zu ziehen. Zum Glück parkte in der Nähe ein Fischer mit seinem Auto. Er kam herangefahren, warf Bill ein Seil zu und zog – wie die Fischer es dort halt tun – dessen lädiertes Boot aus dem Wasser übers Watt hinauf auf trockenes Land. Nachdem Bill seine verstreuten Gepäckstücke zusammen gesammelt hatte, packten sie das Seekajak auf sein Auto. Anschließend fuhr er Bill samt Gepäck zurück zum Startort und lieferte ihn völlig verdreckt bei seiner Frau ab.

 

Nach einer Woche (am 15. Urlaubstag) ging Bill wieder aufs Wasser. In dieser Zeit besorgte er sich das nötige Reparaturmaterial, klebte sein Seekajak wieder zusammen, kaufte für Julie einen ganz alten Pickup-Truck und stattete es als „Baja-Mobile“ aus. Mit beiden Booten auf dem Dach fuhren sie ins 80 km entfernte Puertecitos (knapp 35 km davon war Bill schon in den ersten beiden Tagen gepaddelt). Dort setzte Bill wieder ein, während Julie mit ihrem „Baja-Mobile“ langsam zum ca. 210 Paddel-Kilometer entfernt liegenden Bahia de los Angeles vorfuhr. 12 Tage später trafen sich beide dort wieder. Das „Baja-Mobile“ wurde verkauft; denn Julie wollte die letzte Passage bis Loreto mit paddeln. Geschafft hatten sie es jedoch „nur“ bis Mulege, ca. 130 km vor Loreto.

 

Insgesamt wurde 42 Tage an die 650 km gepaddelt und über 4.000 km mit Autos zurückgelegt. Immer wieder gerieten sie in Stürme, die tagelang anhielten. Ab und an zogen Windhosen an ihnen vorbei. Einmal sogar erlebten sie am Strand ein Erdbeben. Sie standen – wie es sich später herausstellte – mitten im Epizentrum:

 

„Es rumpelte immer stärker, als ob ein schwer beladener Güterzug sich näherte. Es ächzte, röhrte, donnerte und knarrte unvorstellbar laut. Dann bebte es. Wir kämpften, aufrecht stehen zu bleiben, als der Erdboden sich aufwellte. An dem nahen Kliff rutschten Hänge ab. Riesige Staubfahnen stiegen gen Himmel. Dann stand die Erde wieder still und das Donnern verzog sich so schnell, wie es kam.“

 

Dafür erlebten sie, wie ein Seelöwe aufs Heck von Bills Seekajak sprang und eine kurze Weile dort verharrte. Ein anderes Mal suchte sich Bill eine zweite Insel zum Biwakieren auf (gezeltet wurde nie!), da die erste Insel nebenan eine Seelöwenkolonie beherbergte. Als er anderentags früh morgens wach wurde, lag er inmitten dieser Seelöwen, die wohl nachts zu ihm herüber kamen. Vor Staunen erstarrt verharrte er regungslos noch einige Zeit in seinem Schlafsack. Erst als er dann den Reißverschluss öffnete, flüchteten die Seelöwen laut schreiend ins nahe Wasser.

 

Ein anderes Mal begegneten sie beide am Ufer einen Luchs. Keine 6 m entfernt lief er langsam bei ihnen vorbei, legte sich in die Felsen und beobachtete sie an ihrem Lagerplatz. Mitten in der Nacht weckten Bill ein paar Geräusche. Als er um sich schaute, entdeckte er den Luchs direkt neben ihn, wie dieser das aus seiner Trinkwasserflasche leckende Wasser aufschleckte. Nach einer halben Stunde erhob sich der Luchs und verschwand für immer in der Wüste.

 

Immer wieder waren sie vom klaren Wasser begeistert. Von ihren Seekajaks aus konnten sie unter sich im Wasser unzählige Fische, Rochen und Schildkröten beobachten. Einmal verdunkelte sich bei Bill unter sich im Wasser der weiße Sand. Zunächst war es nur ein großer Schatten. Dann tauchte ein Walhai auf, rammte ihn mit seinem großen dunklen Rücken und schwamm weiter, als ob nichts gewesen wäre. Unerschrocken verfolgten ihn Julie und Bill und konnten so miterleben, wie schließlich 4 weitere Walhaie zusammen im flachen Wasser entlang schwammen und nach Nahrung suchten.

 

Zusammenfassung: U.Beier

Quelle: SEA KAYAK, Nr. Febr. 2012, S.15-23 – www.seakayakermag.com