14.10.2012 Rund Großbritannien & Co. (Revier/Ausland)

 

Sie sterben wohl nie aus, jene Leute, die immer & immer wieder versuchen, ihre Grenzen kennen zu lernen und davon träumen, sie immer & immer höher anzusetzen. Freya Hoffmeister (derzeit für drei Monate zusammen mit ihrem dänischen Freund Peter Unold) hat das – was das Küstenkanuwandern betrifft – wohl auf die Spitze getrieben. Zu denken ist hier an ihre Rekordtouren rund Island, Neuseeland (Südinsel), Australien und nun Südamerika (on Tour), die eigentlich fast alles bisher Gepaddelte in den Schatten stellt.

 

Es gibt nur wenige, die an Freyas Leistung heranreichen oder gar übertreffen. Mir fallen dazu spontan z.B. die Atlantiküberquerungen von Peter Bray (2001) bzw. Jurek Arsoban 2010/11) ein, die jeweils den Nord- bzw. Südatlantik mit Kajak (richtiger: paddelbares Kajütboot) bezwangen, und natürlich Oskar Speck, der im Faltboot von Deutschland nach Australien paddelte (1932-39).

 

Trotz allem hält das andere nicht davon ab, weiter nach ihren persönlichen Grenzen zu suchen und dann bis dorthin vorzustoßen wie etwa Timo Palo & Audun Tholfsen, die sich am 23. April 2012 am geografischen Nordpol von einem Hubschrauber absetzen ließen (!), um sich dann autark – d.h. ganz auf sich alleine gestellt - 72 Tage mit PE-Kajaks „Lifestyle“ von TAHE MARINE nach Spitzbergen (!) vorzukämpfen. Sie legten dabei insgesamt 1.600 km zurück, 1.200 km davon über Schnee & Eis mit den Kajaks als Schlittenersatz:

 

è www.explorersweb.com/polar/news.php?id=20909

 

Im KAJAK-MAGAZIN berichtet nun Philipp Mayer in dem Beitrag:

 

„In Rekordzeit um Großbritannien“

 

über den britischen Profiseakayaker John Willacy, der sich als fünfzehnter Kanute vornahm, Großbritannien (ca. 3.284 km) zu umrunden, und es trotz widriger Wetter- und folglich auch Gewässerbedingungen in der Rekordzeit von 72 Tagen schaffte. Gratulation, auch wenn Joe Leach 14 Tage später der nächste „Circumnavigator“ anlandete und den Rekord mit 67 Tagen unterbot! Gratulation aber auch den anderen acht Kanuten, die ebenfalls 2012 (!) die GB-Umrundung schafften, und zwar in max. 120 Tagen.

 

John Willacy paddelte übrigens im „Taran“ (549x52cm, 383 Liter Volumen, mit Steuer), produziert vom britischen Hersteller ROCKPOOL. Es gehört zu jenen britischen Seekajaks (siehe auch „Inuk“ (550x50cm; 305 Liter Volumen; mit Steuer) v. KIRTON; „Pace 18“ (549x53; 373 Liter Volumen) von TIDERACE), deren Wasserlinienlänge sich möglichst der Gesamtlänge annähert, um von der Bootsbauerweisheit „Länge läuft!“ zu profitieren. D.h. auf die sonst für Seekajaks so typischen spitz in die Luft ragenden Bug- und Heckpartien wurde gänzlich verzichtet. Dafür ist die Lösung für die Steueranlage (es wird eine „Smart-Trek“-Steueranlage angebaut) nur suboptimal, zumindest was die Brandungstüchtigkeit betrifft; denn wenn mit einem Seekajak mit solch einer Steueranlage rückwärts gesurft wird und kerzt, bricht man sich bei Grundberührung die Steueranlage ab, und wer in der Brandung kentert und nicht verhindern kann, dass die Brandung sein quer getriebenes Seekajak ins Flache treibt und dort über den überspülten Strand kullert, verbiegt sich zumindest das Steuerblatt (egal, ob es nun hochgezogen oder runtergelassen ist).

 

Aufschlussreich ist ein Foto, wie John Willacy in seinem „Taran“ sitzt, sagt es doch einiges mehr über seine Ausrüstung aus:

 

 

Was gibt sonst noch Erwähnenswertes? Nun:

 

 

Übrigens, ein Vergleich mit Freyas Leistungen zeigt wohl die „Liga“ auf, der sie zuzuordnen ist! Sie paddelte während der 245 Paddeltage bei ihrer Tour rund Australien durchschnittlich jeden Paddeltag 10:46 Std. und legte dabei täglich durchschnittlich 56 km zurück. Maximal schaffte sie über 500 km am „Stück“ (= 8 Tage und 7 Nächte) (Gulf of Carpentaria) bzw. 200 km in 32,5 Std. bei bis zu 8 Bft. Windböen (Zuytdorp Cliff) bzw. 160 km in 35 Std. (Baxter Cliffs) bzw. 190 km in 27 Std. (Bunda Cliffs). Und bei ihrer 1. Etappe rund Südamerika paddelte sie durchschnittlich 46 km/Paddeltag und durchschnittlich 9:21 Std./Paddeltag, wobei sie 6x die Nacht durchgepaddelt ist. Das ist so unbeschreiblich, dass in der Zwischenzeit selbst den Briten und auch Amis die Worte fehlen, um darüber in ihren Kajak-Zeitschriften (z.B. OCEAN PADDLER oder SEA KAYAKER) zu berichten.

 

Text: U.Beier

Quelle: KAJAK-MAGAZIN, Nr. 6/12, S.14-15 – www.kajak-magazin.com

Link:

www.clockwisekayak.com

www.performanceseakayak.co.uk

www.performanceseakayak.co.uk/Pages/UKCirc.html