16.10.2012 Fast halb rum um Mallorca (Revier/Ausland)

 

Ich habe bislang keinen Bericht über eine Mallorca-Umrundung per Kajak gelesen. Jedoch kenne ich jemanden, der mal rum um Mallorca, und zwar im Sommer und mit dem eigenen Seekajak. Also ist er mit dem Auto losgefahren, hat mit der Fähre von Barcelona nach Mallorca übergesetzt … und ist dann irgendwann wieder zurück gefahren …. ohne überhaupt gepaddelt zu sein. Seine Begründung:

 

„Das war mir einfach viel zu heiß, viel zu windig und die Strände viel zu belebt!“

 

Mit Interesse las ich daher in KANU-SPORT den Bericht von Frank Raumel:

 

„Sa volta del sol: Mallorca Süd- und Ostküste“

 

Sehr lebendig schildert er seine auf 9 Tage angesetzte Tour. Inkl. der 7 Fotos hat KANU-SPORT dafür 6 Seiten zur Verfügung gestellt. Leider fehlt einem, der noch nie auf Mallorca war, etwas die Orientierung. Natürlich, Palma kenne ich, aber S’Estanyol de Migjorn, Cala Pi, Cala Beltram, Sa Rapita, Colonia De Sant Jordi, Na Moltana, Cap des ses Salines, Cala des Marmols, Cala Llombards, Cala Gigueras, Amarabor, Cala d’Or, Porto Colom, Cala Brafi, Cala Magraner, Cala Barques, Cala Sequer, Porto Christo, Cala Millor, Canyamel, Cala Roja, Kap Vermell, Platja de sa Font Salada, Talaia de Moreia, Cala Rajada, Cala Moll, Punta de Cala Gat, Cap de Capdepera, Cala Agulla, Punta de na Foguera, Cap des Freu, Platja de ses Convasses, Platja de sa Mesquida, Cala Ratjada? Dank GOOGLE EARTH konnte ich jedoch einigermaßen orientieren und die Tour entlang der Südost-Küste verfolgen. Eine Kartenskizze hätte dem sicherlich abgeholfen und dazu beigetragen, die Tour besser nachvollziehen zu können!

 

Zu Dritt wurde die zunächst als Rundfahrt (?) geplante Tour begonnen, und zwar wohlweislich im Oktober; denn dann ist es nicht mehr so heiß, teilweise wohl noch max. 30° C warm, aber 10° C wärmer wären schon viel heißer gewesen. Die Seekajaks wurden auch nicht von Deutschland aus mitgenommen, sondern vor Ort bei Matthias Soeder (s. Literaturstelle) ausgeliehen: 3 gelbe RAINBOW „Laser“ (aus PE, 3-fach abgeschottet, ohne Steuer und ohne Skeg, aber mit Schwimmweste, Ersatzpaddel und tragbarer Handlenzpumpe). Navigiert wurde wohl u.a. nach einem Küstenreiseführer mit Luftaufnahmen, der einem half, nicht so belebte Plätze für die Nacht zu finden; denn freies Zelten soll auf Mallorca nicht gern gesehen sein.

 

Gestartet wurde im Süden in S.Estanyol de Migjorn. Zur Übernachtung boten sich meist kleinere Sand-, Kies-Stränden und 1x in Porto Christo ein Hotel an. Als dann der Seegang bei prognostizierten 4-5 Bft. Wind aus Nord bis Nordost und 1,70-Meter-Welle kaum noch beherrschbar war, wurde – in Anbetracht dessen, dass es auf den nächsten 40 km entlang der Peninsula Levante keine Strandzufahrt mit Abbruchmöglichkeit mehr gab - nach 6 Tagen kurz vor Cap des Freu vorzeitig die Tour im Nordosten am Nacktbadestrand der Cala Ratjada beendet. Aber zunächst einmal musste angelandet werden:

 

„Welle für Welle paddeln wir Richtung Land. Langsam können wir zwei kleinere Buchten unterscheiden, die durch Felsen getrennt sind. Rechts davon sieht alles steinig aus. Die Gischt spritzt dort mit jeder ankommenden Welle hoch hinaus. Also eher links halten. Schnell nähern wir uns dem Ufer, wo sich die Wellen brechen und das Donnern der Brandung ohrenbetäubend anschwillt. Wer traut sich voraus zu fahren? Wir paddeln rückwärts und beobachten, wie Hans sich so vorsichtig wie möglich vortastet. Gegen die Sonne und bei dem ständigen Auf und Ab sehen wir, das er es ganz links probiert und jetzt in den Brandungsbereich einfährt – Wellental – plötzlich schießt sein Boot pfeilschnell nach rechts – Wellental – er paddelt wie wild Richtung Ufer des rechten Strandes – Wellental – steigt aus und wird von einer Brandungswelle erfasst, das Boot dreht quer – Wellental – er steht im Wasser und zerrt das gelbe Kajak auf den Strand – Uff, jetzt Anni, deren Ziel nun gelb markiert ist ….“

 

Eine für die Umrundung geeignete Land- oder See-Karte wird nicht empfohlen. Es gibt da aber z.B. eine „Kompasskarte Mallorca“ (1:75.000) von 2012. Vielleicht zeigt sie den einen oder anderen Pausen- und Übernachtungsplatz bzw. kritische Küstenpassagen (z.B. Steilküste) auf und ermöglicht so eine erste Planung der täglichen Streckenabschnitte.

 

Erkundigungen über die Wetterentwicklung wurden in den Häfen eingeholt. So trafen sie gleich zu Beginn der Tour unterwegs einen Segler, der von sich aus bereit war (!), den Dreien jeden Tag die Wetterprognose per SMS zuzuschicken. Zuverlässiger wäre es natürlich gewesen, z.B. über einen SMS-Wetterdienst sich täglich für 36 Std. im Voraus die nötigen Wetterinfos vor Ort und über die mittelfristige Wetterlage abzurufen, z.B. www.wetterwelt.de

 

Literatur wurde in dem Beitrag nicht aufgeführt. Vielleicht helfen einem bei der Planung die folgenden Literaturhinweise weiter:

 

Geo Planeta: Mallorca, Küstenreiseführer aus der Luft. 1999.

Bartholmes,B.: Die Balearen. Pläne und Luftbilder von Häfen und Ankerplätzen. 2003.

Radspieler,G.: Törnführer Balearen. Mallorca/Menorca u.a. 7. Aufl. 2005.

Kinzelmann,P./Syange,M.: Mallorca für Sportschiffer. 2005 (164 Pläne)

Muth,M.: Mallorca – Häfen und Küsten von oben. 2007 (250 Fotos)

Soeder,M.: Alle mal nach Malle (Mallorca). Kanu Magazin 5/04, S.70-73

è www.kuestenkanuwandern.de/revier_a/040618_f.html

Rixen,M.:Gepäcktour an der Ostküste von Mallorca im Februar (4 Tage u. 70 km von Cala Gat nach Cala Figuera). Seekajak 130/12, S.38-41 è www.salzwasserunion.de

 

Text: U.Beier

Quelle: KANU-SPORT, Nr. 10/2012, S.14-19 è www.kanu.de