06.12.2012 Das sollte nicht unerwähnt bleiben – Freyas 349. + 350. Fahrtentag (Revier/Ausland)

 

Warum?

 

Nun, am 5.12.12 postete ich im KANU-FORUM zum Thema:

 

„Brandungsstart: Hinaus durch die Brecher“

http://forum.kanu.de/showpost.php?p=27362&postcount=1

 

und verwies dabei u.a. auf zwei Links, die eindrucksvolle Fotos von überwältigenden Brechern zeigten, die in Küstennähe von der anrollenden Dünung erzeugt und dann von Kanuten „bepaddelt“ wurden. Ist es nun Zufall, dass ich diesen Thread gerade zu jenem Zeitpunkt schrieb, als Freya & Peter riskierten, mit ihren randvoll beladenen Seekajaks genau in solche Brecher zu geraten?

 

Es war am Abend des 349. Fahrtentages. Freya & Peter waren früh morgens um 6.45 Uhr in Punta Malabrigo gestartet. Nach ca. 70 km wollten sie kurz vor Einbruch der Dunkelheit am Punta Cherrepe anlanden. Wegen der hoch anrollenden Dünung suchten sie nach einem einigermaßen sicheren „Landeplatz“. Freya meinte, eine geeignete Stelle gefunden zu haben und warte nur noch darauf, dass die Dünung kurzzeitig innehielt. Als sie gerade den Anlandevorgang einleiten wollte, schaute sie zurück nach Peter … und sah, wie er „klammheimlich“ mit voller Kraft zurück hinaus aufs Meer paddelte, sozusagen dem „Feind“ entgegen, statt von ihm von hinten überrascht & -rollt zu werden. In Anbetracht der Höhe und Anzahl der sich annähernden Dünungswellen entschied sich Freya nicht zur Flucht nach vorne Richtung Strand, sondern Peter zu folgen. „Angriff ist die beste Verteidigung!“ Volle Pulle paddelte sie auf die ihr entgegenkommende Gruppe von 4-5 Meter hohen Dünungswellen zu, die sich schon aufsteilten und jeden Moment brechen konnten. Fast senkrecht kletterte Freia die Vorderseite dieser Wellen hoch, mit einem großen Klatscher fiel sie fast senkrecht auf der Rückseite der Wellen wieder hinunter … und das 3x. Dann galt es den letzten, den vierten Kaventsmann zu überwinden. Er fing schon damit an, oben am Wellenkamm glasig zu werden und zu brechen. Bravo Freya! Sie packte auch diese Welle, wenn auch nicht ganz trocken. Aber besser frisch geduscht als rückwärts mitgenommen, irgendwann umgeschmissen und am felsigen Strand angespült zu werden! Nein, als Strandgut wollte sie nicht enden!

 

Aus sicherer Entfernung blickten beide zurück zur Küste. Der Schreck steckte ihnen noch in den Knochen. Sie zitterten am ganzen Körper. Ja, wenn …?! Dabei sah bis zum Anrollen dieser „Four Sisters“ alles doch recht friedlich aus. „This was one of my most scary moments of this trip …“ können wir in ihrem Blog nachlesen:

 

http://freyahoffmeister.com/2012/12/05/tue-0412-2012-day-349/

 

Was sollten sie nun tun. Auf Grund der einlaufenden hohen Dünung und der zunehmenden Dunkelheit  war an ein Anlanden nicht mehr zu denken. Also paddelte sie in die Nacht hinein zum noch ca. 50 km entfernt liegenden Ort Pimentel. Früh um 6.30 Uhr in der Morgendämmerung trudelten sie dort ein. Gestartet waren sie 23:45 Stunden vorher. Zurückgelegt hatten sie dabei insgesamt 122 km. Angelandet wurde wegen der unüberschaubaren Brandungsbedingungen an einem Ponton. Ihr Zelt errichteten sie mitten auf einem baufälligen kilometerlangen Anleger:

 

http://maps.google.com/?q=-06.8395,-79.9420

 

Die Nachtfahrt selber bereitete beiden keine großen Probleme. Am unangenehmsten waren wohl die Kälte, die nassen Klamotten, die fehlenden Handschuhe und der Tatbestand, sich nicht warm paddeln zu dürfen, da sie erst bei Helligkeit in Pimentel ankommen wollten.

 

Insgesamt hatten sie nun 24 Std. Zeit, sich zu regenerieren … für den nächsten 24-Stunden-Trip; denn wegen fehlender geschützter Anlandemöglichkeiten unterwegs planten die beiden gleich wieder, auch die bevorstehende Nacht „durchzumachen“. Für Freya ist das pure Routine, aber für Peter? Der muss sich wohl noch daran gewöhnen müssen: „Hey, Alter … Wikinger, halte durch. Am 13. Dezember darfst du doch wieder nach Hause … fliegen … mit Deiner Freundin; … denn bald ist Weihnachten … vielleicht sogar weiße Weihnachten!“

 

Text: U.Beier