24.03.2013 Freya Hoffmeister: Georgetown … unerreichbar weit weg?

(422.-434. Fahrtentag) (Revier/Ausland)

 

4 Tage wartete Freya in Panama-City auf eine Genehmigung, zur Querung vom Pazifik zum Atlantik den 82 km langen Panamakanal befahren zu dürfen. Doch die zuständige Kanalbehörde antwortete nicht. Auf Anraten zweier einheimischer Panamakanal-„Piloten“ mit der Lizenz zur Befahrung des Kanals entschloss sie sich dazu, nicht weiter auf das „Okay!“ zu warten. Stattdessen entschied sie sich für die „halb-legale-oder illegale-keiner-weiß-wirklich-ohne-Permit-vielleicht-doch-tolerierte-Alternative“ und paddelte am 14.3.13 (422. Fahrtentag) einfach los, natürlich nicht in Begleitung der Navy oder der Coastguard! Stattdessen wurde sie von den beiden „Piloten“ eskortiert, die in einem Angelboot voraus bzw. hinterher fuhren, um Freya bei etwaigen administrativen Schwierigkeiten „rauszuboxen“.

 

Gepaddelt wurde übrigens eine kürzere Route, die nur 50 km lang war und die bloß anfangs entlang des Kanals:

 

Unterwegs auf dem Panama-Kanal: Zwergenaufstand?
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Panama-Kanal-Escorte:
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später aber – nach Überwindung einer 2 km langen Landpassage - über den Rio Chagres bis zur Mündung in die Karibische See führte … und das immer bei meist 5 Bft. Gegenwind inkl. den dafür typischen Gewässerschwierigkeiten:

 

  • mittel starker, aber stetiger Winddruck
  • zusammen gepaart mit einer kurzen, steilen, hohen, leicht brechenden Wellen
  • und ab & zu gewürzt mit lokal auftretenden Kap- bzw. Düseneffekten, die das Paddeltempo bis hinunter auf 2-3 km/h abbremsten.

 

Die 6 Plagen der Karibische See

 

Sollte das ein Vorgeschmack auf den stetig wehenden Nordost-Passat sein? Ja, der stets mit 4 – 5 Bft. blasende Gegenwind wird Freya mit großer Wahrscheinlichkeit bis zum ca. 3.100 km entfernt liegenden Georgetown (Guayana) begleiten … und darüber hinaus bis zur Ostspitze Südamerikas.. Aber wie die ersten Folgetage auf der Karibischen See ihr deutlich machten, ist dieser Wind nicht die einzige „Plage“; denn dazu gesellten sich noch weitere Plagen:

 

  • Sonne, die für die schweißtreibende Hitze verantwortlich ist, die draußen kaum auszuhalten ist und drinnen im Zelt erst recht nicht;
  • Luftfeuchtigkeit, die nicht nur Freyas Haut, sondern auch ihren elektronischen Geräte arg zusetzt;
  • Sandfliegen & Ameisen, die dafür sorgen, dass Freya sich eigentlich, sobald sie ihr Seekajak verlässt, nur noch im Zelt vor ihnen schützen kann, und das auch nur dann, wenn sie wirklich, d.h. ordentlich, die Reißverschlüsse zuzieht und abdichtet,
  • und Kokosnüsse, die von den nahen Palmen fallen können ….. und eigentlich für mehr Tote in der Welt verantwortlich seinen sollen als … Haifische und Krokodile zusammen:

 

Vorsicht Kokosnüsse:

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Und in einem Monat wird ab Venezuela als sechste Plage:

 

  • eine Gegenströmung dazukommen, nämlich die Karibische Strömung, die vom Süd-Äquatorialstrom angetrieben wir, der ab der Ostspitze Südamerikas entlang der Küste so mit 2 km/h bis in die Karibische See reicht.

 

Das sind ja schöne Aussichten!

 

Angezählt und ausgeknockt?

 

Vielleicht hat das Desinteresse der Kanalbehörden Freya so getroffen, dass sie schon „angezählt“ war. Jedenfalls „knockte“ sie gleich schon die erste „karibische Plage“, der stramme Gegenwind am nächsten Tag aus. Zumindest legte sie am ersten Tag in der Karibik nur knapp 2 km zurück und kehrte – das erste Mal seit Kap Horn – dann sofort wieder um zu ihrem Startort. Dieser Wind und der dazugehörige steile, kabbelige Seegang machte sie einfach fertig.

 

Am liebsten hätte sie alles liegen gelassen und wäre nach Hause geflogen, in der Hoffnung, dass in 4-5 Wochen die Regenzeit einsetzt und den Passatwind etwas besänftigt.

 

Ja, entlang des pazifischen Küste, da ließ es sich noch so richtig paddeln, auch wenn es manchmal mit 6-7 Bft. wehte und eine 4-Meter-Dünung am Strand sich „erbrach“. Wenn es zu schwierig wurde, wetterte Freya an Land einfach ab, und zwar solange bis die Wetterlage das sichere Paddeln wieder erlaubte. Und hier in der Karibik … da weht der Nordost-Passat und der weht eigentlich immer … „unabwetterbar“!? Und im Oktober, November und Dezember ist dann auch noch Hurrikanzeit! Auch wenn die Hurrikans i.d.R. weiter nördlich der Karibik vorbeiziehen … die Ausläufer werden jedoch sicherlich immer mal wieder zumindest als „Monsterdünung“ bis an die südamerikanische Küste reichen.

 

Da kommt frau ins Grübeln!

 

Kein Wunder dass Freya bei diesen Aussichten ins Grübeln kam! Wäre es nicht doch besser gewesen, wenn sie Südamerika entgegen dem Uhrzeigsinn gerundet hätte? Oder sollte sie nicht doch lieber zurück zu ihrem Startort Buenos Aires fliegen und von dort aus die verbleibende Etappe entlang der Atlantikküste bis hierher nach Panama paddeln? Aber eine Umrundung ist doch nur dann eine Umrundung, wenn es die ganze Zeit wirklich „rund“ geht. Ein Bergsteiger hat ja auch nur dann z.B. den Mont Everest bestiegen, wenn er ihn  anschließend auch herunter klettert … und nicht schon, wenn er ihn zweimal herunter kraxelt!?

 

Schöne Aussichten! Na, dann mal „Gute Nacht!“ – Aber Freya wäre nicht Freya, wenn sie das nicht packen könnte!? Aber zu welchem Preis? Statt 50 km/Tag schafft sie jetzt in der Karibik bislang nur noch 30-35 km/Tag; denn ihrer Durchschnittsgeschwindigkeit ist von knapp 5 km/h auf ca. 3,5 km/h zurückgegangen. Wenn diese Plagen nicht abnehmen werden, bräuchte sie nicht noch ca. 90 Tage, sondern ca. 135 Tage bis Georgetown. D.h. statt frühestens Mitte Juni könnte sie erst frühestens Ende Juli / Anfang August in Georgetown einlaufen … etwas spät, um wieder rechtzeitig fit für die 3. und letzte Etappe ihrer Südamerikaumrundung zu sein, die sie eigentlich schon Ende August beginnen wollte.

 

In der Zwischenzeit paddelt sie nun schon wieder 7 Tage entlang der karibischen Küste Panamas. Der Panamakanal ist Vergangenheit und mit den karibischen „Plagen“ hat sie sich wohl abgefunden:

 

Magroven-Biwak (Porto Bello / Panama / Karibik)

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Schließlich landet sie auf der einsamen Isla Corgido mit hauseigenem Strand, Palmen, Schatten und einem zum Schnorcheln geeigneten Riff an, schlug ihr Zelt auf, machte die nähere Umgebung „besenrein“, d.h. befreite die Insel von dem über die Jahre angespülten Zivilisationsmüll, und beschloss dort erstmal, für einen Tag Urlaub zu machen:

 

Isla Corgido (Panama/Karibik):

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Auf der Flucht

 

Die letzten 5 Tage in Panama durchs Insellandschaft der Kuna (einer seit Urzeiten dort lebenden Bevölkerungsgruppe):

 

Einheimischer mit seinem „Cayuco":

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Siedlung der Kuna (Ureinwohner):

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vergingen dann wie im Fluge. „Downhill“ würde ein Radfahrer sagen. D.h. der Wind kam aufgrund der Richtung Südost verlaufenden Küstenlinie endlich mal wieder etwas achterlicher, sodass Freya erneut Tagesetappen zwischen 40 und 50 km paddeln konnte.

 

Am 26.3.13 (434. Fahrtentag) gelang ihr schließlich nach ein paar Querelen mit den panamesischen Grenzern die „Flucht“ hinüber nach Kolumbien. Nachdem sie sich ordentlich bei der panamesischen Grenzstation abgemeldet hatte, wollten doch einige Grenzer Freya noch einen Tag in Panama behalten. Es sei schon zu spät am Nachmittag. Außerdem sollte sie sich ein „Hotel“ nehmen und dort Essen gehen. Nein, das kann doch nicht wahr sein. Draußen, ca. 5 km entfernt, verlief die Grenze zwischen Panama und Kolumbien. Wie verabredet (!), wartete dort ein Boot der Guardacostas auf Freya. Von Land aus konnte Freya das Boot sehen. Und nun sollte sie – wohl zur Förderung der einheimischen Hotellerie - noch eine Nacht an Land & im Land bleiben? Freya protestierte & „nervte“ wohl so energisch, dass man sie schließlich ziehen ließ.

 

Eine Stunde später wurde sie schon von der kolumbianischen Guardiacostas begrüßt und bei der Erledigung der Einreiseformalitäten betreut. Noch eine Nacht an Land, dann durfte sie für die nächsten 3 Tage auf einem Versorgungsschiff der Navy, die „Cartagena de Indias“ (Made in Germany) übernachten, abwettern und ihre unzähligen Mückenstiche pflegen:

 

Plage Nr. 4: Insektenstiche an den Knöcheln

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Das könnte so erholsam sein, wenn da nur nicht diese anrollende Dünung wäre und der Geruch von verbranntem Schweröl. Beides versetzte Freya nämlich immer wieder in einen Zustand, der schlichtweg als „Seekrankheit“ diagnostiziert werden kann.

 

Text: Udo Beier

Quelle: http://freyahoffmeister.com/freyas-blog/ (422.-434. Fahrtentag)