16.04.2013 Freya Hoffmeister am Limit? (Revier/Ausland)

 

Die ersten 350 kolumbianischen Küstenkilometer bis zur Hafenstadt Cartagena genoss Freya auf kolumbianische Weise: Wenn sie nicht paddelte, war sie auf einem Versorgungsschiff der Navy untergebracht, ansonsten paddelte sie „leer“; denn ihr Gepäck lagerte derweilen auf ihrem „Dickschiff“.

 

Ab Cartagena wird sie nur noch von der Guardacostas begleitet und betreut. D.h. ein kleines Boot mit 4 Mann Besatzung motort hinter ihr her bzw. ankerte draußen vor der Küste, während Freya an Land zeltet. Angst vor irgendwelchen Gefahren brauchte sie nicht mehr zu haben, weder draußen auf dem Wasser noch an Land.

 

Eigentlich wäre alles okay, … wenn nur nicht der Passat-Wind wäre, der stetig mit 4 bis 5 Bft. direkt von vorne kommt und teilweise durch Kapeffekte noch verstärkt wird. Dieser verdammte Nordoster forderte Freya heraus, lässt sie an ihrem Limit paddeln.

 

Am 5.04.13, dem Tag als sie Cartagena erreichte, war sie von 7.05 bis 18.10 Uhr auf dem Wasser und legte 67 km in 11 Stunden zurück, kam also auf einen Durchschnittstempo von 6 km/h. Seitdem sie aber 4 Tage später Cartagena verlassen hat, zeigen ihre Tourendaten, dass es nicht mehr so rund läuft: Zum einen kommt Freya nicht mehr auf Tempo und zum anderen muss sie wegen des zunehmenden Windes schon vormittags wieder an Land und ihr Lager aufschlagen:

 

448. Fahrtentag (5.35-11.05 Uhr): 26,0 km in 5:30 h (è 4,7 km/h)

449. Fahrtentag (5.35-10.10 Uhr): 22,5 km in 4:35 h (è 5,0 km/h)

450. Fahrtentag (5.25-12.00 Uhr: 31,5 km in 6:35 h (è 4,8 km/h)

451. Fahrtentag (6.25-11.05 Uhr): 17,0 km in 4:40 h (è 3,8 km/h)

452. Fahrtentag: Abwettern an der Mündung des Rio Magdalena

453. Fahrtentag (5.30-10.00 Uhr): 11,5 km in 4:30 h (è 2,6 km/h)

 

Insbesondere der 14.04.13 hatte es in sich:

 

http://freyahoffmeister.com/2013/04/15/sun-1404-2013-day-453/

 

An diesem ihrem 453. Fahrtentag wurde es „ernst“. Freya erlebt mal wieder eine „Schattenseite“ ihrer Südamerikarundtour. Sie wollte unbedingt den Mündungsbereich des Rio Magdalena hinter sich bringen:

 

http://maps.google.com/?q=11.0541,-74.8528

 

Da es meistens frühmorgens nicht so heftig windete, packte sie ihr Lager schon im Dunklen zusammen und starte um 5.30 Uhr, also noch vor Sonnenaufgang. Vor ihr lag die ca. 8 km breite Mündungszone, die es galt, möglichst weiträumig zu umpaddeln; denn vor der Mündung lagen Untiefen, lauerten Grundseen und herrschten Wind-gegen-Strom-Bedingungen, die die Windsee aufsteilen ließ. Bei zunächst 4 Bft. Wind kämpfte sie sich an den Untiefen mit ihren 4+-Meter Sturzseen ganz laaaangsam vorbei. Immer wieder verlor sie im chaotischen Seegang die Guardacostas aus den Augen, wie auch umgekehrt die Guardacostas immer wieder nach Freya Ausschau halten musste. Dann trafen sich wieder ihre Kurse und sie kam sich so nahe, dass Freya fürchtete, überfahren zu werden.

 

Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo nicht mehr klar war, wer die schlechteren Karten hatte, wer durch den brechenden Seegang gefährdeter war. Ohne die Guardacostas wäre wohl Freya einfach weiter gepaddelt, in der Hoffnung irgendwann doch wieder sicher an Land zu kommen. Aber mit der Guardacostas? Man gab ihr Zeichen, die auf Abbruch hindeuteten; denn es sah nicht gut aus da draußen zwischen Windseen, Grundseen und Dünung. Sie wollte die Leute von der Guardacostas nicht weiter gefährden und gab das Zeichen, sie samt Seekajak an Bord zu holen.

 

Eine solche Aktion war mit der gerade zuständigen Mannschaft der Guardacostas noch nicht geübt worden. Also dauerte es eine Ewigkeit, bis bei dem mehrere Meter hohen Seegang Freya an Bord war, und noch viel länger, bis das beladene und halb geflutete Seekajak mehr schlecht als recht über die Reeling gezogen werden konnte. Freyas Boot war wohl mit Toggles und Rettungshalteleinen ausgerüstet, aber in der Hektik wurde nach allem gegriffen, was in die Hände kam. Außerdem waren, wie Freya bald feststellte, drei der vier Leute von der Guardacostas seekrank.

 

Anschließend wurde mehr fliegend als verdrängend zum nächsten Hafen motort:

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection2Stage14Colombia2BoarderPanamaToBoarderVenezuela?noredirect=1#5867497601360218210

 

Dort angekommen zeigte schon die ersten Inspektion, dass Freyas Seekajak am Heck und an den Seiten so beschädigt wer, dass nun erst Mal ein, zwei Tage pausiert und repariert werden musste:

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection2Stage14Colombia2BoarderPanamaToBoarderVenezuela?noredirect=1#5867497971994467442

 

Kein Wunder! Denn wenn man bei solch einem Seegang ein voll beladenes und halbvoll geflutetes Seekajak über die Reeling zieht und nicht hebt, lösen sich zumindest die Verklebungen der drei Abschottungen.

 

Text: Udo Beier