25.04.2013 Freya Hoffmeister: Urlaubsreif? (Revier/Ausland)

(462. – 464. Fahrtentag)

 

„Steter Tropfen höhlt den Stein!“ … und: „Steter Gegenwind bricht jeden Willen?“

 

Ja, bei Freya Hoffmeister ist es fast so weit. Tagelanger, nein wochenlanger Gegenwind zwischen 4 und 6 Bft zermürbt sie und hinterlässt Spuren: Ihr Tempo geht runter von Ø 5-6 km/h auf Ø 3-4 km/h, ihre tagtägliche Paddelzeit vermindert sich von Ø 9-10 Std./Tag auf zeitweise 5-6 Std./Tag und ihre Tageskilometerleistung sackt ab von Ø 48 km/Tag auf Ø 36 km/Tag. Dazu kommen noch fliegender Sand, brütende Hitze, sengende Sonne und stechende Insekten, die Freya gerade dann plagen, wenn sie endlich runter vom Wasser ist, um an Land Kraft für den nächsten Tag zu schöpfen. Last and least schmeckt ihr auch das Essen nicht mehr. Selbst das Fotografieren macht ihr keinen Spaß mehr. Und das Paddeln …..!? Der lange Rede kurzer Sinn: Freya ist urlaubsreif!

 

Fotos: Ja, wie heiß & schwül muss es sein, dass Freya einen kühlen, zugigen & nüchternen B&B-Platz in einer Polizeistation einem luftigen & leisen Strandzeltplatz vorzieht?

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection2Stage14Colombia2BoarderPanamaToBoarderVenezuela?noredirect=1#5871908104204194802 (23.04.13)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection2Stage14Colombia2BoarderPanamaToBoarderVenezuela?noredirect=1#5871979453983745394 (26.04.13)

 

Natürlich, Freya wäre nicht Freya, wenn sie nicht dagegen ankämpfen würde. Um den tagtäglich durch den Seewind verstärkten Passatwind zu entgehen startet sie deshalb seit einigen Tagen schon kurz nach Mitternacht so zwischen 0.30 und 2.00 Uhr. Der Vollmond macht das möglich! Nach 10 Stunden Paddelei entlang der Halbinsel von Guajira geht sie dann wieder an Land. Knapp 40 km hat sie dabei meist zurückgelegt. Das muss genügen, auch wenn es noch Vormittag ist; denn es macht einfach keinen Sinn, gegen den tagsüber immer stärker wehenden Wind anzukämpfen:

 

http://freyahoffmeister.com/2013/04/24/tue-2304-2013-day-462/

 

Während ihrer 1. Etappe (Buenos Aires (Argentinien) – Valparaiso (Chile) war Freya 247 Fahrtentage unterwegs. Davon hat sie 167 Tage gepaddelt und dabei 7.676 km zurückgelegt.

 

Bislang (25.4.13) ist sie auf ihrer 2. Etappe (Valparaiso – Georgetown (Guayana) schon 217 Fahrtentage unterwegs, wobei sie in 158 Paddel-Tagen 7.500 km zurückgelegt hat. Noch ist jedoch Georgetown nicht in Sicht!

 

Eigentlich hatte Freya vorgehabt, ihre 2. Etappe rund Südamerika Anfang Mai hinter sich zu bringen. Wegen ihres zunächst nicht geplanten 4-wöchigen Weihnachtsurlaubs in der Heimat verschob sie das Etappenende schon auf Anfang Juni. Aber zurzeit sind es noch ca. 190 km bis zur kolumbianisch-venezuelanischen Grenze, ca. 1.800 km entlang der Küste von Venezuela und dann noch ca. 300 km bis Georgetown.

 

Summa summarum müsste also Freya noch ca. 2.300 km paddeln, wenn sie ihre 2. Etappe wie geplant in Georgetown beenden möchte. In Anbetracht meiner durchschnittlichen Jahreskilometerleistung bräuchte ich dafür mindestens 2 Jahr! Und Freya? Nun, wenn wir davon ausgehen, dass Freya nur noch Ø 36 km/Tag schafft und aus den unterschiedlichsten Gründen (z.B. schlechtes Wetter, Verpflegungsnachschub, Ausrüstungsprobleme, Grenzmodalitäten, Regeneration) nur an 3 von 4 Tagen paddeln kann, dann braucht sie noch ca. 85 Tage bis Georgetown. D.h. erst in der zweiten Julihälfte könnte sie damit rechnen, in Georgetown anzulanden.

 

Wenn sie ihren Plan für die ca. 7.600 km lange 3. und letzte Etappe mit Zieleinlauf in Buenos Aires am 10.5.14, ihrem 50sten Geburtstag, einhalten wollte, müsste sie jedoch Ende August wieder aufs Wasser. Aus dem geplanten 3-monatigen Heimaturlaub würde dann ein 4-wöchiger. Nein, das reicht auch Freya nicht, um sich für die 3. Etappe zu regenerieren und zu motivieren. Außerdem möchte Sie das nächste Weihnachten wieder bei ihrer pflegebedürftigen Mutter verbringen und Anfang Januar ihrem Sohn zum 18sten persönlich gratulieren!

 

Freya plant daher, in ca. 1-2 Wochen an der Grenze zu Venezuela statt in Guayana ihre 2. Etappe zu beenden und den Rest bis Buenos Aires nicht in einer, sondern in zwei Etappen zu paddeln, sodass sie nicht schon im Mai 2014 die Umrundung Südamerikas abschließen wird, sondern voraussichtlich erst Ende 2014. Was spricht dagegen? Hat sie  sich doch nie das Ziel gesetzt, Südamerika Non-Stop und ohne fremde Hilfe zu umpaddeln!

 

Text: Udo Beier