27.07.2013 Rund Westfriesische Inseln (Niederlande) (Revier/Ausland)

 

2001 bin ich mit einer Gruppe schon einmal entlang der westfriesischen Inseln gepaddelt, und zwar von Den Helder bis nach Noordpolderzijl in insgesamt 6 Etappen. Damals wurde entlang aller Inseln gepaddelt, je nach Wetterlage auf der Watt- bzw. Seeseite. Anschließend benötigten wir 1 Tag, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Autos von Den Helder zurückzuholen. Siehe hierzu den Bericht:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Westfriesland.pdf

 

Nachdem ich in der Zwischenzeit x-Mal entlang der ost- bzw. nordfriesischen Inseln gepaddelt bin, war es an der Zeit, erneut die westfriesischen Inseln aufzusuchen. Um die wenig ökologische, ansonsten stressige und zeitintensive Rückholaktion der Autos zu ersparen, plante ich eine Rundtour, die in Lauwersoog beginnen und zu den folgenden Inseln führen sollte:

 

 

Insgesamt setzte ich für die Rundtour 8-9 Tagen an (13.-21.06.13). Angeboten wurde diese Tour im DKV-Sportprogramm 2013 für Küstenkanuwanderinnen und –wanderer, die an einer EPP 4 (Küste)-Ausbildung interessiert waren.

 

Anreise

 

Angereist wurde am 12.06. zum Zeltplatz „Camping Lauwersoog“ ( www.lauwersoog.nl ). Dieser Zeltplatz hat direkten Zugang zum Binnensee „Lauwersmeer“. Über eine Schleuse (geöffnet von 7 – 19 Uhr) (Wartezeiten bis 1 Std. sind möglich!) kann das niederländische Wattenmeer gegenüber der Insel Schiermonnikoog erreicht werden. Die Autos können derweilen unmittelbar vor dem Zeltplatz geparkt werden.

 

Navigationsunterlagen

 

Navigiert wurde mit Hilfe der niederländischen Sportbootkartensätze Nr. 1811 und 1812. An Bord hatten wir jedoch nicht die Originalkarten sondern eingeschweißte DIN A3-Farbkopien dieser Seekarten, und zwar in den Ausschnitten, die für uns am übersichtlichsten waren.

 

Die Daten für die Gezeiten und Strömungen entnahmen wir dem über 300 Seiten dicken Buch „Waterstanden + Stromen  langs de Nederlandse kust en aangrenzenden gebied“ hrsg. von der Koninklijke Marine. Natürlich wurde auch dieses Buch nicht mitgenommen. Vielmehr wurden auf 2 Seiten die Tidendaten von Lauwersoog, West-Terschelling, Harlingen, Delfzijl und Huibergat und ein paar Bezugswerte kopiert. Außerdem wurden die beiden Strömungskarten von „Waddenzee West“ (Den Helder bis Ameland/Ost) und „Waddenzee Oost“ (Ameland/Ost bis Norderney) im Format DIN A5 kopiert.

 

Und den ersten Überblick über die Lage der Zeltplätze auf den Inseln lieferte uns „Google Earth“.

 

Unsere Seekajaks

 

Gepaddelt wurde mit:

 

 

Die Tour

 

Samstag, 13.06. (Lauwersoog/Festland è Ameland/Seeseite) (ca. 36 km):

Gestartet wurde ca. 1:30 h vor Hochwasser (HW Lauwerswoog: 14.05 Uhr) vom Zeltplatz aus. Dann ging es ca. 1 km zur Schleuse. Anschließend wurde Strecke gepaddelt. Tagesziel war der an der Seeseite der Insel Ameland liegende Zeltplatz „Camping Duinoord“ (Jan van Eijckweg 4 / bei Google Earth auch als „Stichting Kampvreugd“ gekennzeichnet) (liegt nördlich des Watthafenortes Nes unmittelbar hinter den Dünen, die bis zum Strand reichen!). Pausiert wurde auf der Sandinsel „Engelsman Plaat“ und am Nordostende von Ameland. Bevor jedoch Ameland erreicht wurde, mussten auf einer Strecke von 7,5 km unzählige Untiefen mit heftigen Grundseen durchpaddelt werden. Entlang der Seeseite von Ameland wurde die Brandung dann wieder berechenbarer; denn es konnte immer kurz außerhalb der Brandungszone gepaddelt werden, sodass wir erst beim Anlanden am zweiten großen touristischen Pavillon-Gebäude wieder Kontakt mit der Brandung bekamen. Es empfiehlt sich übrigens, an diesem zweiten Pavillon (von Osten aus kommend!) auszusteigen; denn der bis kurz vor den Strand reichende feste Weg erleichtert den Bootswagentransport der voll gepackten Seekajaks. Ansonsten müssten durch knöcheltiefen Sand die bis zu 20 m hohen Dünen gequert werden.

 

Sonntag, 14.06. (Ruhetag auf Ameland):

Da wir tags zuvor erst um ca. 20 Uhr anlandeten und am nächsten Tag die Tide einen Frühstart verlangt hätte, wurde ein Ruhetag eingelegt. Ihn nutzten wir, um per Leih-Rad die Insel kennenzulernen.

 

15.06. (Ameland/Seeseite è Terschelling/Wattseite) (ca. 46 km):

Geplant war, seeseitig von Ameland entlang und dann durchs ca. 5 km breite Gatt hinüber auf die Wattseite der Insel Terschelling zu paddeln. Das dort liegende Wattenhoch wollten wir bei Hochwasser (HW Wattenhoch Terschelling: ca. 14.40 Uhr) queren, um dann anschließend bei ablaufendem Wasser den im Südwesten der Insel liegenden Watthafen von West-Terschelling zu erreichen (Ausstieg am Ende des Hafens an der Slipanlage des Seglerhafens). Leider verlangt das von uns, auf der Seeseite von Ameland gegen die Tide zu paddeln, was sich jedoch als unkritische herausstellte, da der Tidenstrom sich nahe der Brandungszone kaum bemerkbar machte. Anschließend wurden die Seekajaks auf die Bootswagen gepackt, um zum ca. 1,5 km entfernt liegenden „Natuurkampeerterreinen“ (Naturcampingplatz) von West-Terschelling (Longway 28) zu rollen.

 

16.06. (Terschelling/Wattseite è Vlieland/Wattseite) (ca. 12 km):

Wieder ging es früh morgens los, und zwar dieses Mal 1 Std. vor Niedrigwasser (NW Gatt: ca. 8.45 Uhr), um die 12 km lange Passage von Terschelling hinüber zur Insel Vlieland zu paddeln, und zwar zum auf der Wattseite liegenden Hafen (Ausstieg am äußersten linken Ende des Hafens an der Slipanlage vor dem Deich). Das ca. 7 km breite Gatt bereitete keine Schwierigkeiten. Lediglich die mitten im Gatt liegende ca. 500 m breite Sandbankpassage per Bootswagen erforderte etwas Kraft und Geschicklichkeit. Gezeltet wurde im ca. 2 km vom Hafen entfernt liegenden Zeltplatz „Camping Stortemelk“ ( www.stortemelk.nl ). (Der Zeltplatz hätte auch von der Seeseite angefahren werden können, was aber die Querung einer ca. 20-30 m hohen Düne erforderlich gemacht hätte!) Nach dem Zeltaufbau im völlig überfüllten Zeltplatz wurden Fahrräder gemietet, um die Insel zu erkunden. Übrigens, auf dem Zeltplatz trafen wir die einzigen Küstenkanuwanderinnen und -wanderer, und zwar eine Gruppe von Niederländern, die von Harlingen aus hinüber gepaddelt waren.

 

17.06. (Vlieland/Wattseite è Terschelling/Wattseite) (ca. 12 km):

Da wir auf Terschelling zwei unserer Mitpaddler zurückgelassen hatten, ging es am nächsten Tag wieder zurück nach Terschelling, und zwar ebenso problemlos wie am Tage zuvor nach Vlieland. Da der Tag noch nicht um war, wurden hier ebenfalls Fahrräder gemietet, um auch etwas von Terschelling mitzubekommen.

 

18.06. (Terschelling/Wattseite è Ameland/Seeseite) (ca. 56 km):

Gestartet wurde wieder früh morgens mit dem letzten ablaufendem Wasser, um die Seeseite von Terschelling bei Niedrigwasser (NW Terschelling (West): ca. 9.45 Uhr) zu erreichen. Dann wurde eine nicht enden wollende Strecke entlang der von der einlaufenden Dünung verursachten Brandung gepaddelt. Das ca. 5 km breite Gatt zwischen Terschelling und Ameland erwies sich als unproblematisch, außer dass stark vorgehalten werden musste, um nicht vom Tidenstrom auf die Wattseite getrieben zu werden. Da wir uns vom Westen Ameland näherten, mussten wir dieses Mal beim ersten Touristen-Pavillon aussteigen. Nur dann wird der Zeltplatz „Camping Duinoord“ auf dem leichtesten und folglich schnellsten Weg erreicht. Wer den Ausstieg verpasst und versehentlich den nächsten Pavillon im Osten anpeilt, müsste anschließend auf dem Radweg per Bootswagen ca. 3 km zurück rollen.

 

19.06. (Ameland/Seeseite è Schiermonnikoog/Wattseite) (ca. 35 km):

Es wurde so zeitig losgepaddelt, dass das ca. 10 km breite Gatt zwischen Ameland und Schiermonnikoog kurz nach Niedrigwasser (NW Ameland (Ost): ca. 14.15 Uhr) erreicht wird. Galt es doch zu verhindern, vom Tidenstrom zur früh auf die Wattseite getrieben zu werden. Außerdem wurde versucht, im Schutz der Untiefen der durch die einlaufende Dünung erzeugte Brandung auszuweichen, was jedoch nur teilweise gelang. Angelaufen wurde der westlich gelegene Seglerhafen von Schiermonnikoog (Ausstieg an der Slipanlage am Ende des Hafens). Anschließend ging es per Bootswagen zum nächsten Bauern (Familie Visser), die unter dem Namen „De Branding“ eine Zelt- und Übernachtungsmöglichkeit für Gruppen anbietet ( www.debranding.nl ). Wem das nicht behagt, weil vielleicht Jugendliche bei Vollmond nachts um 23.30 Uhr auf die Idee kommen könnten, auf der Zeltplatzwiese Fußball zu spielen, der kann auch den ca. 2 km entfernt liegenden Zeltplatz „Camping Seedune“ ( www.seedune.nl ) anrollen. Übrigens, dieser offizielle Ins-Zeltplatz ist auch von der Seeseite erreichbar, aber nur bei Hochwasser; denn der Bootswagentransport durchs Watt ist einfach zu anstrengend.

 

20.06. (Ruhetag auf Schiermonnikoog):

Natürlich, es wurden Fahrräder gemietet, um die Insel auch von Land aus kennenzulernen.

 

21.06. (Schiermonnikoog/Wattseite è Lauwersoog) (ca. 8 km:

Noch 7 km Luftlinie fehlten bis zum Start/Ziel-Ort Lauwersoog. 1 Std. vor Hochwasser (HW Lauwerswoog: ca. 10 Uhr) wurden die Seekajaks ins Wasser gelassen. Kurz nach Hochwasser warteten wir dann auch schon nach einer flotten Direttissima-Tour vor der Schleuse auf Einlass ins Lauwersmeer. Bald danach wurde am Zeltplatz angelandet, die Seekajaks zum Parkplatz gerollt, die Ausrüstung in die Autos gepackt und ab ging es nach Hause.

 

22.06. (Rund Schiermonnikoog) (ca. 55 km):

Nun, einer, der hatte noch etwas Resturlaub. Die Tide war günstig. Die Windverhältnisse optimal (max. 2-3 Bft.). Das nutzte er, um von Lauwersoog mit auflaufendem Wasser zum Wattenhoch von Schiermonnikoog zu paddeln und dann mit ablaufendem Wasser durchs Gatt die Seeseite von Schiermonnikoog zu erreichen. Spätestens bei Niedrigwasser musste er am Gatt von Ameland und Schiemonnikoog eintreffen, sodass er anschließend mit auflaufendem Wasser wieder bis nach Lauwersoog paddeln konnte. Insgesamt 9 Stunden dauerte seine Solo-Spritztour.

 

Text: Udo Beier