10.12.2014 Kroatien: Warum immer nur davon träumen? (Revier/Ausland)

 

Im vor einigen Jahren erschienenen KAJAK-MAGAZIN, Nr. 3/12, S.30-40, berichtete Christian Zicke in dem Beitrag:

 

„Traumrevier Kroatien. Von der Kvarner Bucht bis nach Süddalmatien“

 

über drei unterschiedlich lange Touren entlang des Küstenabschnitts zwischen Insel Krk und der Grenze im Süden zu Montenegro.

 

1. Tour: Von der Insel Krk bis hinunter zur Insel Rab und retour (5 Tage)

 

Gestartet wurde vom Ort Krk aus: Am 1. Tag wurde entlang der Westküste bis zu dem im Süden gelegenen Ort Baska und dann weiter zur Insel Prvic gepaddelt. Am 2. Tag ging es vorbei an der Insel Goli Otok zum Zeltplatz von Lopar (Insel Rab). Am 3. Tag wurde die Insel Rab umrundet. Am 4. Tag ging es zur Nachbarinsel Sveti Grugur bevor am 5. Tag zurück zum Startort gepaddelt wurde.

 

https://www.google.com/maps/@44.9696725,14.7576362,10z

 

2. Tour: Von Zadar in Richtung Kornaten-Archipel

 

Am 1. Tag ging es von Zadar durch die Meerenge von Insel Ugljan und Insel Pasman hinüber zur Insel Iz. Am nächsten Tag wurde zur Insel Dugi Otok und weiter zur zum Kornaten-Archipel gehörenden Insel Kornat gepaddelt. Wie weit entlang der Kornaten gepaddelt wurde und wie lange, kann dem Bericht nicht entnommen werden. Jedenfalls wurde wegen zu viel Wind und zu hohen Wellen, sowie Regen & Kälte die Tour abgebrochen und nach Zadar zurückgepaddelt.

 

https://www.google.com/maps/@43.9602189,15.2183753,11z

 

3. Tour: Tagestouren vom Zeltplatz in Molunat (Süddalmatien)

 

Es wurden Tagestouren unternommen, zum einen in Richtung Nord bis zum Ort Cavtat und zum anderen in Richtung Süd nach Montenegro bis zur Bucht von Kotor (Boka Kotorska).

 

https://www.google.com/maps/@42.4986084,18.3625319,11z

 

Der Beitrag geht über 5 Seiten, enthält 9 Fotos, ein paar wichtige Kurz-Infos eine Kartenskizze, die etwas informativer und genauer hätte sein können (z.B. fehlt der Hinweis, wo der Ort Molunat liegt; außerdem wird die Insel Iz zu weit nördlich eingezeichnet).

 

Insbesondere die Aussagen von C.Z. über Wind & Wetter sollten hier hervorgehoben werden:

 

·         „… Das Wetter sollte nie unterschätzt werden. Auch im Sommer … kann es plötzlich zu Wetterumschwüngen kommen, starke Fallwinde mit kräftigen Böen und Wärmegewitter können den Paddler zwischen den Inseln überraschen. Deshalb ist auch im Sommer eine komplette Sicherheitsausrüstung sowie ein seetaugliches Kajak erforderlich, besonders wenn man sich auf längere Überfahrten zwischen den Inseln begibt.“

·         „Vor jeder Fahrt an den Steilküsten oder zwischen den Inseln sollte man den Seewetterbericht und den normalen Wetterbericht für die jeweilige Region abfragen.“

·         „Im Frühjahr, Herbst oder gar Winter ist besondere Vorsicht geboten. Halten die starken Winde im Sommer meist nur wenige Stunden an, so können diese im Winter einen ganzen oder gar mehrere Tage wüten.“

·         „Die gefürchtetsten Winde sind der Jugo (kontinuierlich blasender, warmer Wind aus Süden) und der kalte Fallwind Bora aus dem Norden, der in starken Böen auftritt. Die Bora kann ganz plötzlich auftreten. Wenn sie einen erwischt, so sollte man möglichst schnell eine schützende Bucht anlaufen ….“

 

Leider fehlen Hinweise, nach welchen Karten navigiert werden sollte, z.B. jene Freizeitkarten von „freytag & berndt“, die sowohl topografische als auch nautische Infos enthalten:

 

·         Cres – Losinj – Krk – Rab (1:100.000)

·         Dalmatinische Küste Nr. 1: Zadar – Kornaten (1:100.000)

·         Dalmatinische Küste Nr. 2: Sibenik – Split – Vis (1:100.000)

 

welcher Wetterbericht zu empfehlen ist, z.B.

 

·         die SMS-Windvorhersage von www.wetterwelt.de

·         www.skippertipps.de/wetter_co/wetter_schnelluebersicht.htm

·         www.skippertipps.de/wetter_co/wetter.htm

 

und welches die meteorologischen Vorboten der Bora sind:

 

·         www.skippertipps.de/sturm/sturm.htm

·         www.kanu.de/nuke/donwloads/Bora.pdf

 

Außerdem wird der Eindruck vermittelt, dass der Sommer die ideale Paddelzeit sei. Nun, im Sommer ist es für deutsche Verhältnisse brütend heiß, voller Touristen und ab 11-12 Uhr setzt der thermische Seewind ein, der mit bis zu 4-5 Bft. weht und somit für entsprechenden Winddruck (hier: Kap-/Düseneffekt; Fallwinde an der ablandig wehenden Seite der Inseln) und Seegang (hier: Kreuzseen an der auflandig wehenden Seite der Inseln) sorgt. Ich halte deshalb das späte Frühjahr und den frühen Sommer, also den Mai und Juni, für die günstigste Zeit zum Küstenkanuwandern in Kroatien.

 

*** * ***

 

Dass zumindest im Winter nicht immer mit idealem Paddelwetter in Kroatien zu rechnen ist, musste auch Detlef Stöcker bei der Umrundung der Insel Krk erfahren. Er berichtete darüber ebenfalls im KAJAK-MAGAZIN, Nr.3/12, S.36-40, und zwar in dem Beitrag:

 

„Winterflucht aus Paddelsucht. Abenteuer Kroatien auf der Insel Krk“

 

Er wollte „dem deutschen Winterschmuddelwetter entfliehen, das Grau hinter sich lassen … um auf der kroatischen Insel Krk Sonne zu tanken und die inneren Akkus für die Zeit bis zum Frühling aufzufüllen.“ Am Heiligen Abend (!) reiste er solo an und fand im letzten Moment auf der Insel Krk ein offenes Hotel. Am Tag darauf sollte die Insel Krk (=> 220 km Uferlinie; ca. 125 km, sofern die Buchten nicht ausgefahren werden) entgegen dem Uhrzeigersinn umrundet werden. 4 Tage waren dafür eingeplant.

 

https://www.google.com/maps/@45.0878401,14.6793586,11z

 

Am 1. Weihnachtsfeiertag war es soweit. Es wurde ein Spätstart; denn es war schon gegen 15 Uhr, als er im Süden der Insel im kleinen Hafenort Baska das Seekajak vom Autodach holte. Der Wind wehte „frisch“ (= 5 Bft. (?)), die Wellen draußen hatten alle Schaumköpfe und die Luft war eisig. Einheimische Fischer erklärten ihn für „verrückt“, als er andeutete, bei auflandig wehendem Wind entlang der Ostküste bis nach Vrbnik paddeln zu wollen. … Also war er so vernünftig, packte sein Seekajak wieder aufs Autodach und fuhr zurück ins Hotel.

Am 2. Weihnachtsfeiertag versucht er es nochmals, obwohl lt. Auskunft des Hotelpersonals schon seit einem Tag die Bora blies. In Baska angenommen, wurde der Trockenanzug angezogen, das Seekajak beladen und zu Wasser gelassen. Dann ging es los. Unterwegs nahm dann jedoch der Wind wieder zu und wurde so stark, dass er unverzüglich versuchen musste, kontrolliert anzulanden, statt unkontrolliert an der Steilküste zu stranden. Zum Glück fand er eine Schlucht, die nicht in einer Höhle, sondern einer Kiesbucht endete. … Ja, und dort wartete schon ein Einheimischer auf ihn, der ihn mit einem Geländewagen zurück zu seinem Auto brachte. Die dritte und letzte Nacht verbrachte er wieder im Hotel.

Am 3. Weihnachtsfeiertag paddelte er nochmals, jedoch bei ablandigem Wind ca. 15 km entlang der weniger steilen Westküste der Insel Krk, und zwar von Punat nach Stara Baska. Retour ging es zu Fuß zum Auto. … Nachts gegen 3 Uhr war er dann wieder daheim in Deutschland.

 

Ja, der Bericht von Detlef Stöcker ist kein typischer Fahrtenbericht, aber er ist typisch für den Ausgang einer Tour entlang einer Küste. Wer im Voraus fix einen Termin für eine solche Tour verplant, kann nie sicher sein, dass die Wetterbedingungen, insbesondere Windbedingungen, Gewässerbedingungen hervorrufen, die es vernünftig erscheinen lassen, eine andere Route zu paddeln oder erst gar nicht ins Seekajak zu steigen. Nahezu Vergleichbares hat ja auch der Autor des ersten hier vorgestellten Berichts, Christian Zicke, erlebt, als er von Zadar Richtung Kornaten startete und früher zurückkehrte, da die Gewässerbedingungen einfach zu anspruchsvoll waren bzw. werden sollten.

 

Damit wir beim Küstenkanuwandern nicht in „Zugzwang“ geraten, ist es immer gut, wenn wir über Alternativen verfügen, wenn die Gewässerbedingungen zu kritisch erscheinen. C.Z. hat seine Tour vorzeitig abgebrochen und - statt weiterzupaddeln - an Land Sehenswürdigkeiten besichtigt. Eine andere Alternative wäre z.B. ein spannendes Buch, das einem das Warten auf besseres Wetter erleichtern kann:

 

„Risiko Küstenkanuwandern: Alternativlosigkeit

Oder: Warum ein zuhause gelassenes Buch einen Seenotfall auslösen kann!?“

www.kanu.de/nuke/downloads/Seenotfallanalyse-XIV.pdf

 

Ansonsten ist es wichtig, dass wir bei einer Küstentour:

 

·         Reservetage einplanen; denn jeden Tag paddeln zu müssen, weil sonst das Tourenziel nicht erreicht werden kann, verleitet uns dazu, doch aufs Wasser zu gehen, auch wenn die Gewässerbedingungen dagegen sprechen;

·         Reserveverpflegung/-trinkwasser dabei haben, denn nichts ist unangenehmer, als Starten zu müssen, weil die Verpflegung ausgegangen ist;

·         Ausweichsrouten vorsehen und die für solche Routen nötigen Reservekarten dabeihaben;

·         den Startort so auswählen, dass wir uns bei „frischem“ Wind immer auch für eine Route mit ablandigen Windverhältnissen entscheiden können;

·         nicht nur Seekarten, sondern auch Landkarten mitführen, denen wir entnehmen können, wo unterwegs Anlande- & „Abtransportmöglichkeiten“ sind; denn nichts ist unangenehmer, als in einer kleinen Bucht ohne Weganbindung zum Sraßennetz „notzulanden“ und dann miterleben zu müssen, wie mit steigendem Wasser die Bucht allmählich überspült wird.

·         nicht solo paddeln, und zwar um „Bedenkenträger“ bzw. „Helfer in der Not“ dabei zu haben.

 

Übrigens, die Bora ist die „Gefahr Nr. 1“, wenn entlang der kroatischen Küste gepaddelt wird, und zwar nicht nur im Winter, sondern auch noch Ostern, bzw. nicht nur auf dem Wasser, sondern auch an Land (zumindest, wenn nicht auf einem windgeschützten und vor steigendem Wasser geschützten Platz übernachtet wird!)- In einem Beitrag berichte ich über zwei Kanuten, die Ostern 2004 auf der Tour von der Insel Plavnik hinüber zur nur 1 km entfernt liegenden Insel Cres in Seenot gerieten:

 

https://www.google.com/maps/@44.9801161,14.5440894,13z/data=!5m1!1e4

 

den leider nur eine Person überlebte:

 

„Risiko Küstenkanuwandern: Analyse eines tödlich ausgegangenen Seenotfalls an der kroatischen Küste“

www.kanu.de/nuke/downloads/Seenotfallanalyse-III.pdf

 

Text: Udo Beier

Telefon SAR-Seenotleitung: 00385-51-9155 (KR) oder 0049-421-536870 (D)