15.12.2014 Kroatien: Islandhopping, Inselrunden oder Streckepaddeln? (Revier/Ausland)

 

Im Katalog eines Hamburger Händlers für nautische Literatur werden insgesamt 26 Handbücher für Segler aufgeführt, die allein das kroatische Segelrevier betreffen. Paddelbücher von dieser Region kenne ich noch nicht, wohl aber eine große Anzahl von Zeitschriften- bzw. Internet-Beiträgen. Das ist kein Wunder; denn Kroatien hat nicht nur den Seglern etwas zu bieten, sondern auch uns Kanuten.

 

Die vier Küstenkanuwanderregionen Kroatiens

 

Kroatiens Küstenrevier ist recht vielfältig. Da gibt es die:

 

·         Küste im Norden von Kroatien, nämlich Istrien, die viele sehenswerte Städte bietet, aber einen Küstenstreifen, der sich nur bedingt für eine Rundtour eignet, da der Küste nur wenige Inseln vorgelagert sind. D.h. wenn wir dort entlangpaddeln, bietet sich das „Streckepaddeln“ an, bei dem wir das Land stets auf unserer linken oder stets auf unserer rechten Seite haben, je nachdem ob wir vom Norden kommend (z.B. von Umag, bzw. Piran (Slowenien) oder Triest (Italien)) Richtung Süden (z.B. bis Pula) bzw. kurz danach in Richtung Nord/Ost bis Rijeka paddeln … oder anders herum.

 

Karte: Istrien (Umag – Pula – Rijeka)

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·         Küste des nördlichen Dalmatiens, welches durch die größeren Inseln Krk, Cres und Pag geprägt ist. Von der Struktur her ähnelt eine Tour entlang der Küste dieser Inseln dem „Streckepaddeln“; denn wir paddeln dort immer der Küste entlang von Bucht zu Bucht, von Kap zu Kap (ausgenommen der Sprung von Krk über Rab nach Pag), d.h. je nachdem wie wir runden, haben wir das Land tagelang auf unserer linken oder rechten Seite. Immerhin bieten sich hier jedoch Rundtouren an, d.h. es macht Sinn, wieder zum Ausgangsort zurückzupaddeln.

 

Karte: Krk, Cres & Pag

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·         Küste des mittleren Dalmatiens, welches von Mali Losinj vorbei an Zadar bzw. den Kornaten bis Höhe Primosten reicht. Aufgrund der Vielzahl von Inseln bietet sich hier statt des tagelangen „Inselrundens“ ein „Islandhopping“ an, d.h. jeden Tag geht es an mehreren Inseln vorbei. Das bringt viel Abwechslung mit sich, da wir tagtäglich nicht nur mehr oder weniger dicht an den Insel vorbei paddeln können, wobei wir immer die Auswahl haben, ob wir auf jener Seite entlangpaddeln, wo der Wind auflandige oder ablandig weht, sondern wir haben auch mehrmals am Tag eine mehr oder weniger weite Querung hinüber zur nächsten Insel vor uns.

 

Karte: Mali Losinj - Primosten

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·         Küste des südlichen Dalmatiens, welches von Primosten bis Dubrovnik reicht und stark geprägt wird von den größeren Inseln Brac. Hvar, Korcula und Peljesac. Von der Inselgröße her ähnelt die Küstenstruktur eher den Inseln im nördlichen Dalmatien. Aufgrund der überwiegenden West-Ost-Ausrichtung dieser Inseln bietet sich auch ein „Islandhopping“ an, jedoch nicht mehrmals täglich, wie bei den Inseln des mittleren Dalamatiens, sondern überwiegend nur alle 2-3 Tage.

 

Karte: Primosten – Otok Span (nrdl. Dubrovnik)

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Ja, und wo sollten wir paddeln dort unten an Kroatiens Küste?

 

Welchen kroatischen Küstenstreifen wir nun zum Paddeln vorziehen hängt von unseren persönlichen Präferenzen, unserer „Seetüchtigkeit“ (insbesondere „Seegangs- & Navigatgionstüchtigkeit“ und der Zeit ab, die uns nach je 1-2 Tage An-/Rückreise zum Paddeln bleibt.

 

(1) Wer gern Städte besichtigt und am liebsten von Zeltplatz zu Zeltplatz hüpfen möchte, der sollte sich für die Westküste Istriens entscheiden. Bei stetigen westlichen Winden wird das jedoch eine sehr wellige Angelegenheit werden und u.U. dazu führen, dass wir wegen des kabbligen Seegangs tagelang nicht paddeln können. Und bei stetigen nördlichen bzw. südlichen Winden können wir nur hoffen, dass wir auf der von uns gewählten Passage den Wind von hinten statt von vorn haben werden.

 

(2) Wer die Einsamkeit und das freie Zelten/Biwakieren liebt, den Seegang nicht scheut, gerne navigiert und es vorzieht, täglich mehrmals von Insel zu Insel zu hüpfen, für den ist die Inselwelt des mittleren Dalmatiens wie geschaffen. Zumindest mir hat dieses Gebiet gefallen:

 

Karte: Ist - Rogoznica

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Gepaddelt sind wir in der zweiten Maihälfte ca. 380 km in 12 Paddeltagen und 1 Ruhetag, und zwar vom Norden der Insel Ugljan aus (auf der Insel schienen uns unsere Autos sicherer abgestellt zu sein als in Zadar!) hinüber nach Iz, Richtung Süd um die Südspitze von Dugi Otok herum. Nach einem Pausentag ging es an der westlichen Seite der Kornaten-Inseln entlang bis fast zum Ende der Kornaten. Danach paddelten wir weiter zwischen Kaprije & Kakan hindurch bis kurz vor das Festland auf die Insel Tmara. Von dort ging es auf Spritztour vorbei an der Festlandküste mit den Orten Primosten & Rogoznica und dann retour. Nun paddelten wir – jedoch etwas östlicher - wieder Richtung Nord, vorbei an Zlalrin, Prvic bis hoch nach Murter; am nächsten Tag weiter vorbei an Vrgada und Zizanj bis nach Kosara und von dort hinüber nach Zut. Dann entschieden wir uns, entlang der ca. 45 km langen Westküste von Dugi Otok zu paddeln, wofür wir 2 Tage brauchten. Anschließend ging es westlich vorbei an Molat bis nach Ist. Schon unterwegs dorthin herrschte unheimlich klare Sicht. Die bis zu 1.400 m hohen Festlandsberge waren zum Greifen nahe. An den Berghängen schwebte eine dicht-geschlossene Kumulus-Kette. Für abends war die Bora angesagt. Als wir mittags von Ist hinüber nach Olib paddeln wollten, wurde es sehr plötzlich windiger. Wir kehrten sofort um und „notlandeten“ im Hafen Porat im Norden von Molat. Anschließend weht ca. 10 Stunden die aus dem Osten kommende Bora. Am nächsten Tag paddelten wir östlich von Molat im Windschutz der Insel wieder retour bis zur Süd-Ost-Ecke von Molat. Von dort ging es östlich an Tun Veli und Zverinac vorbei bis zum Hafen Bozava im Nord-Osten von ‚Dugi Otok. Da der Wetterbericht Regen für die nächsten Tage angesagt hatte, entschlossen wir uns - 1 Tag früher als geplant - noch am selben Tag zum Startort auf Ugljan zurückzupaddeln.

 

(3) Wer es vorzieht, größere Inselsprünge und danach etwas längere Inselpassagen zu unternehmen, dem bieten sich die Inseln in Süden Dalmatiens an. Er muss jedoch dabei in Kauf nehmen, dem Wind mehr ausgesetzt zu sein, als auf den Inseln des mittleren Dalmatiens. In einem Beitrag beschreibt „Beyond“ eine Tour zusammen mit „Suomalee“, die eine gute Mischung zwischen dem „Islandhopping“ des mittleren Dalmatiens und des „Islandjumping“ des südlichen Dalmatiens darstellt:

 

Seekkajaking: Küstentörn und Inselsprung - Tipps & Tricks (ab #861)

https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/46750-Seekajaking-K%C3%BCstent%C3%B6rn-und-Inselsprung-Tipps-Tricks?p=1187425&viewfull=1#post1187425 (mit Kartenskizze)

 

Dalmatinische Inseln – Information und Impression

http://soloreisender.de/-Kajak-Fahrten/KF-14

 

Suomalee schildert in einem weiteren Beitrag zur selben Tour ihre Eindrücke & Gedanken:

 

Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm

https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/73463-HR-Seekajakherz-reloaded-die-Geschichte-vom-Wellenkamm

 

Im Juni/Juli 2013 waren sie 16 Paddeltage und 3 Ruhetage unterwegs (ca. 380 km). Gestartet wurde in Srima/Vodice. Dann ging es weiter über: Mala Krbela – Mali Drvenik – Solta (2x) – Hvar – Vis (2x) – Vis/Budikovac – Hvar (2x) – Solta (2x) – Veli Drevnik – Bucht zwischen Rogoznica/Primosten – Mali Krbela – Srima/Vodice:

 

Karte: Vodice - Vis

https://www.google.com/maps/@43.3291081,16.1410535,104526m/data=!3m1!1e3

 

(4) „Last and least“ bleiben die Inseln im Norden Dalmatiens. Ich weiß auch nicht, warum so viele gerade dieses Revier mit den großen Inseln Krk, Cres und Pag so reizvoll finden. Liegt es vielleicht daran, dass dieses Gebiet eine Inselumrundung ermöglicht, ohne große navigatorische Kenntnisse abzuverlangen? Oder fühlen sich manche sicherer, wenn sie keine großen Querungen zu den nächsten Inseln unternehmen müssen, sondern stattdessen immer dicht entlang des Inselufers paddeln können? Bei all diesen Überlegungen sollte jedoch bedacht werden, dass, wenn die Bora bläst, sie an der östlichen Seite dieser Inseln am kräftigsten wehen soll! Dann sind schon mal bei Krk über 40 km Ostküste ohne Windschutz entlangzupaddeln und bei Cres über 65 km bzw. Pag über 60 km. D.h. in ein paar Stunden können wir solche Passagen nicht hinter uns bringen. 1 bis 2 Tage werden wir wohl schon dafür benötigen, um wieder auf der dem Wind abgewandten westlichen Seite paddeln zu können, einer Seite aber, die dort in Kroatien nicht unbedingt vor der Bora schützt, weil da Fallwinde vorherrschen können.

 

…. und nach welchen Karten navigieren wir unterwegs auf dem Wasser?

 

An anderer Stelle hatte ich die folgenden Karten von „freytag & berndt“ (im Maßstab 1:100.00) zur Navigation empfohlen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie sowohl topografische als auch nautische Infos enthalten:

 

·         Cres – Losinj – Krk – Rab (ohne Gradeinteilung)

·         Dalmatinische Küste Nr. 1: Zadar – Kornaten (Gradeinteilung alle 5‘)

·         Dalmatinische Küste Nr. 2: Sibenik – Split – Vis (Gradeinteilung alle 5‘)

·         Dalmatinische Küste Nr. 3: Brac - Hvar – Korcula – Split (ohne Gradeinteilung)

 

sowie eine Karte kroatische Karte von Trsat Polo:

 

·         Istra (Autokarte Trsat 2) (1:90.000) (Gradeinteilung alle 10‘)

 

Außerdem gibt es noch die folgende topografische Wanderkarte, hrsg. Vom Nacionalni Park Kornati, Butina 2, Muter, Hrvatska:

 

·         Nacionalni park kornati (1:50.000)

 

Für die terrestrische Navigation, also der Orientierung nach Landmarken per Kompass, reichen diese Karten aus. Wer jedoch mit GPS-Unterstützung navigieren will, der sollte prüfen, ob sich der Kauf von Sportbootkartensätze lohnt. Solche Karten eignen sich dann am ehesten für das Küstenkanuwandern, wenn sie auch genügend topografische Informationen (insbesondere Höhenlinien) enthalten:

 

·         Delius Klasing-Sportschifffahrtskarten (je Satz ca. 50,- €):

Satz 7 (Adria 1: (Venedig – Triest - Slowenien – Rijeka – Sibenik - Drvenik Veli)

Satz 8 (Adria 2: Zirje – Split – Dubrovnik - Bar);

·         Amtl. Kroatischer Sportbootkartensatz (je Satz ca. 65,- €):

Serie 1 (Adria Nord: Triest – Zadar)

Satz 2 (Adria Süd: Zadar – Albanische Grenze)

 

Von den echten Seekartenblättern (z.B. die amtl. Kroatischen Seekarten CR15-28 (1:50.000)) rate ich ab, da sie meist über keine topografischen Angaben verfügen, die wir aber brauchen, wenn wir vorher erkunden wollen, wo sich möglicherweise freie Zeltmöglichkeiten bieten.

 

Übrigens, wer über ein Smartphone verfügt, kann ja mal berichten, inwiefern dieses uns bei der Vorplanung und unterwegs auf dem Wasser unterstützen kann und zu welchem Preis.

 

Ansonsten wird von „beyond“, einem alten Kroatienpaddler, das folgende Buch empfohlen:

 

·         K.-H.Beständig:

Kroatien, Slowenien & Montenegro. 888 Häfen & Buchten.

Hafen- und Ankerplatz-Atlas.

Ausgabe 2014/15 (27.Auflage) (127 S.) (ca. 30,- €)

 

Vielleicht hilft es das eine und andere Mal bei der Suche nach freien Zeltmöglichkeiten.

 

Text: Udo Beier