08.04.2004 Juist-Tour (Revier/Inland)

 

In KANU SPORT berichtet Ingo Wellhausen in dem Beitrag:

 

„Einmal Juist und zurück. Paddeltour auf dem ostfriesischen Wattenmeer“

 

über eine Faltboot-Tages-Retour-Tour zu Zweit von Norddeich nach Juist. Gestartet wurde - in Anbetracht des vorgegebenen Zieles - etwas spät, nämlich 2:40 Std. nach Hochwasser Norddeich Richtung Ostspitze Juist.

 

Übrigens, dieses Ostende Juist, auch „Kalfamer“ genannt, steht wie die meisten anderen Ostspitzen der ostfriesischen Inseln unter Naturschutz (Zone I / Ruhezone). Das sollte respektiert werden. Wer dennoch anlanden möchte kann dies ca. 1,5 km weiter westlich am Strand auf der Seeseite tun. Entlang der Wattseite bis zum Juister Hafen ist ein Anlanden nicht empfehlenswert, da das Watt eigentlich nur bei Hochwasser sicher befahren werden kann. Schon 2 Std. nach Hochwasser beginnt es trocken zu fallen, d.h. wer dann dort festhängt, muss entweder zu Fuß weiter bzw. aufs nächste Hochwasser warten, welches so etwa 8 Std. später beginnt, das Watt erneut zu überspülen. Außerdem wird beabsichtigt, diese Wattfläche unter besonderem Naturschutz zu stellen, was man schon jetzt respektieren sollte.

 

Die beiden „Küstenfaltbootwanderer“ wussten natürlich von dem Zone-I-Gebiet am Ostende von Juist und peilten zunächst das westlich davon gelegene Wattufer von Juist an, nichts ahnend, dass dies überhaupt keine „lohnende“ Anlandestelle ist.

 

Sie paddelten das „Busetieffahrwasser“ (Tonnenkennzeichnung: „B“) hinaus Richtung „Branderplate“. Eine Überfahrung der Plate war nicht mehr möglich, da sie zwischenzeitlich trocken gefallen war. Bei etwas Tiden-Know-how (hier: Gezeitenrhythmus, Trockenfallende Höhe über Kartennull, 12-er-Regel) hätten die beiden das schon beim Starten errechnen können, dass eine solche Querung zu dem Zeitpunkt, zu dem sie dort eintrafen (ca. 4 Std. nach Hochwasser) kaum noch mehr möglich war. Abgesehen davon, zählt die „Branderplate“ zur Zone I und darf nur in der Zeit zwischen 3 Std. vor Hochwasser bis 3 Std. nach Hochwasser (sog. 3-Std.-Regelung) überfahren werden.

 

Also fuhren sie bis zur Nordspitze der Plate, querten das „Memmert Wattfahrwasser“ (M) und paddelten dann gegen den Tidenstrom das „Juister Wattfahrwasser“ (J) hoch. Bald wurde ihnen jedoch bewusst, dass auch das Watt im „Kalfamergat“ schon trocken gefallen war. Sie kehrten deshalb um und paddelten vernünftigerweise zurück Richtung Ostende von Juist und dort herum zur Seeseite. Das verlief auch problemlos, da auf Grund der Windprognose (2-4 Bft. aus WSW) nicht mit Brandung zu rechnen war. Außerdem sorgte der nördlich davon gelegene Wattrücken „Osterriff“ dafür, dass unerwartet einlaufende Dünung einem schlussendlich nicht doch noch in Schwierigkeiten bringen konnte. Am Ende des Naturschutzgebietes landeten sie 2:30 Std. nach Start an.

 

0:30 Std. nach Niedrigwasser paddelten die beiden Kanuten wieder mit der Strömung des auflaufenden Wassers (Flut) zurück nach Norddeich. Kurz vor der 2,5 km langen Einfahrt zum Hafen von Norddeich hatten sie an der „Westerriede“ Grundberührung. Sie führten das darauf zurück, dass hier wohl die Seekarte falsche Angaben macht. Mit einem wachsamen Auge (man kann nämlich am Seegang und der Wasserfarbe erkennen, wenn es flacher wird) und einem Kurs etwas dichter entlang des „Busetieffahrwassers“ hätte eine solche – für Seekajaks jedoch unproblematische Grundberührung - vermieden werden können.

 

Übrigens, In dem Beitrag wurde so nebenbei Folgendes vermerkt: „Wenn sich der Wind sehr verstärkte, hatte ich die Weiterfahrt vor dem Wind nach Norderney erwogen, um dann notfalls mit der Fähre nach Norddeich zurückzugelangen.“

 

Nun, man muss hier selber vor Ort sein, um die Situation beurteilen zu können. Aber bei einem sehr verstärkten Wind – z.B. 5 Bft. – kann nur sehr erfahrenen und seetüchtigen Küstenkanuwanderern empfohlen werden, das ca. 3,5 km breite Gatt zwischen Juist und Norderney zu queren. Untiefen, vier verschiedene Prielströmungen und dichter Fährverkehr sorgen in Verbindung mit Wind für Seegangsbedingungen, bei denen mancher Kanute schnell an seine Grenzen stoßen kann. Insofern war der gewählte Kurs Richtung „Busetieffahrwasser“ in Ordnung.

 

Quelle: KANU SPORT, Nr. 4/04, S.20-21 – www.kanu-verlag.de

Literatur: Beitrag „DKV-Tourentipp: Juist (1 Tag) ca. 20 – 30 km)

è www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Juist.pdf

Link zu weiterer Nordsee-Literatur:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Kuestenliteraturliste-Touren.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Online-Kuestenliteratur-Touren.pdf