7.11.2004 Tourentipp: Rund Fehmarn (Revier/Inland)

 

Schleswig-Holsteins größte, nicht aber längste Insel liegt im Osten, und zwar in der Ostsee. Sie hat einen Umfang von ca. 60 km und eine Küstenlinie von knapp 70 km. Für eine Küstenkanuwanderung bietet sie sich geradezu an, da man - bis auf die Orther Reede - immer neben sich das Ufer hat. Meist handelt sich bei der Uferbeschaffenheit um Sandstrand. Lediglich im Südosten - bei Staberhuk - gibt es am Südufer Felsklamotten.

 

Vorsicht

 

Die Umrundung von Fehmarn ist bei konstant sicherem Wetter, d.h. bei Flaute & Ententeichbedingungen, eigentlich unproblematisch. Paddelt man doch praktisch die ganze Zeit in unmittelbarer Ufernähe. Wenn es kritisch wird, begibt man sich einfach ans rettende Ufer. Trotzdem kann es bei der Umrundung Schwierigkeiten geben, die einen daran hindern könnten, die Rundtour zu vollenden:

 

 

Umrundungsrichtung

 

Ist für die nächsten 2 – 3 Tage schwachwindiges Wetter angesagt, spielt die Umrundungsrichtung keine Rolle. Ansonst sollte man es vom Wind abhängig machen, ob man mit oder entgegen dem Uhrzeigersinn Fehmarn umrundet

 

 

Tourenverlauf

 

Rund Fehmarn sind knapp 60 km stehendes Gewässer. Wenn man gut ist, schafft man es in 2 Tagen, wer besser ist, in 1 Tag, und wer es gemütlich angehen will, benötigt dafür 3 Tage. Wer noch länger braucht, hat sich wohl unterwegs zu lang am Land aufgehalten.

 

1. Tag: Großenbroderfähre - Niobe-Denkmal (ca. 27 km)

 

Starten könnte man in Großenbrode. Die ideal erscheinende Einsatzstelle Großenbroderfähre ist jedoch ein privatwirtschaftlich genutzter Segelhafen. Das Einsetzen der Kajak wurde nicht mit Begeisterung aufgenommen. Es empfiehlt sich daher, eine Einsatzstelle direkt auf Fehmarn zu suchen, z.B. am Burger Binnensee auf der Südseite von Fehmarn.

 

Die Beschreibung der Tour erfolgt im Uhrzeigersinn. Aufgrund der Windvorhersagen bot sich die sofortige Fahrt entlang Fehmarns Westküste an, um den für den nächsten Tag angesagten 6er Westwind entlang der Nordostseite Fehmarns ablandig abwettern zu konnte.

 

Wer wenigstens einmal von beiden Seiten das Meer sehen möchte, sollte die Orther Reede nicht ausfahren sondern queren. Anschließend kommt ein Wasservogel-Reservat. Danach könnte man direkt vor dem Markelsdorfer Huk anlanden und eine große Pause einlegen.

 

Weiter geht es, vorbei am "Niobe"-Denkmal“: Hier erinnert der Mast der "Niobe" an das furchtbare Unglück, bei dem vor der Küste im Juli 1932 das Segelschulschiff versank und 69 Mann Besatzung in die Tiefe gerissen wurden!

 

Kurz danach, direkt hinter einem, von einem Strandsee geprägten Seevogel-Schutzgebiet, bietet es sich an zu biwakieren. Den richtigen Platz zu finden ist jedoch nicht immer so einfach. Insbesondere bei traumhaften Sonnenscheinfeiertagswetter haben die Angler Fehmarn fest im Griff, und zwar zu Land und zu Wasser. Ausgerüstet sind einige von ihnen mit aufgeblasenen Schwimmsesseln und Schwimmflossen an den Füßen. Und wo mal keine sind, trifft man auf Strandspaziergänger.

 

2. Tag: Niobe-Denkmal - Staberhuk (ca. 18 km)

 

Wehe wenn der Wind dreht und auflandig weht. Ab 5 Bft. aus Nordwest – Nord – Ost - Südost kann es große Probleme auf der Nordostseite von Fehmarn geben. Dann wacht man früh morgens auf und sieht direkt die in Augenhöhe einlaufende Brandung. Das ganze den Strandsee vorgelagerte Puttgardenriff scheint dann zu kochen.Jetzt zeigt es sich zu rächen, wenn man am Vortag trotz Ententeichbedingungen den Sprung vorbei am Fährhafen nicht hinter sich gebracht hat, weil man meint, dass 27 km Tagesetappe vollauf genügen.

 

Trotzdem sollte man als seetüchtiger Kanute den Start versuchen. Während einer Probefahrt entlang des Strandes kann man sich immer noch entscheiden, ob man weiter paddelt oder kurz vor dem Hafen von Puttgarden nahe eines Feldweges aussetzt, um den Fährhafen weiträumig über Land per Bootswagen zu umfahren (ca. 3 km).

 

Das größte Problem der Weiterfahrt wird die Passage vorbei an der Hafeneinfahrt von Puttgarden sein. Die Fährschiffe fahren hier fast im 10-Minuten-Takt hinein oder heraus. Paddelt man dicht an den mehrere 100 m ins Meer hinausragenden Hafenmolen vorbei, was nur vom 1.10.-30.4 erlaubt ist, hat man bei auflandigem Wind u.U. nicht nur mit Windsee und Grundseen, sondern auch mit Kreuzsee und Dampferwellen zu kämpfen. Während der Zeit vom 1.5.-30.9. ist jedoch der ganze Hafeneinfahrtssektor bis ca. 2 km hinaus für den "öffentlichen Verkehr gesperrt"; denn dann verkehren die Fährschiffe in noch kürzerem Takt zwischen Puttgaren und dem dänischen Rødby. Wie jedoch ein solcher Umweg mit einem Seekajak funktionieren soll, kann ich mir als sicherheitsbewusster Küstenkanuwanderer noch nicht einmal bei Flaute vorstellen:

 

 

D.h. draußen zwischen „Puttgarden 1“ und „Puttgarden 2“ ist im Gegensatz dicht vor der Hafeneinfahrt ein Kollisionskurs nicht auszuschließen!

 

Ca. 12 km südlich vom Fährhafen liegt der Leuchtturm Staberhuk. Dort bietet sich ein weiteres Biwak an. Es sind wohl dann nur noch ca. 14 km zurück zur Fehmarnsundbrücke, aber zwischen Staberhuk und Brücke liegt der Fehmarnsund. Wenn es dort aus westlicher Richtung bläst, hat man nicht nur mit Gegenwind, sondern auch mit einem Gegenstrom zu kämpfen, der bis zu 2,5 kn (ca. 4,6 km/h) erreichen kann. Ab einem 5-6er Gegenwind macht man dann wohl kaum noch Tempo. Wer bei Flaute 7-8 km/h schafft, wird bei solch einem Gegenwind höchstens noch 4-5 km/h übers Wasser erreichen, das sind dann bei Gegenstrom nur noch 0-1 km/h über Grund. D.h. für die restlichen ca. 14 km benötigt man einen ganzen Fahrtentag.

 

3. Tag: Staberhuk - Großenbroderfähre (ca. 14 km)

 

Ab 4-5 Bft. Wind kann man im Fehmarnsund etwas erleben. Bläst es aus westlicher Richtung, werden die letzten 14 km nur dann gemeistert, wenn man alle Kraftreserven mobilisiert. Windet es aus östlicher Richtung, dann freut sich der, der das Surfen im Seekajak beherrscht. Trifft ein südlicher Wind auf die Südküste Fehmarns, dann sollte man über Brandungserfahrungen verfügen. Weht es ablandig, d.h. kommt der Wind aus dem Norden, sollte man sich dicht unter Land halten und aufpassen, dass man nicht hinaus in den Seegang geweht wird.

 

Herrscht dagegen Flaute, paddelt man bei Ententeichbedingungen zum Startort zurück und fragt sich, was das für Kanuten sind, die meinen, dass man Fehmarn nur im mindest doppelt abgeschotteten Seekajak umrunden sollte.

 

Unterwegs Anfang Oktober

 

Übrigens, diese Tour paddelte ich einmal Anfang Oktober zusammen 3 KameradInnen. Wir umrundeten im Uhrzeigersinn. Am ersten Tag herrschten Ententeichbedingungen. Am zweiten Tag hat es mit 5-6 Bft. aus NW vor der Hafeneinfahrt Puttgardens geblasen. Ein Mischung aus Brandung, Windsee, Grundsee & Kreuzsee hätte beinah zum Abbruch der Tour geführt. Danach wehte es achterlich & ablandig. Bei unserem Kurs war das kein Problem. Die zwei Kanuten, die uns entgegen kamen, hatten es da schon schwerer. Sie mussten umkehren, da sie an der Hafeneinfahrt gegen Wind, Strom & Kabbelwasser nicht ankamen. Abends brachen wir bei Staberhuk (Süd-Ost-Spitze von Fehmarn) ab, da der westliche Wind den Fehmarnsund zu stark aufwühlte. Wir biwakierten im Windschatten der Steilküste. Die beiden Kanuten, die uns mittags entgegenkamen, passierten uns erneut, ignorierten den Wind auf dem Fehmarnsund und wurde keine 500 m später auf den mit Felsbrocken durchsetzten Strand getrieben, wo sie einen Notbiwak errichteten. Am dritten und letzten Tag ging es bei einem 4er Gegenwind über den Fehmarnsund zurück zum Startort. In der folgenden Nacht fegte der erste Herbstorkan entlang Fehmarns Küste. Der SMS-Seewetterbericht prognostizierte für 0:00 Uhr: NO-O 7-8 in Böen 9-10 Bft. und im Radio wurde von der ersten Sturmflut gesprochen. Nun, beim Küstenkanuwandern sollte man immer eine Sicherheitsalternative haben. Aber welche Alternative gibt es zu Sandheringen, wenn bei einem Biwak unterhalb einer Steilküste mit Orkan und Sturmflut zu rechnen ist? Treibanker!?

 

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Kurz-Infos

 

Kartenmaterial:

Topografische Karte (1:100.000);

wer jedoch die genaue Lage des Sperrsektors vor dem Fährhafen Puttgardens auf der Karte erkennen möchte, der ist auf eine Seekarte angewiesen.

 

Startorte:

Großenborderfähre ist Privatgelände. Das Ablegen wurde auf Nachfrage genehmigt, aber nur widerwillig. Es bieten sich als Startort mehrere Plätze auf Fehmarn an: Fehmarnsund, Orth, Puttgarden (Westseite), Burgstaaken, Burgtiefe.

 

Verkehrsvorschriften:

Übrigens, offiziell darf vom 1.5.-30.9. nicht dicht unter Land die Hafeneinfahrt von Puttgarden gequert werden. Ein Dreieck, welches bis 2 km auf die See hinaus sich erstreckt und durch die Tonnen "Puttgarden 1" und "Puttgarden 2" markiert ist, bleibt für die Sportbootschifffahrt tabu. Diese Vorschrift ist aus der Sicht des Küstenkanuwanderns als äußerst problematisch anzusehen, da es weitaus schwieriger ist, sich dort draußen vom regen Fährschiffverkehr freizuhalten als dicht hinter der nur ca. 50 m breiten Hafenein-/-ausfahrt. Die Hafeneinfahrt hat man in 1 Minute gequert, während man draußen für den ca. 1,6 km breiten Dreiecksschenkel ungefähr 15 Minuten benötigt! 15 Minuten, die eine Ewigkeit dauern, wenn Fährschiffe auf einen zuhalten, passieren und plötzlich drehen und nochmals auf einen zukommen, da sie rückwärts in den Hafen einfahren!?

 

Seewetterbericht:

·         NDR 4 (702 kHz): 00.05 + 08.30 + 22.05 Uhr;

·         Deutschland Funk/-Radio (1.269 bzw. 177 o. 6.005 o. 6.190 kHz): 01.05 + 06.40 +11.05 o 21.05 Uhr;

·         Deutsche Welle (6.075 o. 9.545 kHz): 13.55 Uhr

 

Zeltplätze:

·         Insgesamt gibt es auf Fehmarn in Strandnähe über 13 Campingmöglichkeiten: Strukkamphuk, Flügger Strand, Wallnau, Altenteil/Fehmarnbelt, Wenkendorf, Gammendorf, Klausdorf, Katharinenhof, Meeschendorf/Südstrand, Wulfener Hals, Fehmarnsund u.a. (s. ADAC Camping Caravaning Führer Band 2).

·         Ansonsten erlaubt das schleswig-holsteinische "Landesnaturschutzgesetz" (LNatSchG (16.06.93), dass Wanderer (hierzu gehören nicht nur Fuß-, sondern auch Rad- und Kanuwanderer) "... abseits von Zelt- und Campingplätzen einmal in Zelten übernachten (dürfen), wenn sie privatrechtlich dazu befugt sind und keine besonderen Schutzvorschriften entgegenstehen." (§ 36 Abs. 2) D.h. außerhalb von Privatgrundstücken und ausgewiesenen Naturschutzgebieten u.ä. ist es zur Ausübung des Küstenkanuwanderns für 1 Nacht erlaubt zu zelten. Ob der davor platzierte § 34 Abs. 1 ("Es ist verboten .... auf dem Meeresstrand zu zelten .... oder in Küstendünen oder auf Strandwällen ... zu zelten ...") auch weiterhin gilt oder durch § 36 (2) außer Kraft gesetzt ist, wird hier bewusst nicht hinterfragt. Wer sich als Küstenkanuwanderer auf den § 36 (2) berufen möchte, sollte jedoch beim Übernachten auf alle Fälle die Küstendünen und Strandwälle (dass sind Kiesaufschüttungen vergangener Küstenlinien) meiden, die "1-Std.-Regelung" (d.h. die Zelte sind erst 1 Std. vor Sonnenuntergang aufzubauen und 1 Std. nach Sonnenaufgang wieder abzubauen!) beachten, sowie die Gruppengröße möglichst gering halten.

·         Übrigens, zum Lagern (Biwakieren) finden sich keine konkreten Aussagen im Gesetz. Hier sind entsprechend die allgemeinen Betretungsregeln zu beachten, und zwar § 30 (5) ("Das Betreten hat sich im Rahmen einer allgemeinen Verträglichkeit zu halten; ... die naturverträgliche Erholung anderer darf nicht gestört ... werden.") und § 33 (5) ("1. Jeder darf den Meeresstrand auf eigene Gefahr betreten und sich dort aufhalten. 2. Kleine Wasserfahrzeuge dürfen für die Zeit des Strandbesuches auf dem Meeresstrand gelagert werden."

 

Text: Udo Beier

Literatur:

Bunge,K./Beier,U., Rund Fehmarn (Fahrtenbericht)

è www.hamburger-kanu-verband.de/showtour.php?bericht=13&sparte=7