08.11.2005 Strelasund und Greifswalder Bodden (Revier/Inland)

 

Schon vor Jahren hatte der WWF die Initiative ergriffen und in Zusammenarbeit mit den Wassersport- und Angelvereinen der Region Greifswalder Bodden und Strelasund versucht zu erreichen, über freiwillige Vereinbarungen u.a. zur Befahrung zum Schutze der Natur beizutragen.

 

4 Regionen

 

Die ersten konkreten regionalen Vereinbarungen wurden am 21.02.04 getroffen und betrafen jenen Bereich des Greifswalder Bodden, der zwischen Insel Riems und Lubmin Seebrücke liegt (s. Kanu-Sport, Nr. 7/04, S.32-34). Dann folgten am 27.05.04 Vereinbarungen, die sich auf die im Südosten von Rügen liegende Bucht Having bezogen, und am 17.06.04 kamen noch Vereinbarungen hinzu, die sich auf die Region um Wolgast erstreckten, und zwar´: Peenemünder Haken, Insel Struck, Insel Ruden und Insel Großer Wotig (s. Kanu-Sport, Nr. 9/04, S.38-39). Die Region Strelasund und Halbinsel Zudar betreffend konnte sich schließlich am 29.08.05 geeinigt werden. Bei allen Gesprächen war der Landes Kanu-Verband Mecklenburg-Vorpommern beteiligt, der sich durch seine Mitglieder, die in den verschiedenen Kanu-Vereinen vor Ort eingebunden sind, vertreten ließ.

 

Neu: Vereinbarungen für die Region Strelasund/Zudar

 

Der Strelasund stellt einschließlich der an seinem Ostende liegenden Halbinsel Zudar ein aus Naturschutzsicht wichtiges Bindeglied zum südöstlich davon anschließenden Greifswalder und Rügenschen Bodden dar. Der Charakter dieser Region wird durch eine Vielzahl von Buchten und Wieken geprägt, die von überlebenswichtiger Bedeutung für die brütenden und rastenden Vögel sind. Tausende von Wasservögel nutzen diese Bereiche zur Nahrungssuche oder Rast, wobei zwischen den einzelnen Buchten und Wieken ständige Austauschbewegungen bestehen.

 

Folgende Buchten und Wieken des Strelasund bzw. der Halbinsel Zudar (geordnet in West-Ost-Richtung) stehen daher unter besonderem Schutz. Es handelt sich dabei vielfach um Flachwasserbereiche, die ohnehin auch mit einem Kajak nicht so leicht befahren werden können.

 

Rastplatz von Höckerschwäne, Blessrallen, Reiher- und Tafelenten. – Die Befahrung des ca. 2 km langen Wieks sollte nur zwischen 1.5.-30.9. erfolgen, wobei ein 50-Meter-Abstand zum Schilfgürtel zu halten ist.

Es handelt sich hier um ein schon lange bestehendes Naturschutzgebiet, das ganzjährig nur bis zur 2-Meter-Tiefenlinie befahren werden sollte. D.h. das ca. 3 pkm lange Ufer darf inkl. des Sandhakens nicht betreten werden.

Brutgebiet von Enten, Schwänen, Rohrsänger und Rohrweihe. Nahrungsrevier der Flussseeschwalbe, Rastgebiet tausender von Reiher-, Grau-, Saat-, Bless- und Kanadagänsen. – Dennoch ist es erlaubt, den ca. 2 km langen Deviner See zu befahren. Jedoch sollte das nur zwischen 1.5.-30.9. erfolgen, und zwar unter Einhaltung eines 50-Meter-Abstandes zum Schilfgürtel.

Im Juli/August rasten hier größere Ansammlungen von Höcker- und Singschwänen und im Spätsommer halten sich viele Reiher-, Tafel- und Schellenten, sowie Gänse- und Zwergsäger auf. Außerdem befindet sich hier die größte Flussseeschwalbenkolonie. – Lediglich das ca. 1 km lange Fahrwasser (plus 20 m Randbereich) und der Bereich um den Hafen darf daher befahren werden.

Rast- und Brutplatz für Höckerschwan, Wasserrallen, Stock- und Reiherente, im Herbst auch für Gänse- und Zwergsäger. – Diese kleine, schmale ca. 800 m lange Bucht soll nicht befahren werden.

Rastplatz von Reiherenten und Höckerschwänen. Überwinterungsplatz von Pfeif- und Schellenten, Zwerg- und Gänsesägern, Blässgänse und Singschwänen. – Der westlich Hälfte der ca. 2 pkm breiten Bucht sollte auf eine Strecke von ca. 1 pkm ganzjährig nicht befahren werden und der östliche nur zwischen 1.5.-30.9.

Die windgeschützten Wasserflächen bieten Tauch- und Gründelenten Schutz. Im Herbst rasten hier tausende von Kranichen, Gänsen, Enten und Watvögel. – Der am Rande des Strelasund liegende „Vogelhaken“ und die ca. 3 pkm lange Glewitzer Wiek sollen bis zur 2-Meter-Tiefenlinie nicht befahren werden. Die in den Glewitzer Wiek einmündende ca. 3 pkm lange Puddeminer Wiek soll nur im Fahrwasser (plus 20 m) befahren werden, sodass es auch weiterhin möglich ist, bis zum Ende dieses Wiekes durchzupaddeln. Lediglich ein kleiner, ca. 500 m breiter Bereich im Nordosten des Glewitzer Wiek (bis Tonne P3) darf zwischen 1.5.-30.9. bis zum Ufer befahren werden.

Rastplatz zahlreicher Wasservögel (z.B. Zwerg- und Gänsesäger, Höcker- und Singschwäne). – Er sollte nur bis zu 2-Meter-Tiefenlinie befahren werden.

Ab Frühsommer Mausergebiete der Gründelenten. Im Frühjahr und Herbst Rastgebiet durchziehender Enten. Im Flachwassergebiet halten sich unzählig Watvögel (z.B. Kiebitz. Großer Brachvogel und Rotschenkel), Schwäne und Seeschwalben auf. – Der knapp 3 km lange Maltziener Wiek sollte nur von Anliegern  und der ca. 3 km lange Schoritzer Wiek sollte gar nicht befahren werden.

 

Wie wir nachvollziehen können, sind praktisch alle größeren Buchten und Wieke des Strelasund und der Halbinsel Zudar in ihrer Befahrung eingeschränkt. Darin ist sicherlich auch der Grund zu sehen, dass es so lange dauerte, bis diese Vereinbarungen schließlich mit über 1 Jahr Verzögerung am 28.08.05 einvernehmlich getroffen werden konnten. Trotz der vielen Beschränkungen können diese für die Region getroffenen Vereinbarungen als ein akzeptabler Kompromiss angesehen werden. Schauen wir uns mal auf der Landkarte den Strelasund und die Halbinsel Zudar an, dann können wir nämlich schnell feststellen, dass wir immer noch mehr als 50 % des Strelasunder Uferbereichs frei befahren dürfen und dass eigentlich nur in einem größeren Bereich, nämlich der Schoritzer Wiek, und in einem kleineren Bereich, die Kemlade, überhaupt nicht mehr gepaddelt werden sollte.

 

Karteninfos?

 

Wer demnächst in der Region zwischen Stralsund und Wolgast paddeln möchte, sollte nicht darauf setzen, dass er den regionalen Land- bzw. Seekarten die einzelnen lokalen Befahrungsregelungen entnehmen kann.

 

Der von Jübermann-Kartographie herausgegebene „Tourenatlas Wasserwandern Nr. 6: Deutschland-Nordost“ erscheint noch in seiner 1. Auflage von 2002. Er liefert wohl sehr empfehlenswerte Karteninformationen (wie z.B. die oben aufgeführten Entfernungsangaben), ist aber bzgl. dieser Befahrensregelung noch nicht aktualisiert. Wir sollten uns daher vor Antritt einer Tour Informationen über die exakten Befahrungsgrenzen und –regelungen beschafften.

 

Eine mögliche Info-Quelle liefert das Internet, und zwar die entsprechende Seite des WWF-Projektbüro Ostsee:

 

www.wassersport-im-bodden.de >“Vereinbarungen“

 

Unter Vereinbarungen finden wir nicht nur alle Erläuterungen bzgl. der vier Regionen, sondern dazu auch die entsprechend Kartenausschnitte, die alle kritischen Befahrungsbereiche deutlich kennzeichnen.

 

Weiterhin ist unter der Federführung des WWF ist der folgende „Revierführer“ herausgegeben worden:

 

Edition Maritim 2005 (50 S.) ca. 10,- Euro

 

Das Buch enthält – seekartenmäßig aufbereitet und gestaltet – alle Karten zwischen Stralsund bis Wolgast inkl. Greifswalder Bodden (hier: Südostseite von Rügen, Greifswalder Ole, Ruden und Nordspitze von Usedom).

 

In den insgesamt 10 Karten (Maßstab: 1:55.000) sind alle Bereiche aufgeführt, die aufgrund der freiwilligen Vereinbarungen zwischen Naturschützern und –nützern nicht oder nur zeitlich befristet befahren werden sollten.

 

Weiterhin finden wir dort einige Hinweise über Sehenswertes und Touristisches.

 

Ahoi!

 

Was wollen wir mehr. Die nächste Saison wartet darauf, dass dieses östliche Küstenkanuwanderrevier (nur das Usedomer Revier liegt noch weiter östlich) befahren wird. Uns muss es dabei jedoch bewusst sein, dass spätestens am Ostende des Strelasund – etwa in Höhe der Glewitzer Fähre (ca. 22 pkm östlich des Rügendamm) das Revier zum Großgewässerrevier wird. D.h. wer dann nicht selber seetüchtig ist und in keinem seetüchtigen Kajak paddelt, der könnte spätestens ab 3 Bft. Wind bzw. nach einer Kenterung in große Schwierigkeiten geraten.

 

 

Übrigens allen, die seetüchtig sind, sich aber in diesen Boddengewässern noch nicht so auskennen, wird empfohlen, den Kontakt zum Stralsunder Kanuclub bzw. zum KSV Wolgast zu suchen. Gerade der Wolgaster Verein bietet im Jahr 2006 zu 15. Mal im April eine Fahrt von Feest hinüber zur Insel Ruden (ca. 20 km) und im August zum 3. Mal ein Seekajaktreffen in Peenemünde an. Von Peenemünde geht es je nach Wetterlage hinüber nach Thiessow (Rügen) und wieder zurück (ca. 30 km) bzw. zur Insel Greifswalder Oie (ca. 30 km) bzw. entlang der Seeseite von Usedom (ca. 15 km).

 

Verlag: EDITION MARITIM - www.delius-klasing.de

Links:

www,wassersport-im-bodden.de

www.kanu.de/nuke/downloads/Befahrung-Greifswalder-Bodden-und-Strelasund.pdf

www.kanu.de/nuke/downloads/Befahrung-Usedom-und-Ruegen.pdf