09.06.2006 Blankenese - Helgoland und zurück (Revier/Inland)

 

Jens Offermann ist 1996 von Hamburg-Blankenese aus nach Helgoland gepaddelt und wieder zurück. Im Folgenden ist sein Bericht:

 

„Ich bin mal allein nach Helgoland gefahren!“

 

nachzulesen:

 

Meine Güte, wie lange jipper ich wegen einer Paddeltour nach Helgoland. Wen hab’ ich alles gefragt und genervt wegen Helgoland. Dann begann das Jahr 1996, und ich war der Meinung „Nun muss es sein!“ Aber wie war das Wetter? Kälte, Wind und das ausdauernd. Irgendwann sollte es nun aber doch losgehen. Ich habe mich so umgehört, wer mit wollte, aber keiner hat angebissen. Also Tour geplant nach meinem Empfinden.

 

Da so eine Strecke – von der Länge kein Problem – aber navigatorisch etwas anspruchsvoll ist, habe ich mich schlau gemacht (das allerdings nicht erst seit gestern) und alles, was darüber gesprochen und geschrieben wurde, in mich reingesaugt. Seekarten, Tidendaten, Stromrichtung und -stärke, Kompasskurse, Landmarken, Seglerkurse, Kurse der Touristen und alles was es so gibt auf der Tour nach Helgoland, war zu verarbeiten. „Wieso redet eigentlich keiner von der Tour zurück?“ Aber irgendwann war alles (?) geplant und es sollte losgehen.

 

1. Anlauf: Cuxhaven, Spieka-Neufeld … nach Hause

 

Tidenkalender war kopiert, Seekarten waren klar, Auszüge vom Stromatlas erstellt, Tide ausgesucht, Chef wegen Urlaub genervt und mit dem Auto nach Cuxhaven gefahren. Wetter sollte auch gut werden, und nun stand ich an der Kugelbake bei Cuxhaven und sah mir die herrliche Nordsee an. Aber die See hat es mir gezeigt. Alles weiß und ein ordentlicher Wind aus Nordwest so um 6 – 7 Beaufort. Das war es wohl auch. Also 5 – 6 Stunden, das heißt bis abends warten und noch mal nachdenken. War wieder nichts. Planung geändert und nach Spieka-Neufeld gefahren. War auch kein Problem. Was ich da wollte, weiß ich jetzt auch nicht mehr. Dort ist zwar ein guter Startpunkt, aber für meine Zwecke an dem Wochenende auch nichts. Hieß also: traurigen Herzens nach Hause fahren und die olle Elbe paddeln. So ’n Schiet.

 

2. Anlauf: … Urlaub auf der Dordogne

 

Bei dem zweiten Anlauf, d.h. Urlaub, Kopien, kurzer Start: alles schon zu Hause in Hamburg gestoppt. Stattdessen sollte es nun in Urlaub gehen, so richtig luschig mit Frau, Zelt und Zweier zur Dordogne in Frankreich. War ’ne Wucht in Tüten. Ein Urlaub, so richtig mit Seele bummeln lassen. Das war es auch.

 

3. Anlauf: Blankenese – Freiburg – Kugelbake – Helgolands Düneninsel

 

Aber was hatte Jens Offermann gemacht? Eine Woche mehr Urlaub erbeten (von Frau und Chef). Und wie er die verbraucht? Richtig! Nach Helgoland gepaddelt. Am Sonntag so um 09.30 Uhr ging es los, aber vom Bootshaus Blankenese elbabwärts.

 

Die erste Tide reichte bis Freiburg (ca. 50 km). Den Hafenpriel bei Niedrigwasser (NW) noch bis zum Hafen gepaddelt und in den Ort gelaufen. Na ja, ist ja gleich daneben. Ist ein netter Ort und es gab sogar einen etwas größeren Imbiss mit guten Speisen. Da ich durch die Tide viel Zeit hatte, bin ich zweimal durch den Ort gelaufen.

 

Bei Hochwasser (HW) Brokdorf ging es dann weiter bergab. Mein Ziel war Cuxhaven, und zwar der Bauhafen an der Kugelbake (ca. 43 km) . Dort hatte ich vor langer Zeit schon einmal gepennt. Aber wie es so ist nach langer Zeit, der Hafen ist bei Niedrigwasser verschlickt. Und nun? Es war da schon 23.00 Uhr und stockdunkel. Nur die Kugelbake war beleuchtet. Kurzerhand entschied ich mich für ein Nachtlager direkt unter der Bake im Steinrondell. Der Weg vom Wasser dorthin war ganz schön steinig. Also – Boot, Ausrüstung und Jens mussten über das Stack transportiert werden. Unter der Bake gab es eine kleine Sandwehe. Hier schlug ich mein Lager auf. Herrlich!

 

Aber die See ruft. Morgens um 07.00 Uhr nach Tee und Brot entschloss ich mich kurzerhand „Nun geht es rüber!“, aber nicht nach Neuwerk (ca. 22 km), wie mein eigentlicher Plan war, sondern direkt nach Helgoland (ca. 65 km). Bei leichtem östlichem Wind – so ca. 2 – 3 Beaufort – fuhr ich direkt am roten Tonnenstrich lang bis zum Großen Vogelsand. Nun: mein Freund Werner erzählte mir einmal, fahr’ weiter am Tonnenstrich bis zur Tonne 2 der Außenreede und bei gutem Wetter siehst du dann bald Helgoland. So war es dann auch. Nach ca. 4 Stunden sah ich Helgoland. Mein Eindruck war zu dieser Zeit „So doll ist das ja auch nicht, und wenn du jetzt schon Strand siehst, kann es nicht mehr weit sein!“

 

Aber 4 Stunden, das schafft auch kein Jens Offermann. Was ich als Strand ansah, entwickelte sich nach weiteren 3 Stunden als die weißen Häuser vom Helgoländer Oberland. Die Überfahrt nach Helgoland schaffte ich also in 7 Stunden. Udo Beier hatte mir den Tipp gegeben, auf der Düneninsel nebenan zu zelten; also hielt ich auf einen schönen Strand zu. Nur wie es in Touristenecke halt so ist, „Hier ist das Bootsfahren verboten!“ erzählte mir der Bademeister, der bei der Landung heran gelaufen kam. Aber er war gnädig und erlaubte mir, die Beine auszuschütteln.

 

Der Campingplatz liegt auf der anderen Seite der Düne und die paar Meter waren dann auch bald geschafft und das Zelt stand an einem schönen Platz direkt unter der Einflugschneise des kleinen Flugplatzes. Die Flugzeuge bemerkt man aber nach kurzer Zeit nicht mehr, und ich schon gar nicht; denn nach 2 Bierchen, einer Dusche und Rückfahrtplanung la ich auf der Matte und habe bis abends gepennt.

 

Auf der Lauer!

 

Wach wurde ich, weil es sehr stark wehte. Der Wind war nach Aussagen des Flughafentowers so 6 – 7, in Spitzen 8 Beaufort. Der Wetterbericht erzählte etwas von gleichen Windstärken am nächsten und übernächsten Tag. Also Donnerstag geht es zurück. Hoffentlich!

 

Was macht man eigentlich so lange auf Helgoland? Unterland bestaunt mit Hafen und Kureinrichtungen. Oberland bestaunt mit Bunkeranlagen, Langer Anna, Lummenfelsen und man höre und staune einer Kleingartenkolonie mit Zwiebeln und Gartenzwergen!

 

Retour nach Neuwerk in über 12 Stunden

 

Es wurde also Zeit, wieder los zu fahren. Donnerstag bei Niedrigwasser Helgoland um 13.30 Uhr ging es ins Kajak Richtung Neuwerk (ca. 53 km). Das Tollste war, der Wind hatte gedreht und war sehr schwach geworden. Ca. 2 – 3 Beaufort aus Südwest. So blieb es auch. Allerdings bei keiner guten Sicht (ca. 5 sm).

 

Bei so einer langen Tour über See bleibt man auch nicht ungesehen:

 

 

 

 

Den Kurs, den ich nun fuhr, lag bei 130 Grad und nach meiner Berechnung sollte Tonne 4 nach ca. 3:30 Stunden in Sicht kommen. Kam aber nicht; sondern Tonne 3 nach 4 Stunden. Meine Gedanken waren, nun wird es knapp und was mache ich, wenn der Ebbstrom einsetzt? Also erstmal weiter den roten Tonnenstrich bis zum Großen Vogelsand und dann nach Neuwerk sind es noch eine Seemeilen.

 

Die Dunkelheit nahm auch schon zu. Nur der Leuchtturm Neuwerk war im grünen Bereich. Also direkt darauf zu. Es ging so ziemlich glatt, weil auch kein Schiffsverkehr zu sehen war. Bei Einfahrt in die Hundeblaje war es nun stockduster und der Strom ging zügig bergab. Mit Müsliriegel, letzter Dose Bier und guten Mutes bis zum Deich Neuwerk war dann für heute das Tagwerk getan. Insgesamt war ich über 12 Stunden unterwegs gewesen. Habe herrlich unter Sternen geschlafen und morgens festgestellt, dass es nur noch ca. 100 m bis zur Badestelle gewesen wäre.

 

… weiter nach Otterndorf, zum Pagensand … nach Blankenese

 

Mein Freund der Wind hatte nun auch wieder gedreht und zugelegt. Wie hätte es auch anders sein können, natürlich mal wieder 4 – 5 Beaufort aus Ost und ich musste los; denn irgendwann ruft ja auch die Arbeit. Heute paddle ich nur noch bis zur Alten Liebe, dachte ich, und fuhr dann nach Tidenwechsel doch noch bis Otterndorf (ca. 42 km).

 

Der nächste Tag sah mich mittags auf der Rhinplatte und abends auf dem Pagensand (ca. 55 km).

 

Der Sonntag begann morgens mit Wind aus Ost und zu Anfang mit schönen, hohen Wellen, natürlich gegenan. Dann klang meine Helgolandtour mit einer luschigen Fahrt bis zum Bootshaus in Blankenese (ca. 27 km) aus.

 

Fazit

 

Alles in allem waren es ca. 335 km, für die ich 7 Paddel-Tage benötigte. Was sollte diese Quälerei eigentlich? Aber herrlich war es doch, bis auf den schmerzenden Hintern und das Kreuz. Also nie wieder Helgoland! Oder?

 

Text: Jens Offermann, Hamburg