02.09.2006 Tourentipp: Rund Sylt (ca. 90-100 km in 3-4 Tagen) (Revier/Inland)

 

Sylt gehört eigentlich in das Tourenprogramm einer jeden Küstenkanuwanderin und eines jeden Küstenkanuwanderers. Als Startort für die Touren Richtung Sylt kommen in erster Linie in Frage:

 

Schleuse, die in der Mündung des kleinen Flusses Vidå liegt;

 

und:

 

Sielhaus, welches die Entwässerung des Hinterlandes reguliert. Auf der Seekarte wird der Bereich vor dem Deich als „Hafen“ bezeichnet. In Wirklichkeit handelt es sich um einen kleinen Anleger (o. Boote), der bei Niedrigwasser gänzlich trockenfällt.

 

Ob nun Højer Sluse bzw. Südwesthörn als Startort gewählt wird, hängt im Wesentlich von der prognostizierten Windrichtung ab. Bei südlichem Wind bietet es sich an, von Südwesthörn aus zu starten, damit wir bei der Tour entlang der Seeseite achterlichen Wind haben. Bei nördlichem Wind empfiehlt es sich dagegen, die Seekajaks in Højer Sluse zu Wasser zu lassen.

 

Aber es ist natürlich auch möglich, von woanders her Sylt anzusteuern. Zur Auswahl stehen dabei:

 

 

Im Folgenden werden 3 alternative Touren vorgestellt, für die wir bei entsprechender Wetterlage mindestens 3 Tage benötigen.

 

Alternative 1: Dagebüll/Südwesthörn – Hörnum – Rantum/Wenningstedt – Nordspitze Sylt / Rømø – Højer Sluse (ca. 90-100 km)

 

1. Tag: Dagebüll / Südwesthörn – Hörnum – Rantum / Wenningstedt (ca.40-58 km)

 

Starten können wir von Dagebüll bzw. Südwesthörn. Da das Parken der Autos in Südwesthörn problemsloser ist, das Biwakieren in Südwesthörn weniger auffällt und das Einsetzen der Seekajaks relativ einfach möglich ist, empfiehlt es sich, von Südwesthörn aus zu starten. Außerdem ist die Strecke 6 km kürzer

 

Gestartet werden sollte bei Hochwasser (HW) Südwesthörn (= + 2:31 h HW Helgoland). Für die 26 km lange Strecke bis Hörnum sollten ca. 5 Std. angesetzt werden, obwohl es wegen der Unterstützung durch den Tidenstrom sicherlich schneller gehen wird. Aber zwischendurch sollten doch alle 60 – 90 Minuten ein Trinkpausen eingelegt werden (sofern wir nicht über einen Schlauch direkt Zugang zu einem Trinkbeutel haben, was uns ermöglicht, während des Paddelns zu trinken, ohne das Paddeln einzustellen!). Außerdem könnten wir ja auch einen Gegenwind haben, der uns am Tempomachen behindert.

 

Übrigens, aufgrund der besonderen Strömungsverhältnisse vor Südwesthörn ist es auch möglich, 1 Std. vor HW Südwesthörn in Richtung Sylt zu starten; den lt. „Stromatlas“ läuft der Strom vor Südwesthörn von +0:30 h bis +4:30 h HW Helgoland Richtung N bis NW.

 

Wer unbedingt von Dagebüll aus starten möchte (etwa weil er in der Nacht zuvor auf dem Zeltplatz von Dagebüll gezeltet hat und dort sein Auto parken kann), sollte versuchen, 3 Std. nach HW Helgoland am Wattenhoch des „Hörnumtiefs“ (liegt 4 km westlich von Südwesthörn) zu sein. Da es von Dagebüll bis zum diesem Wattenhoch 10 km sind, sollten wir also 2 Std. vorher von Dagebüll aus gestartet werden, also 1 Std. nach HW Helgoland (zur Info: HW Dagebüll = + 2:20 h HW Helgoland).

 

In Hörnum bietet es sich an, in Höhe des Leuchtturms anzulanden, und zwar am südlichen Rand des Ortes nahe eines Restaurants, welches sich unmittelbar neben dem Liegeplatz für Katamarane befindet. Die Zeit bis Niedrigwasser (NW) sollte genutzt werden, einmal Hörnum Odde, die Südspitze von Sylt, zu Fuß zu umrunden.

 

Kennung des Leuchtturms “Hörnum“:, „Fl(2)9s48m20M“

D.h. dass 2 Blitzlichter (Flash) ausgestrahlt werden, die alle 9 Sekunden wiederkehren, und zwar von einem 48 m hohen Turm, dessen Licht 20 (See-)Meilen weit sichtbar ist.

Übrigens, ein Blitz leuchtet ca. 1 Sek. auf, der nächste Blitz folgt nach einer Dunkelphase, die ebenfalls ca. 1 Sek. dauert.)

 

Nach NW Hörnum sollte dann wieder gestartet werden. Gepaddelt wird zunächst ca. 2 km mit dem Strom zur Südspitze und dann etwa 1 km gegen den Strom die Seeseite hoch in Richtung Westerland. Danach strömt es wohl auch noch einige Zeit (hier: + 1h HW Helgoland) entlang der Seeseite von Sylt Richtung Süd, aber wenn wir dicht entlang des Strandes paddeln, merken wir davon nicht so viel.

 

Wie weit sollte nun die Seeseite hinauf gepaddelt werden? Nun, zunächst bietet es sich an, Rantum anzupeilen. Es liegt ca. 12 km von der Südspitze entfernt. Wir sollten dort rechtzeitig vor der südlichen Strandkorbgrenze anlanden. Ab Rantum gibt es nämlich eine nahezu ununterbrochene Kette von Strandkörben bis hinauf nach Wenningstedt. Ein Biwakieren zwischen den Strandkörben ist jedoch nicht empfehlenswert. Haben wir dann noch Zeit & Kraft könnten wir dann natürlich versuchen, am 1. Tag noch weiter bis Wenningstedt zu paddeln. Wir sollten dann am Ende der Strandkörbe am nördlichen Rand von Wenningstedt direkt unterhalb des „Roten Kliffs“ (ca. 24 km von der Südspitze entfernt) anlanden. Insgesamt hätten wir dann am 1. Tag ca. 40 bzw. 52 km zurückgelegt. Beim Start von Dagebüll kämen nochmals 6 km hinzu.

 

Übrigens, in der Nähe der Strandkörbe befinden sich i.d.R. Duschen, Wasserhähne und Müllkörbe. Wer den Strandkorbbereich Richtung Ort verlässt, muss jedoch damit rechnen, Kurtaxe zu bezahlen.

 

Variante (1.1.a) – Abwarten in Hörnum: Übrigens, wenn auf der Seeseite die Brandung zu hoch ist und der Seewetterbericht für den nächsten Tag „leichten“ bis „schwachen“ Wind (hier: 2-3 Bft.) verspricht bzw. östlichen Wind, empfiehlt es sich, in Hörnum zu bleiben und dort neben dem Katamaran-Liegeplatz im Sichtschutz der Katamaran zu biwakieren. Das Lager sollte jedoch erst 1 Std. vor Sonnenuntergang aufgeschlagen werden … und das nahe liegende Restaurant sollte nicht nur wegen des WC aufgesucht werden!

Wenn die Tour jedoch in 3 Tagen abgeschlossen sein sollte, müssten wir jedoch dann am 2. Tag die 40 km hoch bis zur Nordspitze von Sylt paddeln.

 

Variante (1.1.b) – Ausweichrevier Halligen: Sollte für den nächsten Tag kein Windrückgang prognostiziert werden, war es wohl ein Fehler, überhaupt gestartet zu sein. Stattdessen hätten wir ein etwas windgeschützteres Revier aufsuchen können, z.B. die Halligen mit Start von Schlüttsiel in Richtung Hallig Oland bzw. Hallig Langeness. Das setzt natürlich voraus, dass wir die Seekarten und die Gezeitendaten von diesem Revier dabei haben!

 

Variante (1.1.c) – Retour per Seekajak o. Fähre: Nun aber ist es zu spät. Wir sitzen in Hörnum fest. Entweder warten wir einen Tag und paddeln dann, sofern der Wind akzeptabler wird, wieder zurück nach Südwesthörn (Start: kurz nach NW Hörnum). Bzw. wir brechen ab und fahren mit der Fähre von Hörnum nach Wittdün (Amrum) und von dort weiter über Wyk auf Föhr nach Dagebüll. Von dort können wir dann zu Fuß nach Südwesthörn laufen, um die Autos zu holen.

 

Variante (1.1.d) – Per Fähre in ein weniger schwieriges Revier: Wenn wir schon bei Ankunft in Hörnum einsehen, dass der Wind - somit auch der Seegang - uns in den nächsten Tag große Schwierigkeiten bereiten könnte, sollte wir kurz entschlossen schon am selben Tag, spätestens aber am nächsten Tag mit der Fähre von Hörnum (Sylt) über Wittdün (Amrum) nach Hilligenley (Hallig Langeness) fahren. Wir sind dann genau dort, wo wir u.U. angelandet wären, wenn wir gleich die Variante (1.1.b) gewählt hätten.

 

Variante (1.1.e) – „Flucht“ übers Gat: Übrigens, die Variante per Seekajak über das ca. 5 km breite Gat zwischen Sylt und Amrum zu „flüchten“, um dann in dem geschützteren Gewässer zwischen Armem und Föhr zu paddeln, bietet sich nur bei max. 3-4 Bft. Wind an, und das auch nur bei Stauwasser, d.h. die Stunde um Niedrig- bzw. Hochwasser herum. Auf alle Fälle sollten wir nicht versuchen, während der Zeit, wenn es dort auf dem Hörnumtief mit 4,7-5,4 km/h am stärksten strömt (hier: ca. 2 bis 4 Std. vor bzw. nach HW) (genauer: -6 h., -1 h bis 0 h. +4 h bis +5 h HW Helgoland) das Gat zu queren. Wegen der Abdrift wird dann die Tour mindestens doppelt so lange dauern, nämlich statt ca. 1 Std. nun 2-3 Std. Wenn wir schließlich auch noch so unvernünftig sind, und die Querung so wählen, dass der 4er Wind gegen den Tidenstrom bläst, können wir nicht sicher sein, ob wir drüben ankommen. Das gilt übrigens auch bei einem 4er Wind aus West bzw. einer einlaufenden Dünung, und zwar dann, wenn das Wasser wieder aufläuft; denn dort, wo das Watt von Föhr und Amrum beginnt, wird es genauso branden wie auf der Seeseite von Sylt. Dort aber wollten wir doch gerade wegen der Brandung nicht entlang paddeln!?

 

Variante (1.1.f) – Weiter auf der Wattseite von Sylt Richtung List: Natürlich ist es auch möglich, statt auf Besserung der Gewässerbedingungen zu warten, mit auflaufendem Wasser die Wattseite von Sylt hoch zu paddeln, Richtung Rantum und dann weiter in Richtung dem Siel von „Kreuz Wehle“, wo wir bei Hochwasser anlanden (ca. 15 km von Hörnum entfernt), aussetzen, biwakieren und am nächsten Tag die ca. 3 km per Bootswagen übersetzen können nach Keitum (Gut, wenn wir dann eine Landkarte dabei haben!), wo wir wiederum bei Hochwasser einsetzen und dann mit ablaufendem Wasser weiter ca. 1 km unter Land nach List paddeln können (ca. 15 km entfernt von Keitum).

 

2. Tag: Rantum / Wenningstedt – Sylt (Nord) (ca. 19-31 km)

 

Es empfiehlt sich frühestens 2 Std. vor HW Helgoland von Rantum bzw. Wennigstedt aus zu starten, zumindest aber so, dass wir spätestens bei Hochwasser die Nordspitze von Sylt bzw. die Südwestseite von Rømø erreichen können. Die Zielvorgabe ist dabei wichtiger als die Startvorgabe; denn der Strom ist in Strandnähe sowieso nicht so stark. Wenn es möglich ist, sollten wir dennoch die Strömung nutzen, die max. 1,1-1,8 km/h stark sein kann. Von Wenningstedt bis kurz vor Ende Sylts („Ellenbogen“) sind es ca. 19 km (südlich von Rantum dagegen ca. 31 km).

 

Kennung des Leuchtturms „List West“: „Oc.WRG.6s19m14-10M“

D.h. dass ein unterbrochenes Licht (Occulting) in 3 Farben (White/Red/Green) ausgestrahlt wird, welches alle 6 Sekunden wiederkehrt, und zwar von einem 19 m hohen Turm, dessen weißes Licht 14 (See-)Meilen, dessen grünes Licht 10 (See-)Meilen und dessen rotes Licht 10-14 Seemeilen weit sichtbar ist. Der Seekarte ist dabei zu entnehmen, in welchem Sektor welche Lichtfarbe zu sehen ist.

 

Im Norden von Sylt, in Höhe des Leuchtturms „List West“, bietet es sich an, anzulanden. Vorsicht: Nicht bei den parallel zum Strand verlaufenden alten Buhnenresten anlanden! Diese sind völlig verrostet und ragen teilweise wie Speere aus dem Wasser. Wer da hinein gerät, kann Materialbeschädigungen und Körperverletzungen nicht ausschließen!

 

Variante (1.2.a) – Übers Gat nach Rømø: Letztlich wegen der ungestörteren Biwakierbedingungen bietet es sich auch an, nicht an der Nordspitze von Sylt zu verweilen, sondern – sofern Wind & Seegang es erlauben – das ca. 5 km breite Gat („Lister Tief“) zwischen Sylt und Rømø zu queren und im Südwesten von Rømø westlich der beiden „Grenzbaken“ anzulanden. Die Strecke verlängert sich dadurch lediglich um knapp 2 km.

Empfehlenswert ist es, vom Leuchtturm „List West“ aus die Leuchttonne „4“, und dann die nördliche „Grenzbake“ anzusteuern und bei Hochwasser auf Rømø anzulanden; denn wer viel vor Hochwasser quert und dabei noch auf einen 3-4er Wind aus Ost trifft, der gegen den Strom bläst, könnte schnell in Schwierigkeiten geraten. Außerdem treffen wir auf den letzten 2 km vor Rømø auf einen Südwest-Strom, der noch 2 Std. (1 Std.) vor HW mit max. 2,5 km/h (1,8 km/h) strömen kann.

 

Kennung der Leuchttonne „4“ (im „Lister Tief“):, „Fl(2)R.5s“

D.h. dass 2 Blitzlichter (Flash) in Farbe Red ausgestrahlt werden, die alle 5 Sekunden wiederkehren.

 

Variante (1.2.b) – Per Bootswagen hinüber ins Watt: Ja, und was machen wir, wenn morgens in Rantum/Wennigstedt die Brandung so stark ist, dass an ein Paddeln auf der Seeseite nicht zu denken ist? Nun, per Bootswagen könnten wir über das „Rote Kliff“ hinüber zur ca. 4-5 km entfernt liegende Wattseite rollen und dort am Hafen von Munkmarsch einsetzen. Hoch bis List sind es ca. 13 km und weiter zur Nordspitze nochmals knapp 4 km. Wenn wir spätestens 3 Std. nach HW Munkmarsch dort im Hafen einsetzen, müssten wir die Strecke hinauf nach List bzw. bis zum „Ellenbogen“ schaffen.

 

3. Tag: Sylt (Nord) bzw. Rømø nach Højer Sluse (ca. 19-21 km)

 

Die Strecke bis zum dänischen Festland liegt zwischen 19 km (hier: Strandabschnitt nahe Leuchtturm „List Ost“) bzw. 21 km (hier: Strandabschnitt westlich der Grenzbaken von Rømø). Für diese Strecke benötigen wir ca. 4 Std., sodass wir spätestens 4 Std. vor HW Højer Sluse (≈ HW Munkmarsch = + 2:57 h HW Helgoland) von unserem Biwakplatz aus starten sollten. Um die Strömung richtig auszunutzen und um nicht die Orientierung zu verlieren, sollten wir stets am Rand des Fahrwassers entlang paddeln.

 

Variante (1.3.a) – Rückzug auf die Fähre: Wenn Wind & Seegang die Tour nach Højer Sluse zu schwierig erscheinen lassen, bleibt uns nichts anders übrig, auf Wetterbesserung zu warten bzw. zu versuchen je nach Startort entweder von „List Ost“ zum Hafen von List zu paddeln, um dann von dort per Fähre nach Rømø überzusetzen, oder von der Westseite von Rømø sich immer dicht entlang der sicheren Wattkante direkt zum Fährhafen von Rømø durchzukämpfen. Von dort müssten wir dann, per Bus bzw. Taxi zu unseren Autos fahren. – Ja, Faltbootfahrer, die per Eisenbahn bzw. Bus anreisen, hätten es jetzt etwas leichter!

 

Alternative 2: Højer Sluse – Wenningstedt – Hörnum – Südwesthörn (ca. 89 km)

 

(Ein Tourenbericht zu dieser Alternative kann auf der DKV-Homepage abgerufen werden:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Tourenbericht-Rund-Sylt.pdf )

 

1, Tag: Højer Sluse – Sylt (Nordspitze) – Wenningstedt (ca. 37 km)

 

Um keine Zeit zu verlieren, sollte bei HW Højer Sluse (≈ HW Munkmarsch) gestartet werden. Um die Strömung gut auszunutzen, sollten wir immer den Tonnen des „Højer Dyb“ entlang paddeln und schließlich auf den „Ellenbogen“ (Nordost-Spitze von Sylt) zuhalten. Zuvor ist jedoch darauf zu achten, dass wir dem Fährschiff List – Rømø nicht in die Quere kommen und behindern. Dann geht es ca. 5 km bis auf die Seeseite von Sylt. In Höhe des Leuchtturms „List West“ , bietet es sich an, an Land zu gehen. Vorsicht: Nicht bei den parallel zum Strand verlaufenden alten Buhnenresten anlanden! Diese sind völlig verrostet und ragen teilweise wie Speere aus dem Wasser. Wer da hinein gerät, kann Materialbeschädigungen und Körperverletzungen nicht ausschließen! Es verbleiben noch ca. 14 km bis Wenningstedt. Zu Beginn der Strandkorbgrenze am „Roten Kliff“ sollte angelandet und gelagert werden.

 

Variante (2.1.a) – Brandung: Wem die Brandung auf der Seeseite zu hoch ist, könnte versuchen, stattdessen die Wattseite von Sylt entlang zu paddeln. Mit auflaufendem Wasser müsste wir dann vom Leuchtturm „List West“ aus wieder am Strand des „Ellenbogen“ zurück paddeln (knapp 5 km) und dann über List (knapp 4 km) in Richtung Munkmarsch und weiter bis Keitum (ca. 14 km) paddeln, dort die Bootswagen herausholen und dann die Seekajaks die ca. 3 km lange Strecke bis zum Siel von „Kreuz Wehle“ hinüber ziehen. Am nächsten Tag könnten wird dort bei Hochwasser im Watt einsetzen und mit dem ablaufendem Wasser hinunter bis nach Hörnum (ca. 19 km) paddeln.

 

Variante (2.1.b) – Seeseite Nonstop: Wenn Aussicht besteht, dass am nächsten Tag der Seegang nicht mehr so hoch ist, könnten wir natürlich am 1. Tag die Tour am Leuchtturm „List West“ beenden, um dann am nächsten Tag die knapp 40 km lange Seeseite von Sylt in einem Rutsch durchzupaddeln. (s. die nachfolgenden Erläuterungen zum 2. Tag).

2. Tag: Wenningstedt – Hörnum Odde – Hörnum (ca. 26 km)

 

Bis hinunter zur Südspitze Sylts („Hörnum Odde“) sind es ca. 24 km. Es bietet sich an, 3 Std. vor HW Helgoland zu starten, auf alle Fälle aber so, dass wir abends das ca. 26 km entfernt liegende Hörnum erreichen. Übrigens, „Hörnum Odde“, die Südspitze von Sylt, sollten wir möglichst umrunden, wenn das Wasser ins „Hörnumtief“ strömt (hier: von -3 h bis +2 h HW Helgoland), auf alle Fälle aber nicht, wenn es am stärksten aus dem „Hörnumtief“ hinaus strömt (hier: von +4 h bis +6 h HW Helgoland).

 

Wenn uns der Seegang bei „Hörnum Odde“ zu kritisch erscheint, könnten wird natürlich auch die Fahrt in Höhe Hörnum abbrechen, nahe der Treppe über den Deich anlanden, die Seekajaks hinüber zur Straße tragen, dann per Bootswagen zur 1 km entfernt liegenden Ostseite von Hörnum und weiter bis zum Katamaran-Liegeplatz nahe des Leuchtturms “Hörnum“ rollen.

 

Variante (2.2.a) – Per Bootswagen nach Hörnum: Sollte uns die Brandung auf der Seeseite eine Tour hinunter nach Hörnum zu schwierig erscheinen, empfiehlt es sich, die ca. 23 km lange Strecke per Bootswagen  herunter zu rollen.

Als Kompromiss dazu bietet es sich auch an, nur bis zum ca. 11 km entfernt auf der Wattseite liegenden Seglerhafen von Rantum zu rollen, um dann von dort übers Watt nach Hörnum (ca. 12 km) zu paddeln. Damit wir noch etwas Wasser unterm Kiel haben, sollten wird 3 Std. vor NW Hörnum im Seglerhafen einsetzen und spätestens bei NW Hörnum (≈ -4 h HW Helgoland) unterhalb des Leuchtturms „Hörnum“ am Katamaran-Liegeplatz von Hörnum anlanden; denn ½ Std. später kippt die Tide und es beginnt dann wieder Richtung Rantum zu strömen.

Es ist aber auch möglich, Variante (1.2.a) zu wählen, d.h. von Wenningstedt hinüber nach Munkmarsch zu rollen und von dort aus wieder hinauf Richtung „Ellenbogen“ zu paddeln, um dann am nächsten Tag den Sprung zurück nach Højer zu wagen.

 

Variante (2.2.b) – … weiter bis Föhr (West): Bei optimalen Wetterbedingungen ist es auch möglich, nach Erreichen von „Hörnum Odde“ nicht weiter nach Hörnum, sondern stattdessen über das Gat zwischen Sylt und Amrum („Hörnumtief“) zur ca. 5 km entfernt liegenden „Amrum Odde“ zu paddeln. Die Querung sollte jedoch möglichst während der Stauwasserphase erfolgen.

Am Fahrwasserrand von „Amrum Odde“ warten wir dann (jedoch außerhalb des Naturschutzgebietes) ab, bis der Wasserstand es erlaubt, mehr oder weniger direkt hinüber nach Föhr (West) (mind. 2,5 km) zu paddeln. Südlich der Strandkorbgrenze (d.h. nördlich des „Kurhauses“) empfiehlt es sich anzulanden (nördlich davon bei einer Straße, die zum Strand führt, befindet sich ein WC und Wasseranschluss).

Am folgenden Tag könnten wir mit dem letzten ablaufenden Wasser zum Fahrwasser der „Norderaue“ (ca. 8 km) und dann mit Beginn des auflaufenden Wassers über die „Norderaue“ vorbei an Wyk auf Föhr entlang der „Föhrer Ley“ bis hinauf nach Südwesthörn (ca. 25 km) paddeln. Das ist ein abwechslungsreicher Umweg, der sogar ein Anlanden am Rand von Wyk auf Föhr zulässt. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass an diesem 3. Tag Niedrigwasser Wittdün (Amrum) so zwischen 1:30 Std. nach Sonnenaufgang und 12 Uhr liegt und zumindest ein Auto in Südwesthörn geparkt wird.

 

3. Tag: Hörnum – Südwesthörn (ca. 26 km)

 

Spätestens 1 Std. nach NW Hörnum sollten wir in Hörnum einsetzen und gleich die Tonne „19“ des Fahrwassers vom „Hörnumtief“ anpeilen. Anschließend geht es immer entlang des Fahrwassers und - nach Tonne „29“ - des Prickenweges. Dort wo das Wattfahrwasser nach Süden abschwenkt, paddeln wir Richtung Ost, vorbei an einer gelben Kabeltonne in den nur noch 2 km entfernt liegenden „Hafen“ von Südwesthörn.

 

Übrigens, eine Weiterfahrt hinunter nach Dagebüll ist weniger empfehlenswert. Hochwasser ist beim Wattenhoch „Föhrer Ley Nord“ (ca. 4 km westlich von Südwesthörn) um +2:29 h HW Helgoland. Dort aber herrscht von +0:30 h bis +3:30 h HW Helgoland einen nordwestlicher Strom. D.h. wer also 2 Std. vor bis 1 Std. nach HW Wattenhoch über das Wattenhoch die ca. 10 km in Richtung Dagebüll paddeln möchte, muss gegen einen Strom anpaddeln, der anfänglich bis zu 1,8 km/h schnell strömt. Ob sich das lohnt, muss jeder für sich selber entscheiden.

 

Variante (2.3.a) – Verlängern oder per Fähre zurück ans Festland: … und was machen wir, wenn am 3. Tag Wind & Seegang keine Rückfahrt nach Südwesthörn erlauben?

Nun, als Faltbootfahrer bietet es sich an, mit auflaufendem Wasser auf der Wattseite hoch an Rantum vorbei zum Siel „Kreuz Wehle“ (ca. 15 km) zu paddeln, dort auszusetzen und per Bootswagen zum knapp 2 km entfernt liegenden Bahnhof von Keitum so rollen. (s. auch Variante (1.1.f))

Allen anderen bietet sich nur an, 1 Tag zu warten, sofern eine Wetterbesserung in Aussicht steht, bzw. abzubrechen und mit der Fähre von Hörnum nach Wittdün (Amrum) und von dort weiter über Wyk auf Föhr nach Dagebüll zu fahren.. Südwesthörn können wir dann zu Fuß erreichen, um die Autos zu holen. (s. auch Variante (1.1.c))

 

Alternative 3 (Rund Sylt): Rømø (Hafen) – Wenningstedt – Hörnum – Rantumer Becken – (per Bootswagen nach Keitum) – List – Rømø (Hafen) (ca. 102 km)

 

Die Tourenalternative 3 sieht im Vergleich zu den Alternativen 1 und 2 eine tatsächliche Umrundung von Sylt vor. Je nach Wetterlage kann sie im Uhrzeigersinn oder andersherum erfolgen. Der Einfachheit halber starten wir die Tour vom Rømøer Hafen aus. Die Passage hinüber zum „Ellenbogen“, der Nord-Ost-Spitze Sylts, kann als „Zubringer“ angesehen werden. Ob die Umrundung in 3 oder 4 Tagen zu schaffen ist, hängt wohl wesentlich vom Wetter ab.

 

1. Tag: Rømø (Hafen) – Ellenbogen - Rantum (ca. 42 km)

 

Gestartet werden sollte vom Hafen in Rømø aus bei HW Rømø (≈ HW List = +2:49 h HW Helgoland)). Der „Zubringer“ zum Ellenbogen ist ca. 10 km lang. Das Gat zwischen Rømø und Sylt ist bei Hochwasser ca. 3 km breit. Bei einem 3-4er Wind aus West steht dort der Wind gegen den Strom und lässt die See aufsteilen. Wer dann nicht wirklich „seegangstüchtig“ ist, könnte bei der Querung hinüber zum „Ellenbogen“ Probleme bekommen. Es wäre daher bei solch einem westlichen Wind ratsam, schon 1 Std. vor HW Rømø (= +2 h HW Helgoland) den Hafen zu verlassen. Es strömt dann am Anfang noch etwas gegenan, dafür ist dann nachher im Gat die auslaufende Strömung und somit der Seegang (bei gegenan blasendem Wind) noch nicht so steil.

 

Bis zum Eingang des Gats sollte am Rand des Fahrwassers „Rømø Dyb“ gepaddelt werden. Bei Tonne „8“ könnte dann auf die Ostspitze des „Ellenbogen“ zugehalten werden. Zur Orientierung könnte die kurz davor verankerte Leucht-Tonne „15“ angepeilt werden. Es muss uns jedoch bewusst sein, dass wir zwischen dieser Tonne und „Ellenbogen“ auf Stromkabblung stoßen könnten. Wem das nicht behagt, lässt sich vom Strom Richtung West abtreiben und nähert sich erst beim Leuchtturm „List Ost“ dem Strand.

 

Kennung des Leuchtturms „List Ost“: „Iso.WRG.6s22m14-10M“

D.h. dass ein „Gleichtaktfeuer“ (Isophase) in 3 Farben (White/Red/Green) ausgestrahlt wird, (wobei die Lichtphase genauso lang ist wie die Dunkelphase und alle 6 Sekunden wiederkehrt), und zwar von einem 22 m hohen Turm, dessen weißes Licht 14 (See-)Meilen, dessen grünes Licht 10 (See-)Meilen und dessen rotes Licht 10-14 Seemeilen weit sichtbar ist. Der Seekarte ist dabei zu entnehmen, in welchem Sektor welche Lichtfarbe zu sehen ist.

 

Ab „Ellenbogen“ paddeln wir dann auf Strecken, die schon vorher hier in diesem Beitrag beschrieben wurden (s. Alternative 1, 1.+2.Tag ): Ca. 5 km sind es bis zum Leuchtturm „List West“, ca. 14 km bis Wenningstedt und ca. 13 km bis Rantum (südliche Strandkorbgrenze).

 

2. Tag: Rantum – Hörnum Odde – „Kreuz Wehle“ (ca. 31 km)

 

Von Rantum bis „Hörnum Odde“ sind es noch ca. 13 km (s. Alternative 1, 2.Tag). Anschließend geht es die Wattseite im südlichen Watt von Sylt hoch vorbei an Hörnum und Rantum bis zum Siel „Kreuz Wehle“ (ca. 18 km) (s. Variante 1.1.f). Dort biwakieren wir und setzen am nächsten Tag unsere Fahrt im nördlichen Watt von Sylt fort.

 

3. Tag: „Kreuz Wehle“ – Bootswagentransport nach Keitum (3 km) – Ellenbogen - Rømø (Hafen) (ca. 29 km)

 

Zunächst rollen wir per Bootswagen über geteerte Wege und Straßen, über die Schienen der Eisenbahn (Westerland – Niebüll) durch Keitum ins Watt von Keitum (ca. 3 km). Wer eine Landkarte dabei hat, dem fällt die Orientierung weniger schwer! Wenn wir bei Hochwasser starten (≈ HW Munkmarsch), können wir ohne viel Umweg unmittelbar am Rande von Keitum einsetzen. Wem es gefällt, mit dem Bootswagen durch Keitum zu rollen, da er dann die vielen friesischen Häuser bewundern kann, sollte erst am Ende von Keitum wieder einsetzen, und zwar dort, wo eines der ältesten Friesenhäuser Sylts steht, welches bei einer der letzten großen Sturmfluten nasse „Füße“ bekam, da das Watt bis kurz vor dessen Hausdeich reicht. (s. auch Variante 1.1.f)

 

Auf dem Wasser paddeln wir dann an Munkmarsch vorbei entweder in 1-2 km Abstand zur Insel oder entlang des „Panderttief“ und der „Lister Ley“ hoch nach List und weiter zum „Ellenbogen“. (ca. 18-19 km) (s. Variante 2.1.a). Ja, und dann geht es auf dem „Zubringer“ (s. die Erläuterung zum 1. Tag) hinüber zur Tonne „8“ und entlang des Fahrwassers zum Hafen von Rømø (ca. 10 km).

 

Der vollständige Beitrag (17 S.) ist auf der DKV-Homepage als Download abrufbar. Er umfasst zusätzlich zur Beschreibung dieser 3 Tourenalternativen weitere Infos u.a. über:

 

 

Der Beitrag stellt eine Ergänzung zu einem Tourenbericht „Rund Sylt“ dar, in dem der Ablauf einer solche Umrundung geschildert wird (s. Aktuelle Info v. 25.8.06).

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Sylt.pdf