16.12.2006 Impressionen von einer Tour durchs ostfriesische Watt (Revier/Inland)

 

Im SEEKAJAK schreibt Gerlinde Morsbach in dem Beitrag:

 

„Wie Träume liegen die Inseln im Nebel auf dem Meer …“

 

über ihre Eindrücke, die sie bei einer Tour zu zweit bei steifem bis stürmischen Wind zwischen Festland und Norderney/Baltrum erlebte:

 

„… Was uns hier erwartet, haben wir uns nicht träumen lassen: Clapotis, haushoch. Unberechenbare Wellen von allen Seiten. Dazu dieser aggressive böige Wind. Mehrfach reißt er mir das Paddel aus der Hand, wenn ich den Skeg einstellen will. Ein Argument für die Steueranlage? Ich denk mal darüber nach … Regen peitscht über die See, nagelt Löcher ins Wasser. Das Meer kocht. Wo ist das Festland? Die Sicht wird schlecht. War das eine gute Entscheidung? Unsere Blicken suchen sich, finden sich, wir nicken uns zu, machen weiter. …“

 

Es handelt sich wohl um einen Tourenbericht, der – was so typisch für so viele „Tourennacherzählungen“ ist – uns nicht erspart, darüber zu lesen, dass unterwegs zum Startort „warm duftende Rosinenbrötchen“ eingekauft wurden. Aber das musste wohl sein, damit sich die dann nachfolgenden Schilderungen der Impressionen über die eigentliche Tour umso deutlicher abheben und wirken können:

 

„… Der Regenbogen lockt mit einer magischen Anziehungskraft, der schwarze Himmel dahinter kann mich nicht schrecken. Welch eine Faszination übt dieses Licht doch immer wieder aus, die Weite, auch die Einsamkeit, die uns auf dem Wasser umgibt. Stille. Das Eins-Sein mit dem Universum. Baltrum erstrahlt in der tief stehenden Morgensonne, dieses zauberhafte kleine Paradies. Dann wieder wird die Sicht schlecht. Nebel kommt auf, von der Insel ist kaum noch etwas zu sehen. „Wie Träume liegen die Inseln im Nebel auf dem Meer“, hat Theodor Storm einmal gesagt. Ob er Baltrum je erspürt hat? …“

 

„… Wir erreichen die rote Fahrwassertonne. Ab hier wird es tatsächlich etwas ruhiger. Das habe ich oft erlebt. Wir genießen nun den Ritt auf den Wellenkämmen, verändern den Kurs so, dass wir ab und zu in den Surf kommen und mit pfeilartiger Geschwindigkeit auf der Welle vorwärts jagen. So muss das sein, so hat man die Tide zum Freund. So ist die Welt in Ordnung. Alles ist leicht und mühelos. Ein Traum? Oh nein, alles ganz wirklich. Ich höre dein Lachen, es verbindet sich mit meinem. Spüre deine Freude. Es stimmt, es klingt. Eine weitere Perle auf der langen und unendlich wertvollen Kette unserer „moments of excellence“.“

 

Quelle: SEEKAJAK, Nr. 104/06, S.42-43 – www.salzwasserunion.de