09.09.2013 Rund Fehmarn der Vierte (Revier/Inland)

 

Bei rund Fehmarn kommen wir auf mindestens 60 km. Das ist machbar in 1 bis 3 Tagen machbar, sofern Wetter & Kondition stimmen!

 

Wer auf Nr. Sicher gehen will und entsprechend leistungsfähig ist, sollte für die Umrundung - wie mein Clubkamerad Frank Niß - einen Tag ansetzen. Zumindest für 1 Tag ist nämlich das Wetter recht zuverlässig zu prognostizieren. D.h. am Wetter kann es dann nicht liegen, wenn wir nicht an einem Tag herum kommen.

 

Zweimal bin ich schon um Fehmarn gepaddelt, einmal in den 80er Jahren in 2 Tagen unter der Führung von Dieter Martinsen und ein anderes Mal auf meine Initiative hin in 2 ½ Tagen Anfang 2000:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Fehmarn.pdf

 

Danach folgten drei Umrundungsversuche vom Ort:

 

Gold (liegt im Westen von Fehmarn auf der Ostseite der Orther Bucht, nahe des Ortes Albertsdorf; die Seekajaks können am Tagesparkplatz gepackt und die 100 m zum Strand können per Bootswagen überwunden werden; die Autos selber werden über Nacht auf einem freien Parkplatz 500 m entfernt im Süden von Gold geparkt).

 

Gestartet wurde jeweils an einem Freitagnachmittag. Zweimal ließ ich wegen Starkregen schon am Samstagmorgen abbrechen und einmal wegen Starkwind am Sonntagmittag … nur noch 9 km vom Ziel entfernt.

 

Nach einigen Jahren „Fehmarn-Pause“ hatte ich mal wieder am 6.-8.9.13 ein paar Mitpaddlerinnen und –paddler meiner „Altersklasse“ dazu überreden können, mich bei meinen vierten Umrundungsversuch zu begleiten. Die Wetterlage war optimal. Seit 3 Tagen herrschten bei schwachen Winden (max. 3 Bft.) hochsommerliche Temperaturen.

 

Die 4+4-Tage-Seewetterprognose von www.wetteronline.de (> Segeln > westliche Ostsee > Fehmarn) war verlockend. Es sollte weiterhin schwach windig bleiben. Je näher jedoch der Starttag kam, desto mehr sollte es wehen. Schließlich wurden am Starttag 4 Bft. in Böen bis 7 Bft. prognostiziert jedoch mit Trend Richtung 3 Bft. in Böen 5 Bft.

 

Der 36-Std.-SMS-Seewetterprognose von www.wetterwelt.de am Starttag, 06 Uhr, klang weniger freundlich (mit FRP = Freitagprognose; SAP = Samstagprognose; SOP = Sonntagprognose; IST = tatsächlicher Wind lt. www.windfinder.de > Staberhuk)

 

Freitag (FRP // IST):

12 Uhr = SE 4-5 in Böen 5-6 // IST = SE 4 in Böen 5

18 Uhr = SE 4-5 in Böen 6 // IST = ESE 4 in Böen 4

 

Samstag: (FRP // SAP // IST):

06 Uhr = SE 4-5 in Böen 5-6 // SE 4-5 in Böen 6 // IST = SE 5 in Böen 5

12 Uhr = E-SE4 in Böen 5-6 // E-SE 4 in Böen 5 // IST = E 4 in Böen 4

18 Uhr = E-SE 4 in Böen 5 // E-SE 4 in Böen 5 // IST = E 4 in Böen 5

 

Sonntag: (SAP // SOP // IST):

06 Uhr = SE 4-5 in Böen 5-6 // E-SE 4-5 in Böen 5-6 // IST SE 5 in Böen 5

12 Uhr = E-SE 4-5 in Böen 6 // E-SE 5 in Böen 6 // IST SE 5 in Böen 5

18 Uhr = SE 4 in Böen 5-6 // SE 3-4 in Böen 6 // IST = S 2 in Böen 3 (ab 20 Uhr = W 4/5)

 

Montag (SOP // IST):

06 Uhr = W-NW 4-5 in Böen 6 (Schauer) // IST = NNW 3 in Böen 4

12 Uhr = W-NW 4 in Böen 6 (Regen) // IST = NW 5 in Böen 7

18 Uhr = W 4 in Böen 5 // IST = W 4 in Böen 5

 

Gestartet wurde am Freitagmittag um 14 Uhr in Gold. Bei Rückenwind ging es über die Orther Bucht direkt hinüber zum Sandhaken „Krummsteert“ und bei ablandigem Wind die Westküste hoch vorbei am Flügger Leuchtturm, am Zeltplatz Flügge, NSG Wallnau, am Zeltplatz nahe Bojendorf bis fast hoch zur Nordwestspitze von Fehmarn.

 

Am Samstag wurde dann entlang der nördlichen Ost-Küste gepaddelt vorbei an diversen Zeltplätzen und dem Niobe-Denkmal in Richtung Puttgarden. Es war uns bewusst, dass die Windbedingungen grenzwertig waren insbesondere für einige Mitpaddler, die über nur wenige Brandungserfahrungen verfügten. Dennoch wollten wir versuchen, bis hinunter nach Staberhuk zu kommen. Notfalls sollte unterwegs abgebrochen und gegebenenfalls die Tour bis Montag verlängert werden.

 

Der 4er Wind aus östlicher Richtung ließ in Ufernnähe die Wellen brechen. Da 5-6er Böen prognostiziert wurden und die Untiefen vor der Küste mehrere hundert Meter ins Meer reichten, war entlang der südlichen Ost-Küste mit einem breiten Brandungsgürtel zu rechnen. Als der Wind zeitweise zunahm und wir vor Puttgarden ab & an durch 80 cm hohe Brecher navigieren mussten, entschlossen wir uns zur Umkehr und Rückfahrt bis zum Zeltplatz bei Flügge.

 

Am Sonntag trennten uns noch 10 km bis Gold. Es weht mit 5 Bft. aus SE, also genau gegenan. Mit 3-4 km/h kämpften wir uns vor. Zunächst ging es bis zum Flügger Leuchtturm. „Wenn der Wind uns die Querung der Orther Bucht nicht ermöglichen würde, könnten wir doch in Höhe des Leuchtturms aussteigen und per Bootswagen Richtung Orth ziehen“, meinte eine Mitpaddlerin. Aber noch ging es voran, wenn auch manchmal das GPS-Gerät bei der Geschwindigkeitsangabe eine 2 vorm Komma anzeigte. Schließlich erreichten wir das Ende des Sandhakens „Krummsteert“. Von dort aus waren es nun nur noch 3 km hinüber über die Orther Bucht bis Gold. Aber vor lauter Brechern war Gold kaum noch auszumachen. Das Risiko, die Bucht zu queren, war für die Gruppe einfach zu groß. Also versuchten wir, die Bucht auszufahren. Notfalls konnten wir – sofern der Seegang nicht mehr für uns beherrschbar war - den am Buchtende entlang laufenden Fahrradweg als Notlandplatz nutzen. Zunächst paddelten wir mit Wind & Welle Richtung dem Hafen von Orth. Die See bäumte sich hoch auf, schmiss jedoch keinen von uns um. Als die See etwas flacher wurde, änderten wir den Kurs und paddelten gegen den Wind Richtung Lemkenhafen und irgendwann weiter zum Warder. Schließlich erreichten wir Gold. Der Umweg von 3 km hatte sich gelohnt; denn wir sind sicher, wenn auch nicht ganz trocken, aber dafür nicht total durchnässt an unserem Ziel angelandet.

 

Und die Alternative? Ob wir am Samstag die Ost-Küste bis hinunter nach Staberhuk geschafft hätten, wissen wir nicht. Wohl aber vermute ich, dass wir die dann anstehende Sonntags-Passage entlang der Südküste bei 5 Bft. aus SE spätestens bei Burgstaaken hätten abbrechen müssen … sofern überhaupt von Staberhuk aus ein Start möglich gewesen wäre!

 

Ja, das ist meine „Geschichte“ von Rund Fehmarn, einer kleinen Insel in der „Baltischen See“ (westliche Ostsee), die wir so am Wochenende umrunden können … wenn das Wetter stimmt und wir fit sind; denn spätestens ab 4 Bft. Wind würde wir dann mindestens auf einer Seite von Fehmarn schwierige Gewässerbedingungen erleben. Wer dann nicht über Brandungserfahrungen verfügt, kann Probleme bekommen … und wer dann kentert, würde es spätestens in diesem Moment  bereuen, seine Eskimorolle nicht durch ständiges Training perfektioniert zu haben!

 

Text: Udo Beier