20.01.2015 Rund Rügen … nicht nur im Sommer (Revier/Inland)

 

Im KAJAK-MAGAZIN (Nr. 3/12, S.18-23) berichtete Jörg Knorr in dem Beitrag:

 

„Rund um Rügen im Seekajak“

 

über seinen dritten Start rund der größten Insel Deutschlands, nämlich Rügen (ca. 200 km). Beim ersten Mal musste er die Umrundung wegen allzu starken Windes abbrechen. Beim zweiten Mal klappte es. Gerundet wurde dabei im Uhrzeigersinn. Nun versuchte J.K. es das dritte Mal mit Start von Stralsund aus (è Stralsunder Kanu Club), wobei in 6 Tagen entgegen dem Uhrzeigersinn gerundet wurde.

 

Der Beitrag ist professionell geschrieben, d.h. es wird weniger darüber berichtet, wie der morgendliche Kaffee mundet, während der Regen aufs Zelt trommelt, vielmehr erfahren wir etwas über Land & Historie. Er enthält eine Vielzahl von Kurz-Infos (hier: über mögliche Startorte, geeignete Zeltplätze; inkl. einer übersichtlichen & lesbaren Kartenskizze mit Tourenverlauf (erstellt vom Kartografen Jübermann)). Leider finden wir keinen Hinweis darüber, dass die Jasmunder Kreideküste zum Nationalpark Jasmund gehört und ein Anlanden dort unter den Kreidefelsen nicht erlaubt ist, auch wenn tagtäglich tausende von Touristen am Fuße der Kreidefelsen entlang des Spülsaums wandern. Warum das? Nun, die Seegraswiesen vor der Kreideküste sollen vorm Schiffsverkehr geschützt werden und der Gesetzgeber war nicht bereit zwischen motorgetriebenen und muskelgetriebenen Wasserfahrzeugen zu unterscheiden. Schließlich erfahren wir in dem Beitrag, dass der Autor seine Infos über die Wetterentwicklung per Telefon von daheim erhalten hat. Ja, zumindest zum Zeitpunkt der Tour (è 5/11) gab es schon die Möglichkeit, per SMS-Bezahlwetterdienst (è z.B. www.wetterwelt.de) gezielt Wetterinfos über das Revier Rügen abzurufen … und heutzutage – im Zeitalter der Smartphones – würde ein Wetter-App genügen, um stets auf dem Laufenden zu sein!?

 

Zur Lektüre wird das Buch von:

 

B.Grünke/D.Stöcker: Kanuguide Ostsee (2007, 128 S.)

 

empfohlen (wobei 37 Seiten das Rügener Revier betreffen) und zur Navigation beliebiges Kartenmaterial, sofern der Maßstab stimmt (max. 1:100.000). Wer noch mehr Literatur einsehen möchte, kann z.B. auf das Buch von:

 

B.Nehrhoff von Holderberg, Dänische Südsee / Deutsche Ostsee (2011, 287 S.)

 

zurückgreifen (43 Seiten betreffen das Rügener Revier) bzw. nach:

 

Jübermanns „Tourenatlas Wasserwandern, Nr. 6: Mecklenburg-Vorpommern (86 S.)

 

navigieren. Dort wird insgesamt auf 7 DIN A4 Karten das Rügener Küstenrevier dargestellt. Es empfiehlt sich, diese Karten auf DIN A3 Format zu vergrößern und beidseitig einzulaminieren; denn solch ein großes Format ist nicht nur lesbarer, sondern auch weniger gefährdet, von einem Brecher vom Kartendeck gespült zu werden.

 

Nun, Jörg Knorr rundete Ende Mai. Christian Zicke paddelte dagegen mit seinem Team zu einer Zeit, als die Sandstrände und manche Hafenbefestigungsanlagen Rügens mit Eis bedeckt waren. Im KANU-MAGAZIN, Nr. 1/15, S.66-71,. berichtet er darüber in dem Beitrag:

 

„Mission Rügen. Vier Männer, eine Insel, kein Plan“

 

Am Anfang des Beitrages wird von einer „Winterumrundung der Insel Rügen“ gesprochen. Dann erfahren wir, dass die Karten unterwegs irgendwo liegen gelassen wurden, aber durch die Infos aus dem Smartphone ersetzt werden konnten. Das war’s mit Infos. Weder können wir auf einer Kartenskizze den Tourenverlauf verfolgen, noch erfahren wir, wie viel Zeit für diese „Mission“ zur Verfügung stand, wann gepaddelt wurde, wo gestartet wurde (Lohme (?), dann weiter über SassnitzProra; – Binz – Göhren – Lobbe – Thiessow – Klein Zicker / Groß Zicker (?) – retour bis Thiessow).

 

Nach 3 Tagen war dieser „Winterspuk“ vorbei. Gegenwind mit geschätzten oder „gefühlten“ 6-7 Bft., geschätzte oder gefühlte Seegangshöhe von max. 2,50 m und Eisgang in den Buchten von Klein & Groß Zicker zwangen die ansonsten see-, insbesondere brandungs- und wintertüchtigen, aber auch „trinkfesten“ (èChantré“ war wohl ihr Lieblingsgetränk!?) „Lettmänner“ (genauer: „Biskayaker“, denn nach den Fotos zu urteilen paddelten alle 4 jeweils in einem „Biskaya“)  zum Abbruch:

 

…„Frohen Mutes satteln wir (im Windschatten von Göhren) die Boote und paddeln los. Am Ende der Landzunge („Nordperd?) bekommen wir dann voll Breitseite. Wind aus südlicher Richtung (wer hätte gedacht, dass der so kalt sein kann?) treibt uns die Tränen in die Augen. Wir kämpfen, fluchen weinen und schreien. … Erste Zeichen von Schwäche kommen auf. … Zu hart ist der Kampf gegen die Gewalten, zu kalt die verfluchte Winterluft. Psychisch wie physisch sind wir angegriffen, doch die Gruppe macht uns stark. … An Thiessow vorbei biegen wir Richtung Südwesten ab. Mittlerweile wird das Vorankommen nicht nur von Wind und Wellen gebremst, auch Eisschollen haben sich gebildet. Krachend zerbersten sie unter den Kohlefaser-Rümpfen unserer Kajaks. Wellen mit einer Höhe von bis zu zweieinhalb Metern schütteln unsere Kajaks durch. Kreuzsee erschwert das Vorankommen. …

 

Der sechs lange Seiten kurzer Sinn: Die Tour wurde am dritten Tag nach ca. 60 von 200 möglichen Kilometern abgebrochen. Geblieben sind 12 Fotos und wohl die Erkenntnis, dass wir bei Wintertemperaturen nur bei mäßigen Winden (max. 3 Bft.) küstenkanuwandern sollten. Wer von dem Beitrag mehr über Rügen zu erfahren hoffte wird jedoch enttäuscht sein. Warum auf den 6 Seiten kaum konkrete Tourendaten zu finden sind, ist eigentlich unverständlich. Liegt das etwa daran, dass zwei Hefte vorher im KANU-MAGAZIN (Nr. 5/14, S.10-17) schon einmal ausführlich über rund Rügen berichtet wurde?

 

Nehrhoff,B.: „Royaler Ritt rund Rügen.

Mit dem Seekajak um Deutschlands größte Insel

 

Text: Udo Beier