21.03.2015 Wattenmeer: 3-Std.-Regelung korrekturbedürftig? (Revier/Inland)

 

Für die Befahrung im Nationalpark Wattenmeer (hier: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen) ist das Bundesinnenministerium zuständig. Es hat die Befahrung in der „Befahrensverordnung Nordsee“ (Verordnung über das Befahren der Bundeswasserstraßen in Nationalparken im Bereich der Nordsee) (NPNordSBefV) schon seit 1992 geregelt:

 

www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/npnordsbefv/gesamt.pdf

 

Eine zentrale Aussage dieser Verordnung finden wir in §4 (1):

 

·         „Es ist untersagt, die Bundeswasserstraßen in den jeweiligen Zonen I der Nationalparke außerhalb der Fahrwasser …. in der Zeit von drei Stunden nach bis drei Stunden vor Tidehochwasser zu befahren.“

 

D.h. während der 6-stündigen Niedrigwasserphase dürfen wir nur noch dann durch die Zone I („Ruhezone“) paddeln, sofern dort hindurch ein ausgetonntes oder ausgepricktes Wattfahrwasser verläuft und wir dieses Fahrwasser mit unseren Kajaks nicht verlassen.

 

Diese sog. „3-Stunden-Regelung“ stellt einen diskutablen Kompromiss dar, über den sich die Naturschützer und –nutzer einigen konnten. Wie jeder Kompromiss hat jedoch auch dieser Kompromiss einige Haken; und zwar dort, wo Wasserflächen auch während der Niedrigwasserphase nicht trockenfallen (z.B. westlich der Knechtsände (südwestlich von Neuwerk) und westlich von Süderoog- und Norderoogsand (westl. von Pellworm). Denn diese Gebiete erreichen Küstenkanuwanderer nur in der Niedrigwasserphase, also dann, wenn diese Gebiete nicht befahren werden dürfen. Wer dennoch diese Gebiete westlich umrunden will, muss derzeit größere Umwege paddeln, was nicht ganz ungefährlich ist.

 

Deshalb hatte der DKV 2006 die Initiative ergriffen und versucht, die 3-Std.-Regelung abzuschaffen. Im Rahmen eines Kompromisses wäre das jedoch nur akzeptabel gewesen, wenn dafür zusätzliche Gebiete als Zone I-Gebiete ausgewiesen worden wären. Leider konnte man darüber keine Einigung finden.

 

Was bleibt sind immer mal wieder Versuche, die knapp 25 Jahre alte Befahrensverordnung zu novellieren. Gründe finden sich dafür immer, obwohl sowohl die Befahrensdisziplin also auch die Befahrenshäufigkeit keinen ‚Anlass liefern, tatsächlich eine Novellierung voranzutreiben.

 

Text: Udo Beier