05.01.2005 Luftdruckschaukel und nordatlantisches Klimasystem (Wetter)

 

In der Zeitschrift FORSCHUNG (DFG) berichtet Prof. B.Brümmer in dem Beitrag:

 

„Das Klima auf der Luftdruckschaukel“

 

über die Entwicklung des Wetters in Europa:

 

„Warum war der Sommer 2003 so schön und der im Jahr davor verregnet? Oder warum war der letzte Winter so mild? War dies die Folge einer rein zufälligen Häufung kurzzeitiger Wettersysteme (Hoch- und Tiefdruckgebiete)? Oder gibt es einen langfristigen Trend oder langzeitige Perioden in der Häufung kurzzeitiger Wetterereignisse? …

 

Dass das Wetter in Europa sich dauernd ändert und nicht wie in den Tropen relativ gleich bleibt, liegt vor allem am nordatlantischen Klimasystem. Es umfasst:

 

 

Jede dieser Teilkomponenten beeinflusst die anderen. Verantwortlich für kurze Zeiträume, also für Schwankungen von Tag zu Tag bis zu Schwankungen von Jahr zu Jahr, sind interne Wechselwirkungen, vor allem die zwischen Ozean und Atmosphäre.

 

Sich über Jahrhunderte oder noch länger entwickelnde Veränderungen beruhen vorwiegend auf externen Einflüssen, wie veränderliche Abstrahlung der Sonne oder gar Kontinentalverschiebungen. Modelle zur Wettervorhersage liefern heute recht gute Prognosen für weniger Tage bis zu einer Woche. Über einen Zeitraum von zwei Wochen hinaus sind solche Vorhersagen nicht mehr möglich.

 

Nach heutigem Kenntnisstand gibt es im nordatlantischen Klimasystem so genannte Schlüsselprozesse und –orte, durch welche und an den Wirkungen ausgelöst werden können, auf die das globale Klima empfindlich reagiert. Eine solche Schlüsselregion ist die Framstraße, die Meerenge zwischen Grönland und Spitzbergen. ..

 

… Das dominierende Luftdruckmuster im nordatlantischen Raum ist die so genannte Nordatlantische Oszillation (NAO). Sie ist gekennzeichnet durch Schwankungen der Stärke der Tiefs bei island und des Hochs bei denAzoren. Die typischen Perioden der Schwankungen liegen im Bereich von Wochen bis Jahren:

 

 

Die NAO-Luftdruckschaukel ist schon seit mehr als hundert Jahren bekannt. Untersuchungen mit Prinzipmodellen zeigen, dass die Ausprägung der NAO bei der gegebenen Land-Meer-Verteilung auf der Nordhalbkugel vom Längengradabstand der quasi permanenten Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik und dem Nordpazifik abhängt. …

 

Eine Besonderheit des nordatlantischen Klimasystems ist die Kopplung mit dem Arktischen Ozean und damit dem Hauptgebiet der Meereisbildung auf der Nordhalbkugel. Beim Gefrieren von Meerwasser wird Salz freigesetzt. Das umgebende Wasser nimmt dieses Salz auf, wird schwerer und sinkt ab. Dieser Prozess führt zu einem großräumigen Umwälzen von Wasser im Nordatlantik. Dichteres Wasser strömt in der Tiefe aus dem Arktischen Ozean und über einige untermeerische Schwellen zwischen Grönland und Schottland hinweg in den Nordatlantik. Zum Ausgleich strömt oberflächennah leichteres Wasser vom Golfstrom kommend vor Norwegen nordwärts.

 

Zum allergrößten Teil driftet das im Arktischen Ozean gebildete Meereis durch die Framstraße und im Ostgrönlandstrom südwärts in den Atlantik. Dort hinterlässt das schmelzende Eis eine „Süßwasser-Linse“, die aufgrund der stabilen Dichteschichtung Vertikalvermischungen erschwert. Durchschnittlich strömt pro Jahr etwa ein Zehntel der arktischen Eisfläche durch die Framstraße, was dem 120-fachen Süßwassertransport der Elbe entspricht. Allerdings schwankt der jährliche Eistransport durch die Framstraße stark. Mittels Feldexperimenten und Modellrechnungen soll geklärt werden, auf welche Weise Tiefdruckgebiete die Eisdrift beschleunigen oder bremsen (aber auch umgekehrt: inwiefern die Eisdrift und seine Folgeerscheinungen Einfluss auf die Entwicklung der Tiefdruckgebiete ausübt). …

 

Quelle: FORSCHUNG (DFG), Nr. 3-4/04, S.5-7 – www.dfg.de