20.04.2005 Wetterregeln (Wetter)

 

Die YACHT führt in dem Beitrag:

 

„Von Cirren und Irren“

 

ein paar „alte maritime Wetterweisheiten“ auf, die „mehr als amüsante Reime sind. Sie stecken voller Wahrheit. Ausnahmen bestätigen die Regel. Sie treffen wohl nicht immer ins Schwarze, geben jedoch oft eine gute Möglichkeit, sich zumindest eine grobe Orientierung zu verschaffen.“ Grundsätzlich spiegeln jedoch solche Wetterregeln unsere Wetterverhältnisse an Nord- und Ostsee wider. Wer z.B. schon entlang der ostschwedischen Schärenküste paddelt kann dann mit den „deutschen“ Wetterregeln nichts anfangen. Er müsste auf „schwedische“ Wetterregeln zurückgreifen.

 

Im Folgenden werden beispielhaft ein paar Wetterregeln aufgeführt:

 

Diese Regel ist auch unter „Abendsrot – Schönwetterbot.“ bekannt.

Eine Schlechtwetterfront ist gerade abgezogen. Vom Westen her naht zumindest ein Zwischenhoch, welches der Sonne ermöglicht, die im Osten gen Osten abziehenden Wolken farbig zu beleuchten.

 

… oder: „Morgenrot – Schlechtwetter droht.“

Im Osten zieht gerade ein Hoch ab, im West folgt die nächste Schlechtwetterfront, die von der aufgehenden Sonne beleuchtet wird.

 

… aber: „In Frauen und Cirren kann man sich irren.“

Insbesondere wenn die Cirren vom Höhenwind auf den ganzen Himmel verteilt werden, steht schlechtes Wetter bevor.

 

… oder: „Gibt Ring oder Hof sich Sonn’ und Mond, bald Regen und Wind uns nicht verschont.“

Die Konturen z.B. der Sonne verschwinden am Rand. Spätestens wenn sich um die Sonne ein farbloser Lichtkranz (sog. Halo) bildet, ist bald mit dem Eintreffen einer Warmfront und folglich mit Regen zu rechnen.

 

… oder: „Oft gibt der West schönem Wetter den Rest.“

und: „Weht der Wind dauernd aus Süden, ist uns bald Regen beschieden.“

Tiefausläufer kommen i.d.R. aus westlicher Richtung. Hochdrucklagen sind dagegen mit östlichen Winden verbunden.

 

… oder: „Wenn am Morgen kein Tau gelegen, warte bis Abend auf sicheren Regen.“ Bei einem stabilen Hoch sinken in der Nacht bei wolkenfreiem Himmel und wenig Wind die Temperaturen, was die bodennahen Luftschichten kondensieren lässt. An den Wänden der Zelt bildet sich Tau. Erst mit Annäherung der nächsten Warmfront bleiben die Zelte zumindest vom Tau verschont.

 

Auch bei Hochdrucklagen können sich Wolken bilden. Solange die Wolken nicht dichter werden oder sich mehrere Schichten an Wolken bilden, ist das nicht weiter schlimm. Die Wolken entstehen, da die Sonneneinstrahlung warme und feuchte Luft aufsteigen lässt. „Je weißer die Wolke, desto weniger Wasserdampf enthält die Luft.“ … und desto eher können wir davon ausgehen, dass der Wasserdampf von der lokalen Erwärmung des Bodens und nicht von einer nahenden Warmfront stammt. Übrigens, abends lösen sich i.d.R. die meisten dieser Wolken wieder auf.

 

Das sind aber nicht die einzigen Regeln. An die Folgenden sollten wir uns auch erinnern:

 

D.h. jede Windrichtungsänderung bringt ein anderes Wetter mit sich.

 

…; denn dann ist mit einer Windzunahme auf 6-8 Bft. zu rechnen. (Der Luftdruck wird hierbei in hPa gemessen.)

 

…; denn alles deutet auf einen schweren Sturm hin.

 

Es handelt sich hier um die sog. „Querwindregel“. Weht der Höhenwind (wir erkennen ihn an der Zugrichtung der hohen Wolken) um 90° verdreht zum Bodenwind, ist mit einer Veränderung des Wetters zu rechnen. Übrigens, verschlechtern tut sich das Wetter, wenn wir uns mit dem Rücken zum Bodenwind stellen und der Höhenwind von links kommt (denn das Tief wandert direkt auf einen zu) und verbessern, wenn der Höhenwind von rechts kommt (denn das Tief wandert ab

 

Das gilt insbesondere dann, wenn bei Westwetterlagen rasche Wetterwechsel zu beobachten sind Dann sind manchmal Regen und Zwischenhochphasen an einem Tag zu erleben. D.h. so schnell wie die Regenfront gekommen ist, so schnell zieht sie auch wieder ab. Die obige Regel gilt zumindest bei uns im Frühjahr und Herbst.

 

Quelle: YACHT, Nr. 9/05 v. 20.04.05 – www.yacht.de

Literatur:

Karnetzki,D.: Das Wetter von morgen. Praxis für den Yachtsport, 5.Aufl. 2001, S.35-53.

Watts,A.: Das Wetter-Handbuch, 1998, S.130-138.

Houghton,D.: Das Wetter auf See, 1999, S.81-83.