21.04.2007 See- und Landwind: 10 windige Tatsachen (Wetter)

 

In SEGELN ist der 3. Teil des 16-seitigen Sonderheftes „Wetter Spezial“ erschienen. Folgende Themen werden behandelt: Küstenkonvergenzen, Land/Seewind, Nebel. Luftfeuchtigkeit und Gewitter.

 

Interessant ist insbesondere der Beitrag über „Land- und Seewind“:

 

  1. See- und Landwinde sind lokale, thermische Winderscheinungen. Sie sind auf starke Temperaturgegensätze zwischen den Luftmassen über Land und See zurückzuführen.
  2. Tagsüber erwärmt sich durch starken Sonnenschein das Land schneller als das Wasser. Die wärmere Luft steigt auf. Damit kein Vakuum entsteht, strömt die über dem Wasser liegende kältere Luft sofort nach: der Seewind (Seebrise). Je nach Temperaturen fängt der Seewind so ab 11 Uhr an zu wehen. 2 Std. nach Mittag erreicht er sein Maximum. Kurz nach Sonnenuntergang – bzw. kurz nach einsetzender Bewölkung – flaut der Seewind wieder ab.
  3. Nachts kühlt das Land stärker ab als das Wasser. Die Folge: die wärmer Luft über dem Wasser steigt auf, was dazu führt, dass sofort vom Land her kältere Luft nachströmt: der Landwind. Seinen Höhepunkt erreicht er zwischen 1 – 3 Uhr nachts. Kurz vor Sonnenaufgang flaut der Landwind ab.
  4. Insbesondere der Seewind kann bis zu 100 km ins Land hineinreichen.
  5. Dort wo der Seewind auf den normalen Wind über Land trifft, liegt die sog. „Seewindfront. Wir erkennen sie an der stärkeren Wolkenbildung. Schauer sind nicht auszuschließen.
  6. Das Vorherrschen des Seewindes kann auch an der Cumulus-Wolkenbildung über Land (Küste, Insel) erkannt werden.
  7. An der Ostsee kann der Seewind bis zu 4 Bft. und der Landwind bis zu 3 Bft. erreichen.
  8. Im Mittelmeer kann der Seewind bis zu 6 Bft. (25 Knoten) erreichen, was das Paddeln sehr erschwert (Brandung) bzw. entlang von Steilküsten fast unmöglich macht (Kreuzseen; Kapeffekte).
  9. An Nord-/Ostsee tritt er nur bei viel Sonnenschein auf.
  10. Der Gradientwind (das ist jener Wind, der vom Hoch zum Tief weht) beeinflusst die Stärke des See-/Landwindes und umgekehrt.

a)      Wehen Seewind (z.B. 2 Bft.) und Gradientwind (z.B. 3 Bft.) aus derselben Richtung, dann verstärken sie sich (hier: 5 Bft.), z.B. trifft das tagsüber bei einem Gradientwind aus Ost entlang der schleswig-holsteinischen und jütländischen Ostseeküste zu.

b)      Kommt der Gradientwind (z.B. 2 Bft.) dem Seewind (z.B. 2 Bft.) entgegen, dann vermindert sich der Wind (hier: 0 Bft.), z.B. trifft das tagsüber bei einem Gradientwind aus Ost entlang der schleswig-holsteinischen und jütländischen Nordseeküste zu.

c)       Bei parallel wehendem Gradientwind können wir die neue Windrichtung anhand eines Kräfteparallelogramms zeichnerisch errechnen.

 

Quelle: SEGELN, Nr. 5/07, Sonderheft Teil 3, S.58-59 – www.segelnmagazin.de