13.11.2012 Bora (Kroatien) (Wetter)

 

Die Bora wird ausgelöst, wenn ein Hoch über Mitteleuropa bzw. ein Tief über Süd-Italien bzw. Griechenland den Wind über Kroatien auf Nord-Ost bis Ost drehen lässt. Dieser Wind weht dann über das Küstengebirge von Kroatien und schiebt die kalte Luft, die über diesem Gebirge liegt, vor sich her, bis sie hinunter auf die Adria „fließt“. Manchmal jedoch „fließt“ die über dem Gebirge liegende Kaltluft auch von alleine - einer „Lawine“ gleich - herunter (sog. „katabatischer Wind“):

 

è www.kanu.de/nuke/downloads/Bora.pdf

 

Wie können wir als Küstenkanuwanderer, die zwischen Rijeka und Dubrovnik unterwegs sind, erkennen, dass die Bora, die meist mit mehr als 7 Bft. bläst und zusätzlich durch Kap- und Düseneffekte verstärkt wird, unmittelbar bevorsteht? Nun, wir sollten:

 

  1. … uns angewöhnen, täglich Fischersleute, Gastronomen bzw. andere Sportbootfahrer nach der Wetterlage zu befragen.
  2. … übers Internet (è www.seewetter.de bzw. www.windfinder.com ) bzw. per SMS-Dienst (è www.wetterwelt.de ) die Wetterprognose abrufen. Werden östliche Winde prognostiziert und eine Winderhöhung auf über 4 Bft. angekündigt, sollten wir besonders achtsam werden; denn die automatisierten Windprognosen prognostizieren nur den Gradient-Wind (ergibt sich aus den Abstand zwischen den Isobaren), nicht aber deren Folgeerscheinungen entlang der kroatischen Küste, nämlich die eigentliche Bora: das immer schneller werdende Abfließen kalter Luft aufs Meer hinaus!
  3. … die Wetterlage beobachten. Besonders vorsichtig sollten wir bei folgenden Wetteranzeichen sein:

(a)  der Wind dreht auf östliche Richtung,

(b)  die Sicht wird besonders klar, z.B. ist das ferne Küstengebirge (etwa das Velebit-Gebirge) deutliche zu erkennen,

(c)  knapp über dem Gebirgsgipfeln legt sich eine dicht zusammenhängende kumulusartige Wolkenkette.

Übrigens, der Grund für die extreme Sichtverbesserung ist uns vom Föhn her bekannt: (1.) enthält kalte Luft weniger Luftfeuchtigkeit und (2.) erwärmt sich die kalte Luft beim Abfließen, was dazu führt, dass die relative Luftfeuchtigkeit sich zusätzlich vermindert.

 

Zweimal habe ich bislang die Bora erlebt. Ich möchte dieses Erlebnis nicht missen!

 

Ich möchte aber die Bora nicht unterwegs auf dem Wasser erleben, schon gar nicht entlang der Ostseite der kroatischen Inseln. Denn dort tritt die Bora als auflandiger Wind in Erscheinung, der nicht nur eine hohe, brechende Windsee, sondern beim Auftreffen auf die Küste zugleich auch eine fast ebenso hohe Reflexionswelle erzeugt, die noch Kilometer weit draußen die Windsee durcheinander mischt. Wer da mit seinem Seekajak hineingerät, möchte am liebsten sofort anlanden … aber Anlanden ist an einer solch rauen Küste selbst bei Flaute nicht so einfach möglich.

 

Ob wir als Küstenkanuwanderer auf der Westseite der kroatischen Inseln sicherer sind, hängt von verschiedenen Punkten ab. Hier bläst die Bora ablandig. Wenn dicht unter Land gepaddelt wird, haben wir in der Regel nicht mit Seegang zu kämpfen, wohl aber mit dem vom Land mehr oder wenig stark abgebremsten Wind. Ist die Insel kahl, d.h. frei von Bäumen wie bei einigen kroatischen Inseln, dann bietet die Landabdeckung nur Wellen- aber keinen Windschutz. Ansonsten könnten uns noch zusätzlich Fallwinde in Bedrängnis bringen bzw. lokal bedingte Düseneffekte, die zu einer plötzlichen Erhöhung des Windes um 2-3 Bft. führen können. Kritisch wird es aber auch dann, wenn wir uns aus Unwissenheit langsam immer weiter vom Wind aufs offene Meer bis dort hinaus treiben lassen, wo Wind & Welle fast nicht mehr beherrschbar sind, weder beim Paddeln und erst recht nicht mehr während der Rettungsaktionen, die nötig sind, um einen gekenterten Kanuten wieder zurück in sein Seekajak zu bringen.

 

Text: U.Beier

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Meltemi.pdf